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30.01.2003

16:25 Uhr

Eon-Ruhrgas-Übernahme

Eon-Verhandlungskrimi spitzt sich zu

Für Eon-Chef Ulrich Hartmann geht es ums Ganze: Soll die milliardenschwere Ruhrgas-Übernahme noch gerettet und ein weiterer Zeit raubender Gerichtsstreit vermieden werden, muss eine außergerichtliche Einigung her.

HB/dpa DÜSSELDORF. Denn es droht nicht nur ein Verbot der 10 Milliarden Euro teuren Akquisition durch das Düsseldorfer Oberlandesgericht. Willigen die Gegner bis zum morgigen Freitag nicht ein, bricht Eon zudem ein wichtiger Baustein der Übernahme weg - nämlich das Tauschgeschäft mit dem Bergbaukonzern RAG (früher Ruhrkohle).

Mit den Essenern hatte sich Hartmann nämlich darauf verständigt, deren Ruhrgas-Anteile (18,4 Prozent) im Tausch gegen die Spezial- Chemietochter Degussa zu übernehmen. Damit hätte Eon auch restlichen Anteile an dem Ferngasimporteur erworben und RAG mit Degussa ein sicheres Standbein in der Spezialchemie. Der Köder dieser Konstruktion: Politischen Bedenkenträgern gegen den Ruhrgas-Deal sollte eine elegante Lösung präsentiert werden, denn die RAG würde von den umstrittenen Kohlesubventionen unabhängiger werden.

Der Verhandlungskrimi zwischen Eon und seinen Gegnern spitzte sich unterdessen bis zum Donnerstagnachmittag zu. Meldungen überschlugen sich. Eine Einigung sei erzielt worden, hieß es in einigen Medienberichten, als noch keine Erklärung unterschrieben war. Eine von Ampere anberaumte Pressekonferenz wurde kurzfristig wieder abgesagt. Und ein Konzernsprecher der Eon winkte ab: "Kein Kommentar"! Vor allem der Berliner Energieberater Ares gilt als hartnäckiger Brocken und schien zunächst an einer außergerichtlichen Einigung nicht interessiert. Das jedenfalls behauptete Vorstandschef Andreas Rose am Mittwoch am Rande der Verhandlungen vor dem Oberlandesgericht. Doch das öffentliche Getöse des Unternehmens könnte auch Strategie gewesen sein, um bei anstehenden Gesprächen mit Eon höher pokern zu können, glauben Beobachter.

Eon-Chef Hartmann wirft die Flinte jedenfalls nicht so schnell ins Korn. Schließlich hatte es der Vorstandsvorsitzende mit viel Verhandlungsgeschick geschafft, die komplizierte Aktionärsstruktur bei der Ruhrgas AG zu entwirren und Anteilseigner mit viel Geld und attraktiven Beteiligungen zum Verkauf zu bewegen. So erhielt unter anderem der Mineralölkonzern BP die Eon-Tochter Veba Oel, samt des Tankstellennetzes Aral. Und für die Ruhrgasanteile der RAG hat Hartmann die Spezialchemietochter Degussa zum Tausch angeboten.

Mit Ruhrgas würde Eon in Europa den französischen Giganten EdF vom Umsatz von Platz eins verdrängen. Und für weitere Zukäufe hätten die Düsseldorfer noch Geld in der Kasse. In der deutschen Wirtschaft würde die Akquisition eine wahre Kettenreaktion auslösen: Eine ganze Reihe von Unternehmen würden aus Konzernen aus- und an neue Eigentümer angekoppelt. Allein durch die Rangierarbeiten bei den Beteiligungen an Rhein und Ruhr bekommen etwa 33 000 Arbeitnehmer indirekt einen neuen Arbeitgeber. Einschließlich der ausländischen sind es sogar 60 000 Menschen.

Kommt keine außergerichtliche Einigung zu Stande, ist das Scheitern des Tauschgeschäfts mit mit dem Bergbauunternehmen RAG so gut wie sicher. Denn auch die Ablehnung der Übernahme durch das Düsseldorfer Oberlandesgericht halten Beobachter für eine ausgemachte Sache. Der Richterspruch soll noch an diesem Freitag fallen. "Eon muss sich dann um eine andere Lösung bemühen", meinte Harald Gruber, Analyst für Versorgerwerte bei der WestLB Panmure. Branchenkenner sehen dann nur noch zwei Möglichkeiten: Anrufen des Bundesgerichtshofs oder Ausstieg.

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