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17.01.2002

12:30 Uhr

Entwurf zu Eigenkapitalregeln der Banken vorgelegt

Unternehmen müssen auf ihre Bonität achten

Auf die Banken und ihre Kreditkunden kommen wichtige Veränderungen zu. Künftig soll ein Rating darüber entscheiden, zu welchen Konditionen ein Unternehmen einen Kredit bekommen soll.

Reuters NEW YORK. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat gestern in New York den zweiten Entwurf zur Revision der internationalen Eigenkapitalregelung (Basel II) vorgestellt. Der Entwurf sieht vor, die Risiken der Kreditvergabe stärker zu differenzieren und dabei auch so genannte operationelle Risiken zu berücksichtigen.

Finanzexperten sehen die Banken in Deutschland jedoch noch nicht ausreichend auf die neue Richtlinie vorbereitet. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sieht bei den jüngsten Vorschlägen noch Änderungsbedarf. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) forderte, die Frist zur Eingabe von Änderungsvorschlägen bis September zu verlängern.Bis Ende Mai können Banken, Verbände und Ratingagenturen noch Änderungsvorschläge zu dem revidierten Entwurf abgeben.

Im September 2001 sollen die neuen Eigenkapitalvorschriften, auch als Basel II bezeichnet, dann endgültig verabschiedet werden und zum Jahresbeginn 2004 in Kraft treten. Ziel der neuen Eigenkapitalrichtlinie ist es, die Risiken der Banken im Kreditgeschäft individueller zu messen. Grundsätzlich soll dabei gelten, dass die Banken geringere Risiken mit weniger Eigenkapital unterlegen müssen.Kreditnehmer mit einer höheren Kreditwürdigkeit (Bonität) können sich damit künftig preiswerter refinanzieren. Das 1988 verabschiedete, bislang gültige Eigenkapitalabkommen (Basel I) sieht dagegen noch eine pauschale Unterlegung von Kreditrisiken mit einer Eigenkapitalquote von acht Prozent vor. Dies wurde von der Fachwelt als zu undifferenziert und nicht marktgerecht kritisiert.

Die neue Regelung berücksichigt nach Angaben des bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelten Ausschusses bei der Bonitätsbewertung nun auch operationelle Risiken. Das sind zum Beispiel rechtliche oder informationstechnologische Risiken von Kreditnehmern. Diese operationellen Risiken schätzt der Ausschuss nun auf 20 Prozent der Eigenkapitalanforderungen der Banken. Darüber hinaus sollen wesentlich mehr Banken interne Ratings anwenden können als bislang geplant, das heißt selber die Risiken ihrer Kreditvergabe einstufen können.



Künftig zwei bankinterne Ratings

Generell sieht Basel II neben einer externen Bonitätsbeurteilung der Kreditnehmer zwei bankinterne Ratings vor: ein einfaches Standardrating und eine umfassendere Bewertung. Beim einfachen internen Rating müssen die Banken nur die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredits schätzen. In dem umfassenderen Verfahren werden noch andere Risikofaktoren einbezogen.

Der DSGV teilte mit, er sehe noch erheblichen Diskussions- und Änderungsbedarf beim jetzigen Entwurf und halte notfalls eine Verlängerung der bis Ende Mai laufenden Beratungsfrist für notwendig. Auch der Bundesverband deutscher Banken fordert, die Frist für Änderungsvorschläge von bislang vier auf mindestens acht Monate auszuweiten. "Das Baseler Papier weist immer noch eine große Anzahl weißer Flecken auf", heißt es zur Begründung. So besteht in wichtigen Fragen wie etwa der Berücksichtigung von Laufzeiten beim Ratingansatz und dem Ansatz zur Projektfinanzierung noch "völlige Unklarheit". Auf der anderen Seite seien die vorgeschlagenen Regelungen zum Teil viel zu detailliert und komplex. "Kleinere und mittlere Institute dürften damit Probleme haben", heißt es in der Erklärung.

Experten mahnten, die Banken in Deutschland seien trotz einiger Fortschritte bei den Ratingverfahren nach wie vor unzureichend auf Basel II vorbereitet. Auch die deutsche Bankenaufsicht könne die Anforderungen der geplanten Richtlinie derzeit noch nicht bewältigen, erklärten Fachleute der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) in Frankfurt. Die bei Basel II vorgesehene Einbeziehung operationeller Risiken sei schwierig. So seien diese Risiken nicht klar abgegrenzt. Niemand wisse genau, was zu den operationellen Risiken zu zählen sei. "Die Erfahrung hat zudem gezeigt, dass es erhebliche Probleme gibt, diese Risiken zu messen", sagte Hiltrud Thelen-Pischke, Finanzberaterin bei PwC.

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