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24.04.2003

06:19 Uhr

Entwicklung der Vorreiter aus der Chipbranche lässt Seitwärtsbewegung erwarten

Technologie-Aufschwung in weiter Ferne

VonUlf Sommer

Wer noch immer darauf hofft, dass automatisch der Aufschwung kommt, wenn die Talfahrt stoppt, sollte auf Halbleiterunternehmen schauen. Das ernüchtert.

DÜSSELDORF. Chips stehen ganz am Anfang der Herstellungskette vieler hochwertiger Technologiegeräte. Die Branche genießt zu Recht den Ruf eines Frühindikators für Wirtschaft und High-Tech-Börsen. Daran gemessen sollten Investoren nur bescheidene Hoffnungen in Technologie-Aktien setzen.

Samsung, Intel, AMD und Infineon riefen mit ihren Quartalszahlen unterschiedliche Börsenreaktionen hervor. Mal schossen die Kurse nach oben, weil sich Anleger auf Intels Gewinne konzentrierten, die höher als erwartet ausfielen. Wenige Tage später stand bei Infineon der Preisverfall für Speicherchips (DRAM) im Vordergrund. Entsprechend gingen die Kurse für Halbleiterwerte wieder nach unten. Dem weltgrößten Speicherchiphersteller Samsung macht der Preiskampf zwar ebenso stark zu schaffen, weshalb der Nettogewinn um 41 % einbrach. Dass die Kurse dennoch stiegen, hatte andere Gründe: Nokia hatte mit seinen akzeptablen Quartalsergebnissen Samsung in den Schatten gestellt.

Investoren, deren Anlagehorizont weiter als einen Tag reicht, lassen sich von solchen Tagesschwankungen nicht beeinflussen. Sie vergleichen Umsätze, Erträge und vor allem Ausblicke der Unternehmen. Dabei zeigt sich: Intel und Co. haben ihre Kosten im Griff, Nachfrage ist vorhanden, doch Preisdumping mit einem unverändert hohen Wettbewerbsdruck lässt die Herstellungskosten bisweilen über die Verkaufserlöse steigen.

Alle bisherigen Quartalsergebnisse zeigen, dass der Halbleitermarkt auf niedrigem Niveau konsolidiert. Darauf deuten auch die jüngsten Zahlen des Branchenverbandes ZVEI hin. Umsätze und Aufträge halten sich inzwischen schon seit einem Dreivierteljahr die Waage, nachdem es 2001 bei den Aufträgen zu dramatischen Einbrüchen gekommen war. Dieser Verfall ist nachhaltig gestoppt. Doch eine dauerhafte Belebung gibt es nur, wenn Unternehmen wieder mehr Geld in die Infrastruktur ihrer Informationstechnologie investieren. Davon ist aber angesichts leerer Kassen samt hoher Verschuldung insbesondere bei den Hauptabnehmern, den Telekommunikationsfirmen, nichts zu erkennen. Derzeit erwartet niemand, dass Chips plötzlich in hoher Zahl für neuartige Geräte gebraucht werden wie noch im Boom Ende der 90er Jahre.

Anlass zur Sorge gibt weniger die flaue Nachfrage, sondern der Preiskampf. Dieser droht die Aktien der Chiphersteller weiter zu drücken, solange einzelne Firmen dank Subventionen in der Lage sind, ihre Ware deutlich unter Wert anzubieten. Bei der südkoreanischen Hynix hält sich dieser Verdacht seit langem. Innovativen Unternehmen wie Infineon mag es zwar gelingen, Kosten durch Umstrukturierungen und Entlassungen zu senken. Doch solange DRAM-Chips in der Herstellung teurer sind, als sie anschließend einbringen, bleiben unter dem Strich Verluste. Da helfen auf Dauer nur billigere und hochwertigere Chips, an denen Infineon mit Hochdruck arbeitet.

Lässt man diesen ruinösen Preiskampf außen vor - ihn gibt es in dieser scharfen Form in kaum einer anderen High-Tech-Branche -, dann bleibt als Fazit: konstante Nachfrage auf niedrigem Niveau. Übertragen auf Kurschancen von Technologie-Aktien und vor dem Hintergrund der Vorreiterrolle, den die Chip-Branche genießt, heißt das: Nachhaltige Kurssprünge sollte niemand erwarten - Einbrüche im Format von 2002 und 2001 aber auch nicht.

Für eine Konsolidierung und Seitwärtsbewegung der TechnologieAktien sprechen auch die Quartalszahlen und Ausblicke in anderen Branchen wie Computer-Hardware, Software und Telekommunikation. Dank massiver Umstrukturierungen senken die Unternehmen ihre Kosten. Dadurch steigen die Margen stärker als erwartet. Eine nachhaltige Belebung erkennt aber kein Unternehmen. Da viele Techno- logie-Aktien trotz der Talfahrt im Durchschnitt höher als in den vergangenen Jahrzehnten bewertet sind, wäre eine neue Börsen-Hausse auf Sand gebaut.

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