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28.01.2003

14:40 Uhr

Entscheidende Runde der Gespräche

Lufthansa legt neues Tarifangebot vor

In der fünften Runde der Tarifverhandlungen für das Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa hat die Fluggesellschaft am Dienstag ein neues Angebot vorgelegt. Gewerkschaft und Arbeitgeber hatten sich zuvor zuversichtlich geäußert, in dieser Runde eine Einigung erzielen zu können.

Reuters MÖRFELDEN. Details zu dem Angebot könne sie nicht nennen, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi am Verhandlungsort in Mörfelden bei Frankfurt. Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer hatte zuvor angekündigt, der Konzern werde ein Gesamtpaket vorlegen, in das auch flexible Maßnahmen für den Fall eines Irak-Krieges aufgenommen würden. Am Mittwoch kommt die Tarifkommission der Gewerkschaft zusammen, die über Erfolg und Scheitern der Gespräche entscheiden und die Urabstimmung über einen Streik einleiten kann. Bereits Mitte Januar hatte Verdi die Lufthansa mit mehrstündigen Warnstreiks zur Streichung von Flügen gezwungen.

Lauer sagte vor Beginn der Verhandlungen, er gehe mit gedämpftem Optimismus in eine entscheidende Runde der Gespräche. Die Lufthansa sei bereit, sich zu bewegen. Allerdings müsse auch Verdi Zugeständnisse machen und von ihrer Forderung nach einer Einkommenserhöhung von neun Prozent abgehen. Die Gewerkschaft müsse berücksichtigen, dass nicht nur die Gefahr eines Irak-Krieges, sondern auch die zunehmend trübe Situation der Branche auf dem Unternehmen laste. Zudem sei eine lange Laufzeit des Tarifvertrages notwendig, um Planungssicherheit zu schaffen.

Verdi-Verhandlungsführer Jan Kahmann äußerte sich optimistisch zu den Einigungschancen. Wenn die Lufthansa ein gutes Angebot vorlege, könne es in dieser Runde eine Einigung geben, sagte er. Die Arbeitgeber müssten aber deutlich nachlegen. Auf die lange Laufzeit bis 2004 aufgeschlüsselt bedeute das bisherige Angebot nicht mehr als einen Inflationsausgleich, was Verdi nicht akzeptiere. Zugleich signalisierte Kahmann die Bereitschaft, sich mit der Lufthansa im Falle eines Irak-Krieges auf flexible Maßnahmen zu einigen. Auch für Verdi wird die Zeit knapp, da ein Krieg im Irak und seine Folgen für die Lufthansa die Verhandlungsgrundlage der Gewerkschaft schwächen dürften.

Verdi fordert Einkommenserhöhungen von neun Prozent sowie eine Gewinnbeteiligung für die 52 000 Mitarbeiter des Kabinen- und Bodenpersonals. Bei der Laufzeit hatte Verdi zuletzt Gesprächsbereitschaft über die ursprünglich verlangten zwölf Monate signalisiert. Das bisherige Angebot der Lufthansa sieht Lohnerhöhungen von 2,4 Prozent ab Anfang 2003 und weiteren 1,5 Prozent ab Ende 2003 bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor. Außerdem ist die Lufthansa zu einer Ergebnisbeteiligung von 1,6 Prozent für 2002 und einer Einmalzahlung für die letzten beiden Monate 2002 bereit.

Die Lufthansa argumentiert bei ihrem Angebot auch mit der weltweiten Krise der Branche. Bereits vor einigen Tagen kündigte der Konzern an, er werde wegen der Wirtschaftskrise neun Flugzeuge im Kontinentalverkehr still legen und bis Mitte Februar umfassende Maßnahmen zur Ergebnissicherung prüfen. Außerdem gab das Unternehmen wegen der Sparmaßnahmen bei vielen Geschäftskunden zuletzt nur einen verhaltenen Ausblick für 2003 und erwartet in diesem Jahr keine Ergebnisverbesserung im operativen Geschäft. Das Jahr 2003 werde keinesfalls besser als 2002, für das der Konzern einen operativen Gewinn von 700 bis 750 Millionen Euro erwartet, hatte es geheißen. Mit einer deutlichen Geschäftsbelebung und einer Rückkehr zur alten Ertragsstärke sei erst 2004 zu rechnen.

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