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06.02.2001

10:51 Uhr

Entscheidung in den Niederlanden

Neue Hoffnung für die Magnetschwebebahn

VonJörg Schäfer (Handelsblatt.com)

Ende Februar entscheidet das Kabinett in Den Haag, ob in den Niederlanden eine Transrapidstrecke zwischen dem Flughafen Schipol und Groningen gebaut werden soll. Das internationale Transrapid Konsortium aus Siemens und Thyssen-Krupp ist überzeugt, dass die Entscheidung für die Magnetschwebebahn ausfällt.

DÜSSELDORF. Der Großauftrag aus China, den Flughafen Schanghai mit dem Finanzzentrum der Stadt durch den Magnetzug aus Deutschland zu verbinden, hat dem Transrapid zu neuem Schub verholfen. Neben den USA interessieren sich nun auch die Niederländer für den ehemaligen deutschen Ladenhüter. In der Hochstimmung für den Transrapid ruht die Hoffnung des Industriekonsortiums aus Siemens und Thyssen-Krupp auf der Regierung in Den Haag.

Voraussichtlich in der zweiten Februarhälfte falle im Kabinett die Entscheidung für den bis zu 500 Stundenkilometer schnellen Turbozug zwischen dem Flughafen Schipol in Amsterdam und der nordfriesischen Universitätsstadt Groningen, glaubt Martin van Pernis, Chef des Transrapid Konsortiums in den Niederlanden und stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Siemens Nederland. "In vier Jahren", sagte van Pernis im Gespräch mit Handelsblatt.com, "können wir bauen." Die Strecke soll 4,9 Mrd. Euro kosten. Eine Sprecherin des niederländischen Verkehrsministeriums wollte die Prognose des Transrapid-Managers nicht bestätigen, aber sie dementierte auch nicht. "Es ist alles offen", sagte sie zu Handelsblatt.com.

Bereits 1997 hatten die niederländische Regierung und die Städte und Provinzen im Norden des Landes eine schnelle Verbindung zwischen Amsterdam und Groningen beschlossen. Mittlerweile sind alle Alternativen untersucht. Nun entscheidet das Kabinett, ob die vorhandene Strecke ausgebaut werden soll, ob dort ein ICE oder eine Magnetbahn fahren soll. "Die Provinzen im Norden wollen die Magnetbahn", sagt van Pernis, "weil sie schnell beschleunigt und auch bei häufigen Stopps für Geschwindigkeit sorgt." Immerhin soll der Superzug auf den rund 200 Kilometern zwischen Schipol und Groningen acht Mal anhalten.

Zweite Trasse rund um Randstad

Nach einem positiven Beschluss im Kabinett müsste das niederländische Parlament entscheiden. Ende des Jahres, glaubt van Pernis, werde die niederländische Regierung dann den Bau einer 5,1 Mrd. Euro teuren zweiten Transrapidstrecke rund um die Städte Amsterdam, Utrecht, Gouda, Rotterdam, Den Haag und Leiden (Randstad) beschließen.

Das Transrapid Konsortium Nederland besteht zu je gleichen Teilen aus den Baugruppen HBG und Ballast-Nedam, aus ABN Amro und Siemens Nederland als Vertreter für das internationale Transrapid Konsortium aus Thyssen-Krupp und Siemens. Beide Strecken, durch private und öffentliche Mittel finanziert, sollen sich zum überwiegenden Teil (80 Prozent) aus dem Verkauf von Fahrkarten tragen, so van Pernis. Der Rest (20 Prozent) werde durch die Vermietung von Gewerbeflächen in den Bahnhöfen eingenommen. Das Transrapid Konsortium hofft auf eine Betriebs-Konzession für 15 Jahre ab 2010.

Mittlerweile ist der Transrapid auch im Inland wieder im Gespräch. Die Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen hoffen auf durch den Bund mitfinanzierte Strecken zwischen dem Münchener Hauptbahnhof und dem Flughafen sowie zwischen Düsseldorf und Dortmund. Knapp fünf Milliarden Mark hat der Bundesverkehrsminister noch für eine deutsche Magnetbahn reserviert. Im nächsten Jahr sollen Machbarkeitsstudien zu beiden Strecken vorliegen.

"Das ist keine ideologische Frage"

Die Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und Wolfgang Clement (SPD) sind energische Verfechter des Transrapids, und mittlerweile haben auch die Grünen in Nordrhein-Westfalen ihre grundsätzliche Ablehnung aufgegeben. Nachdem der Zug ebenerdig, also nicht auf Stelzen, und auch nicht mit Hochgeschwindigkeit durch das Ruhrgebiet fahren soll, rücken die ökologischen Bedenken in den Hintergrund. "Wir machen den Zug nicht zu einer ideologischen Frage", sagte die Chefin der Grünen-Landtagsfraktion, Sylvia Löhrmann, zu Handelsblatt.com, "wir sind nicht gegen Innovationen."

Obwohl der Transrapid mittlerweile neue Freunde gefunden hat, scheint es für eine Neubewertung der Aktien von Siemens und Thyssen-Krupp verfrüht. Die meisten Analysten halten sich mit positiven Einschätzungen noch zurück. Dennoch hat die neue Diskussion um den Transrapid die Aktien von Thyssen-Krupp und Siemens beflügelt.

Drei Monats-Chart von Siemens

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