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14.01.2003

08:00 Uhr

Entscheidung im Frühjahr

Geschenke adieu

VonCordelia Chaton

Das Weihnachtsgeschäft ist gelaufen, und Hans-Joachim Evers ist ganz zufrieden. Der Vorsitzende des Gesamtverbandes der Werbemittelwirtschaft (GWW) weiß, dass seine Branche in den letzten drei Monaten des Jahres immerhin ein Drittel des Gesamtumsatzes macht - dank Weihnachtspräsenten. 2002 waren es mit 2,9 Milliarden Euro zwar schon weniger als 2001 mit 3,1 Milliarden. "Aber bislang haben die Unternehmen eher an anderen Medien gespart als an Werbemitteln", beobachtet Evers.

Damit könnte in diesem Jahr Schluss sein. Denn die Bundesregierung plant, die steuerliche Absetzbarkeit von Weihnachtsgeschenken zu streichen. Entschieden wird darüber im Frühjahr. Für eine Branche mit 60 000 Beschäftigten und 5 000 Unternehmen wäre das ein herber Schlag. Insider rechnen mit bis zu 40 Prozent weniger Arbeitnehmern und einigen Pleiten.

Doch wie sehen das die Unternehmen? Der Wuppertaler Armaturenhersteller Grohe bedachte seine Kunden gerade mit 60 x 80 cm großen Fotografien von Rosa M. Hessling samt Künstlerblatt. "Wir sparen nicht am Kunden", kommentiert Sprecher Bernd Buhmann trotz wirtschaftlicher Flaute und den Sparpläne der Bundesregierung.

Für viele Unternehmen sind die Geschenke eben auch eine Präsentation ihres eigenen Könnens. Der Porzellanhersteller Christofle erfreute 2002 ausgewählte Geschäftspartner mit einem Brieföffner. Ebenso wie zuvor ein Visitenkartentablett von André Puttmann oder ein Friedensei von Clara Halter könnte das Utensil aus feinstem Porzellan bald in die reguläre Kollektion übergehen.

Großer Vorteil der Werbung mit eigenen Produkten: Sie ist günstiger als der Einkauf von Präsenten. Beim Düsseldorfer Chemieriesen Henkel werden Weihnachten denn auch Päckchen mit Pritt-Stiften, Zahnpasta, Waschpulver, Hautcreme, Shampoo und Lotion gepackt. Über solch praktische Gaben aus der Produktion freuen sich Kunden und Freunde des Hauses. Ob es die Päckchen auch im Falle des Sparparagrafen gibt? "Da müssen wir noch mal überlegen", meint Firmensprecher Sven Jacobsen.

Nicht für den Eigenbedarf, dafür um so gutherziger sind die Gaben der Mutaris Unternehmensberatung. An den Standorten Lörrach und Basel lassen die Spezialisten für Unternehmensprozesse und Reporting im SAP-Umfeld regionalen Projekten Geld zukommen. "Früher haben wir noch per Karte informiert, jetzt machen wir das nur noch auf der Homepage", sagt Geschäftsführer Kai Krippner bescheiden.

Auch Carsten Rogge-Strang will auf jeden Fall weiter spenden. Er ist Partner der Kölner Agentur Ergo, die sich auf Unternehmenskommunikation spezialisiert hat und die WestLB und Debitel zu ihren Kunden zählt. Mal profitiert die Welthungerhilfe, mal Cap Anamur von den Ergo-Geschenken. Rogge-Strang sieht auch bei einer Gesetzesänderung keinen Grund zum Knausern: "Das gehört zur unternehmerischen Verpflichtung." Ausgewählte Kunden sollen auch weiterhin eine Flasche Wein erhalten.

Der gute Tropfen erfreut sich bei den Gaben nach wie vor großer Beliebtheit. Mac Messe- und Ausstellungscenter Service GmbH, einer der größten deutschen Messebauer mit Dependancen in Prag und Schanghai, verschickt jedes Jahr Weine aus der heimischen Nahe-Region. "Auch wir sparen, wo immer es möglich ist", erläutert Geschäftsführer Werner Hasskerl, "aber nicht am Dank für unsere Kunden." Weine aus der Region versendet auch Wampfler aus Weil am Rhein, einer der führenden Hersteller von mobiler Energie- und Datenübertragung.

Ähnlich beliebt sind CD, Stollen oder andere praktische Geschenke. Beim Internethändler Arte Dona ist das Allwetterset der Renner: ein Schal in einer silberfarbenen Dose, dazu ein Schirm; auf Wunsch beides mit Monogramm. Weniger traditionell, dafür umso ideenreicher sind vor allem Agenturen bei ihren Präsenten. Die auf Kommunikationsdesign spezialisierten Kölner von Streng & Christ verschenken mal Mini-Taschenlampen für Geschenkefahnder unterm Tannenbaum, mal dreiteilige Karten, bei denen ein Stift gleich mitgeliefert wird. "Damit können unsere Kunden ihre guten Vorsätze festhalten", schmunzelt Mitinhaber Thomas Streng.

Bei Kuhn, Kamman & Kuhn einer der größten deutschen Unternehmens- und Finanzkommunikationsagenturen, ist das Präsent noch ausgefallener - und teurer. "Es ist kein Weihnachtspräsent, sondern eine Gabe zu Jahresbeginn", erklärt Partner Klaus Kuhn die kleine Buchreihe. Mal erscheint der Bericht der niederländischen Praktikantin bebildert, mal ist es ein Krimi mit Handelnden aus der Agentur, mal eine Kartensammlung mit Karikaturen zu seltsamen Begriffen der Finanzwelt wie beispielsweise Not leidende Wertpapiere. Selbst wenn Werbemittel nicht mehr absetzbar sind, will Kuhn auf die gedruckten Gaben mit rund 700 Exemplaren Auflage nicht verzichten: "Die Erwartungshaltung der Kunden ist extrem hoch. Da gehen wir lieber einmal weniger essen."

So großzügig können oder wollen nicht alle Unternehmen sein. In der Düsseldorfer Zentrale von Thyssen-Krupp ist klar: Weihnachtsgeschenke wurden noch nie gemacht. Und auch bei der Zentrale der Plus-Supermärkte lautet die Parole: "Wir machen keine Geschenke und nehmen auch keine entgegen."

Genauso hält es auch der Autohersteller Ford. Dessen Händler dagegen sind sehr aktiv. So lud eine Hamburger Ford-Vertretung rund 6 000 Kunden zu einer opulenten Weihnachtsfeier samt Büfett ein, die in mehreren Schichten und Tagen abgefeiert wurde. Ein norddeutscher Konkurrent setzt dagegen auf Regionales und verschickt jedes Jahr einen Aal, eine Flasche Schnaps und ein Päckchen Schwarzbrot.

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