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29.01.2003

13:10 Uhr

Entscheidung bis Ende 2003 angestrebt

Vattenfall Europe lässt die Börse zappeln

Nach der Übernahme des Berliner Energieversorgers Bewag will der neue Stromkonzern Vattenfall Europe in den kommenden Monaten über seine Zukunft an der Börse entscheiden. Möglich sei neben dem Verbleib auch ein Rückzug, sagte Vorstandschef Klaus Rauscher. "Wir schließen überhaupt nichts aus." Vattenfall Europe mit Sitz in Berlin ist der drittgrößte deutsche Stromkonzern und seit kurzem auch an der Börse notiert.

HB/dpa BERLIN. "Wir werden uns unsere Meinung dazu in diesem Jahr bilden", sagte Rauscher in einem dpa-Gespräch. Ein so genanntes Squeeze Out, mit dem die verbliebenen Kleinaktionäre herausgedrängt und abgefunden werden, stehe nach der Bewag-Übernahme aber nicht an. Es sei nicht Absicht, die Bewag-Kleinaktionäre zum Verkauf zu zwingen. "Wir werden die Bewag zunächst mit Vattenfall Europe verschmelzen und anschießend sehen, was mit dem Streubesitz geschehen soll." Dieser beträgt nach der Verschmelzung lediglich 6,2 Prozent.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall schließt in dieser Woche die Fusion seiner deutschen Beteiligungen ab. Am Freitag soll auf einer Hauptversammlung die Verschmelzung der bereits mehrheitlich Vattenfall gehörenden Bewag auf die Holding Vattenfall Europe beschlossen werden. Unter dem Dach des neuen Unternehmens wurden bereits die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW), die ostdeutsche Veag und der Braunkohleförderer Laubag zusammengeführt.

"Der Verschmelzungsbeschluss ist ein bedeutsamer Schritt für den neuen Konzern und gesellschaftsrechtlich der Schlusspunkt", sagte Rauscher. Es gehe nun darum, die Effizienz des neuen Verbundes zu erhöhen. Ziel sei, bis 2005 die Kosten um jährlich 550 Millionen Euro zu reduzieren. Davon seien bisher 200 Millionen Euro erreicht. Bei den Personalplänen bleibt das Ziel, die Zahl der Vollbeschäftigten im gleichen Zeitraum von zuletzt 17 500 auf 14 500 zu senken und dabei auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Die Nettoverschuldung des neuen Konzerns bezifferte Rauscher auf 1,7 Milliarden Euro, was etwas mehr als 25 Prozent des Umsatzes entspreche. "Das ist im Vergleich zu Wettbewerbern nicht schlecht", sagte der Vorstandschef.

"Allein hätte die Bewag langfristig keinen Erfolg", sagte Rauscher. Bewag und HEW agierten auf ihren Heimatmärkten mit zusammen drei Millionen Endkunden aber weiter unter der bisherigen Marke. "Daran wird sich nichts ändern." Auch mit ostdeutschen Regionalversorgern werde nach wie vor eine Vertriebspartnerschaft angestrebt. Zudem wolle Vattenfall Europe bei Industriekunden zulegen. Beteiligungen an Stadtwerken oder Regionalversorgern schloss er aus. Diese machten wenig Sinn und seien zu teuer. "Man muss nicht an Stadtwerken oder Regionalversorgern beteiligt sein, um Strom liefern zu können."

Die Zukunft der Bewag-Billigstromtochter best energy im neuen Verbund ist offen. Das Unternehmen stehe auf dem Prüfstand, sagte Rauscher. "Wenn die es schaffen, schwarze Zahlen zu schreiben, haben sie eine Chance." Die mit der Bewag ebenfalls übernommene Beteiligung am Berliner Gasversorger Gasag bereite dagegen "viel Freude". Ein Einstieg beim überregionalen Ost-Gasversorger VNG bei einem Rückzug der bisherigen Mehrheitseigner sei weiterhin möglich. "Wenn einige Beteiligungen auf den Markt kommen, schauen wir uns das an", sagte Rauscher.

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