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15.01.2002

19:00 Uhr

Entscheidung über Stolte-Nachfolge soll am Freitag fallen

Drei Kandidaten ringen um ZDF-Chefposten

VonHans-Peter Siebenhaar

Vermutlich bis Freitag beraten die politischen Blöcke, welcher der übrig gebliebenen drei Kandidaten ZDF-Intendant wird. Beobachter räumen ARD-Programmchef Günter Struve als einzigem externen Bewerber die größten Chancen ein, im März den ZDF-Chefsessel von Dieter Stolte zu übernehmen.

DÜSSELDORF. Blamiert haben sich alle Beteiligten schon vor Weihnachten - der erste Wahlgang für das Amt des ZDF-Intendanten am Nikolaustag endete in einem Fiasko. Keiner der Kandidaten konnte die erforderliche Mehrheit auf sich vereinen. Weder der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze noch die Hamburger NDR-Funkhauschefin Dagmar Reim erreichten die notwendige Drei-Fünftel-Mehrheit von 47 Stimmen.

Und auch vor der erneuten Wahl des Nachfolgers von Dieter Stolte am nächsten Freitag ist offiziell unklar, wer eigentlich zur Wahl steht. Hinter den Kulissen feilschen Vertreter aus dem konservativen und dem linken Lager allerdings fleißig um einen Konsens.

An diesem Mittwoch mühen sich Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, und sein Amtskollege aus Thüringen, Bernhard Vogel (CDU), gemeinsam um einen Ausweg aus der verfahrenen Intendantenkür. Beck ist ZDF-Verwaltungsratschef und Vogel sein Stellvertreter. Zumindest theoretisch könnte sich der Fernsehrat mit seiner Entscheidung noch bis zum Tag des endgültigen Ausscheidens Stoltes, dem 14. März, Zeit lassen. So sieht es zumindest der ZDF-Staatsvertrag vor. Doch politisch kann es sich keiner der Beteiligten leisten, dass am kommenden Freitag die Entscheidung erneut vertagt wird.

Wenn um 9 Uhr die Sitzung des Fernsehrats auf dem Mainzer Lerchenberg beginnt, sollen die Mehrheiten bereits feststehen. Drei Namen werden derzeit gehandelt. Die aus den Freundeskreisen um SPD und CDU/CSU bestehende "Arbeitsgruppe Intendantenwahl" hat den ARD-Programmdirektor Günter Struve aus München als einzigen Kandidaten außerhalb des ZDF benannt. Der 61-jährige Politikwissenschaftler und frühere Redenschreiber von Willy Brandt gilt als profilierter Film- und Fernsehmanager. Vor rund zehn Jahren war der Ex-WDR-Fernsehdirektor zum ARD-Programmchef gewählt worden. Mit dem ZDF hat Struve eine besondere Verbindung - er selbst war zwischen 1973 und 1982 Mitglied des ZDF-Fernsehrates. Daneben treten der als konservativ geltende ZDF-Direktor für 3sat und Arte, Gottfried Langenstein, (47) und der ebenfalls konservative ZDF-Programmchef Markus Schächter (52) als Kandidaten an. Sowohl Langenstein als auch Schächter waren von Stolte als Kandidaten benannt worden.

Über Monate hatte NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) versucht, einen eigenen Kandidaten durchzusetzen.

Zuletzt war der Endemol-Deutschlandchef Werner Schwaderlapp - früher selbst beim ZDF - im Gespräch. Als weiterer Kandidat wurde der Chefredakteur von Deutsche Welle-TV, Christoph Lanz, genannt. Dem konservativen, im eigenen Berliner Sender ungeliebten Journalisten werden jedoch keine Chancen mehr eingeräumt. Schwaderlapp hat im ZDF mehr Feinde als Freunde zurückgelassen.

Stolte verlässt nach 20 Jahren die größte Sendeanstalt Europas in Richtung Berlin. Der 67-Jährige wechselt als Herausgeber der "Welt" und "Berliner Morgenpost" zum Axel Springer Verlag. Ursprünglich hatte Stolte Chef des Goethe-Instituts werden wollen. Doch der als Freund der Kirch-Gruppe geltende ZDF-Intendant scheiterte am Widerstand von Außenminister Joschka Fischer (Grüne).

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