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24.01.2002

17:28 Uhr

Enron-Gründer und Vorstandsvorsitzender tritt wegen unsauberer Geschäfte zurück

Kenneth Lay: Vom visionären Erfolgsmanager zum Pleitier

Ich will, dass Enron überlebt und deshalb brauchen wir jemanden, der sich hundertprozentig auf die Reorganisation der Firma konzentriert." Kenneth Lay kann sich um diese Aufgabe nicht mehr kümmern, er ist von seinem Posten als CEO und Vorstandsvorsitzender bei Enron zurückgetreten.

bba HOUSTON. "Seinen Sitz im Aufsichtsrat behält er vorerst. Der Manager ist zusammen mit seinem Vorzeigeunternehmen über unsaubere Geschäfte gestolpert und tief gefallen.

Manch einer mag sich fragen, wie viel Lay all die Jahre über die Machenschaften in den eigenen Reihen wusste. War er selbst an den Fälschungen der Bilanzen und an den vermuteten Manipulationen der Energiepreise beteiligt oder hat er sie nur geduldet? Warum hat er im September letzten Jahres kurz vor einer fatalen Verlustmeldung seine Angestellten aufgefordert, mehr Unternehmensaktien zu kaufen?

Eine Mitschuld am Absturz von Enron trägt der als arrogant und dickhäutig geltende Lay in jedem Fall. Denn der 59-jährige hat das Unternehmen gegründet und groß gemacht, die Firma war sein Lebenswerk. Da sollte man wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt.

1985, als Chef von Houston Natural Gas, fädelte Lay 1985 die Fusion mit InterNorth Inc. ein. Aus dem Zusammenschluss entstand Enron, in der Anfangszeit ein mittelmäßiger Pipelinebetreiber. Das änderte sich, als der ehrgeizige Lay 1986 die Führung übernahm. In den folgenden Jahren hat der vor Selbstvertrauen strotzende und geschickt taktierende Manager aus Enron eine Goldgrube gemacht. Während der kalifornischen Stromkrise 2000/2001 zog Lay, ein eifriger Befürworter der Deregulierung, enormen Profit aus den explodierenden Energiepreisen.

Durch seine Online-Handelsaktivitäten spielte Enron sogar in der Liga der New Economy-Unternehmen mit - dank den visionären Ideen seines Gründers. Auch mit gewagten Investitionen in vielen anderen Bereichen verstand es Lay, stets im Rampenlicht zu stehen. "Wir sind kein Energiebetrieb mehr", lautete seine Devise, "wir machen Märkte. Zum Schluss, kurz vor dem spektakulären Fall, leitete Lay das siebtgrößte Unternehmen der USA. Den Umsatz hatte er von 1990, als er bei 4,6 Mrd. $ lag, bis im Jahr 2000 auf 101 Mrd. $ hochgepuscht. Auch privat war er reüssiert: Er galt als enger Freund und Sponsor von US-Präsident Bush.

Doch so hoch sein Aufstieg war, so tief ist jetzt der Sumpf, in den Lay zusammen mit seinem Vorzeigeunternehmen geraten sind. Die gewagten Geschäftspraktiken des scheinbar unfehlbaren Managers, um die ihn oft genug Branchenkollegen beneideten, erweisen sich als ruinös und unsauber. Allzu aggressiv hatte Lay das Wachstum von Enron forciert, auf Kosten von Stabilität und Transparenz. Versteckte Schulden und vorgetäuschte Gewinne in Millionenhöhe, die Lay geschickt in den Bilanzen seiner ominösen Partnerfirmen verstecken wollte, tauchen jetzt an die Oberfläche. Genau wie seine Insidergeschäfte mit Aktien in Höhe von 300 Mill. $. "Enron und Kenneth Lay sind letztlich an ihrer eigenen Arroganz gescheitert", resümieren jetzt wohlgesonnene Beobachter.

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