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06.01.2003

17:17 Uhr

"Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen"

Verdi will kaum noch am Schlichterspruch rütteln

Die Gewerkschaft Verdi will im Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst auf der Grundlage der Schlichtungsempfehlung einen letzten Einigungsversuch unternehmen. Nach den Worten von Verdi-Chef Frank Bsirske will die Gewerkschaft aber an dem von den Arbeitgebern bislang abgelehnten Schlichterspruch kaum noch rütteln.

Reuters BREMEN. "Jetzt müssen sich die Arbeitgeber bewegen. Sonst tragen sie die Verantwortung für einen harten Arbeitskampf", sagte Bsirske am Montagnachmittag in Bremen. Zuvor nahm die Große Tarifkommission die von den Arbeitgebern abgelehnte Schlichterempfehlung mit wenigen Gegenstimmen an.

"Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagte Bsirske. "Der Schlichtungsspruch enthält eine ganze Reihe von Kröten." Das gelte für den Wegfall eines freien Arbeitstages und die anderen Ausgleichsmaßnahmen des Schlichtungsvorschlages, der allerdings von den Arbeitgebern zuvor einhellig abgelehnt worden war. "Wir sind damit an den Rand dessen gegangen, was wir verkraften können", sagte Bsirske auf die Frage nach weiteren möglichen Zugeständnissen der Gewerkschaft. Zu den Chancen für eine Einigung bei der entscheidenden Tarifrunde am Mittwoch und Donnerstag in Potsdam wollte sich der Verdi-Chef nicht konkret äußern.

Die Arbeitgeber müssten ihre bisherige Blockadehaltung aufgeben und die Kostenwirkung des Schlichterspruchs vollständig berechnen, forderte Bsirske. Die Arbeitgeber würden die Mehreinnahmen durch steigende Lohnsteuern nicht in ihre Kalkulationen einbeziehen. Dadurch würden die Mehrkosten des Schlichterspruches nach Verdi-Berechnungen für 2003 bei etwa 2,8 Milliarden Euro liegen und nicht bei mehr als fünf Milliarden Euro, wie von Arbeitgeberseite angegeben.

Auf das am Sonntagabend von Arbeitgeberseite vorgelegte verbesserte Angebot ging Bsirske nicht ein. Stattdessen forderte er die Arbeitgeber mehrfach auf, der Schlichterempfehlung doch noch zuzustimmen. Diese sei schließlich auch mit Billigung des von ihnen entsandten Schlichters Hinrich Lehmann-Grube (SPD) zu Stande gekommen.

Der Vorschlag der Schlichter sieht eine Lohnerhöhung in zwei Stufen um insgesamt 3,0 Prozent vor, das Gegenangebot der Arbeitgeber von 2,8 Prozent. Allerdings verlangen die Arbeitgeber wesentlich höhere Ausgleichsmaßnahmen.

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