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07.01.2003

07:32 Uhr

Entwurf der FCC kann lokale Anbieter

US-Behörde lockert Telekom-Regeln

Schon bald könnten in den USA lokale Telefonanbieter von ihrer Verpflichtung befreit werden, ihre Netze den Anbietern von Fern- und Mobilfunkgesprächen zur Verfügung stellen zu müssen. Konzerne wie AT&T und Worldcom wären die Verlierer einer solchen Regelung, die die US-Telekomaufsicht FCC anstrebt.

bba/sia/vwd WASHINGTON. Die US-Telekomaufsicht FCC (Federal Communications Commission) will den Wettbewerb auf dem US-Markt auf eine neue Grundlage stellen. Lokale Telefonanbieter sollen daher von ihrer Verpflichtung befreit werden, ihre Netze den Ferngesprächsgesellschaften gegen günstige Großabnehmergebühren zur Verfügung zu stellen. Ein entsprechender Entwurf soll noch in dieser Woche vorgelegt werden. Branchenbeobachtern zu Folge wäre dies die größte Änderung auf dem Markt seit 1996, als der US-Telekommarkt geöffnet wurde.

Die FCC will die Ferngesprächsanbieter mit dieser Änderung dazu bringen, eigene Netze aufzubauen, statt wie bisher Kapazität vom Wettbewerber zu nutzen. Wer Ortsgespräche anbieten wolle, der müsse auch eigene Infrastruktur betreiben, nur dann könne fairer Wettbewerb entstehen - davon sei FCC-Chef Michael Powell überzeugt, hieß es aus informierten Kreisen.

Insbesondere die vier regionalen US-Anbieter - darunter Verizon Communications und Qwest -, die ihre starke Position auf dem lukrativen lokalen Telefonmarkt halten wollen, würden von der Gesetzesänderung profitieren. Bislang verlieren sie Kunden an ihre größten Konkurrenten: Ferngesprächs- und Mobilfunkanbieter wie AT&T, die alles daran setzen, in den Markt für Ortsgespräche einzusteigen und dafür bei den lokalen Anbietern die entsprechenden Kapazitäten kaufen. Die überregionalen Anbieter, zu denen auch der insolvente Telekomriese Worldcom zählt, wären umgekehrt die Verlierer.

Für die Kunden könnte sich die von der FCC angestrebte Änderung, die erst nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft treten soll, zunächst negativ auswirken. Denn fürs Erste erschwert sie den Wettbewerb der Fern- und Mobilfunkanbieter auf dem lokalen Markt. Mögliche Folgen: Die Firmen könnten ihre Serviceleistungen einschränken und höhere Gesprächsgebühren verlangen. Anfang Februar ist nun damit zu rechnen, dass die Anbieter von Ferngesprächen Einspruch dagegen erheben. Denn sie haben angesichts des harten Wettbewerbs mit weiter niedrigen Preisen für lokale Gesprächskapazitäten gesetzt und fürchten nun, dass die Neuregelung die lokalen Gesellschaften einseitig bevorzugen würde. Durch die geplante Änderung bekämen sie eine Möglichkeit, die Konkurrenz durch die Anbieter von Ferngesprächen quasi abzuwürgen.

Eine Gruppe würde indes von der geplanten Änderung profitieren: die Telekomzulieferer, vertreten durch Firmen wie Lucent Technologies und Nortel Networks. Sie könnten mit Aufträgen für den Aufbau neuer Netze rechnen.

Der harte Wettbewerb auf dem US-Telekommarkt hat bereits in den vergangenen Monaten zu einem enormen Preiskampf geführt, der die Branche tief in die roten Zahlen rutschen ließ. Erst am Wochenende haben AT&T und Worldcom angekündigt, Ferngespräche künftig teurer zu machen und damit ihren Preiskampf zu beenden.

Die Konzerne haben reagiert und Arbeitsplätze bereits gestrichen. Gestern teilte AT&T mit, dass der Konzern im Zuge seines geplanten Stellenabbaus Sonderbelastungen in Höhe von 240 Mill. $ verbuchen werde. Die Rückstellungen würden das Ergebnis des Schlussquartals 2002 voraussichtlich um rund 20 Cent je Aktie belasten, gab der größte Telefonkonzern der USA bekannt. Der Abbau soll 3 500 Arbeitsplätze oder fünf Prozent aller Stellen umfassen.

Quelle: Wall Street Journal

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