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15.02.2002

13:51 Uhr

Entspannung in Sicht

Inflation springt auf 2,1 Prozent

Parallel zur Euro-Bargeldeinführung ist die Inflation in Deutschland im Januar auf 2,1 % gesprungen.

dpa FRANKFURT/MAIN. In den beiden Vormonaten hatte die jährliche Preissteigerungsrate nur 1,7 % betragen. Allein von Dezember auf Januar zogen die Verbraucherpreise um 0,9 % an, berichtete das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem neuen Bargeld und dem deutlichen Anstieg der Teuerungsrate hat eine hitzige Debatte über den Euro-Effekt ausgelöst. Viele Verbraucher sehen immer noch in klammheimlichen Preiserhöhungen bei der Auszeichnung der Waren mit der neuen Währung die entscheidende Ursache für den Preisschub. Doch bei genauer Betrachtung der statistischen Daten wird diesen Befürchtungen der Boden entzogen.

Überdurchschnittlich stiegen vor allem die Preise für Nahrungsmittel, die im Jahresvergleich um 6,7 % zulegten. Obst und Gemüse verteuerten sich allein von Dezember bis Januar um 8,6 beziehungsweise 20 %. Hauptursache dafür war der Wintereinbruch auch in Südeuropa, der das Angebot erheblich reduzierte. Da die Statistiker ihre Preiserhebungen immer zur Monatsmitte vornehmen, blieb der Witterungseffekt in den Dezember-Werten noch unberücksichtigt - entsprechend deutlich wirkte sich der monatliche Preisschub in der Statistik aus.

Vierte Stufe der Ökosteuer

Diesem Einfluss werden vom Statistischen Bundesamt allein 0,4 %-Punkte und damit fast die Hälfte der durchschnittlichen monatlichen Teuerung zugeschrieben. Weitere 0,4 %-Punkte gehen auf das Konto Steuererhöhungen. Die vierte Stufe der Ökosteuer zum Jahresanfang hat allein Benzin um 3,6 Cent (7 Pfennig) belastet. Hinzu kam die Anhebung der Tabak- und der Versicherungssteuer. Ohne die gestiegenen Preise für Obst und Gemüse sowie die Auswirkungen der Steueranhebungen wären die Verbraucherpreise gegenüber Dezember nur um 0,1 % gestiegen, und die jährliche Inflationsrate wäre auf 1,6 % gesunken.

Auffällig sind allerdings die Preissprünge im Hotel- und Gaststättengewerbe mit Aufschlägen von 3,7 % im Vergleich zum Januar 2000 oder 1,8 % zum Vormonat. Dabei dürften die verteuerten Nahrungsmittel in der gesamten Kostenkalkulation nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielfach wurden jedoch nach ersten Beobachtungen die neuen Euro-Preislisten genutzt, um kräftig nach oben "aufzurunden". Genauere Analysen über die Preisentwicklung bei einzelnen Produktgruppen zur Euro-Bargeldeinführung will das Statistische Bundesamt Ende Februar vorlegen.

Ölpreisexplosion und Tierseuchen

Während die Euro-Diskussion die Konsumenten äußerst sensibel macht, wurden in Zeiten der D-Mark Preisaufschläge weitaus gelassener hingenommen. Vergessen ist bereits, dass zum Jahresanfang 2001 zunächst wegen der Ölpreisexplosion und später auf Grund der Tierseuchen die jährliche Inflationsrate in Deutschland weit oberhalb der Marke von zwei Prozent lag. Der Höhepunkt wurde im Mai mit 3,5 % erreicht. Bei Fleisch, Gemüse, Obst und Milch kam es zwischenzeitlich sogar zu Erhöhungen bis zu 20 %.

Doch für den weiteren Jahresverlauf deutet sich eine nachhaltige Beruhigung an der Preisfront an. Die Europäische Zentralbank, die Bundesbank und die Volkswirte der Großbanken gehen übereinstimmend davon aus, dass die Inflationsrate wieder unter die Marke von zwei Prozent zurückgeht. Neben günstigen Energie- und Nahrungsmittelpreisen dürfte vor allem der positive Trend bei den Erzeugerpreisen dazu beitragen, im Gesamtjahr 2002 wieder auf eine durchschnittliche Teuerungsrate von etwa 1,5 % zu kommen. Dies wäre deutliche weniger als 2001 und 2000 mit 2,5 beziehungsweise 1,9 %.

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