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04.01.2001

15:07 Uhr

vwd FRANKFURT. Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel hat die formelle Untersuchung gegen das Medienunternehmen EM-TV & Merchandising AG , Unterföhring, aufgenommen. Wie ein Sprecher der Aufsichtsbehörde auf Anfrage am Donnerstag bestätigte, werden seit dieser Woche die Banken und EM-TV angeschrieben, um zu erfahren, wer wann welche Geschäfte getätigt hat bzw Insiderwissen hatte. Die beiden Listen werden danach abgeglichen, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wer beispielsweise Geschäfte vor bestimmten Ad-hoc-Mitteilungen tätigte und darüber hinaus über Insiderwissen verfügte. Der Sprecher der Behörde betonte, die Untersuchung richte sich im Gegensatz zu jener der Staatsanwaltschaft nicht gegen bestimmte Personen.

Das Bundesaufsichtsamt beschäftige sich mit den Geschäftsbewegungen. Allerdings arbeite es "eng" mit der Staatsanwaltschaft in München zusammen und tausche sich mit dieser über die Probleme aus. Dadurch könnten sich die Schwerpunkte verlagern. Der Sprecher des Bundesaufsichtsamtes für Wertpapierhandel konnte keine Angaben darüber machen, bis wann die Untersuchungen abgeschlossen sein werden. Erfahrungsgemäß dauerten sie mindestens ein halbes Jahr. Doch die Aktien von EM-TV, dem einstigen "Flaggschiff" des Neuen Marktes, seien sehr viel gehandelt worden. Außerdem bestehe die Besonderheit, dass mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet werde.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt im Falle EM-TV wegen Verdachts auf Insiderhandel unter anderem gegen Vorstandsvorsitzenden Thomas Haffa und dessen Bruder Florian Haffa, dem ehemaligen Finanzvorstand des Unternehmens. EM-TV hatte im Oktober eine EBIT-Prognose für 2000 von 560 Mill. DM abgegeben und diese im Dezember auf 50 Mill. DM nach unten korrigiert. Daraufhin war der Kurs der Aktie, der sich im Januar noch bei rund 120 Euro befand, auf unter zehn Euro gesunken und stand am Donnerstag bei 5,57 Euro.

Mittlerweile versuchen mehrere hundert Aktionäre über eine außergerichtliche Einigung Schadensersatz zu erhalten. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat außerdem eine Klage gegen das Unternehmen angekündigt. Der Medienkonzern hatte bei den Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft volle Kooperation zugesagt und wissen lassen, dass er keinen Grund für außergerichtliche Gespräche sehe.

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