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02.06.2000

20:20 Uhr

Er hat ein unerschütterliches Selbstbewusstsein

Hans Snook, Chef von Orange und Mobilfunkvisionär

VonFRANK MATTHIAS DROST

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Vorstandschef einen Eigentümerwechsel unbeschadet übersteht. Der 53-jährige Orange-Chef schafft dieses Kunststück jetzt bereits zum zweiten Mal.

Wenn ein Unternehmen innerhalb von sieben Monaten zum zweiten Mal verkauft wird, macht sich häufig Lethargie beim Management breit. Doch beim drittgrößten britischen Mobilfunkanbieter Orange und dessen Chef Hans Roger Snook ist das anders. Der gebürtige Holländer brennt nicht nur vor Ehrgeiz, sondern hat es obendrein fertig gebracht, dass der aktuelle Eigentümer Vodafone Airtouch seine Tochter Orange im Kern zu Snooks Bedingungen verkauft.

Der 52-jährige, überaus selbstbewusste Manager hatte stets größtmögliche Unabhängigkeit für Orange gefordert und Vodafone-Chef Chris Gent auch durch Interviews wissen lassen, dass diese in einem erneuten Börsengang am ehesten gewährleistet sei. Falls Gent sich anders entscheiden sollte, drohte er unverholen mit dem Rücktritt des kompletten Managements.

Jetzt kommt es wohl zu einer etwas anderen Lösung. Doch auch daran hat der ehemalige Hotelmanager kräftig mitgebastelt. So will der heißeste Anwärter für eine Orange-Übernahme, France Télécom, seine gesamten Mobilfunkaktivitäten mit diesem Unternehmen vereinen. Außerdem soll Snook an die Spitze des neuen, hinter Vodafone zweitgrößten Mobilfunkgiganten in Europa rücken. Ein Börsengang ist spätestens für 2001 vorgesehen.

Was macht Hans Snook so wertvoll, dass er auch den zweiten Eigentümerwechsel innerhalb kürzester Zeit unbeschadet übersteht? Er, der englische Literatur und Philosophie an der kanadischen University of British Columbia studierte, hat mit Orange eine weltweit vermarktbare Marke kreiert - im boomenden Mobilfunkgeschäft ein beinah unbezahlbarer Wert. Mit inzwischen sechs Millionen Kunden ist Orange das derzeit am schnellsten wachsende Mobilfunkunternehmen in Großbritannien.

Preisgekrönter Marketing-Manager

In der Branche gilt Snook denn auch als ein Visionär, der früher als andere die Bedeutung des Mobilfunks für die weltweite Kommunikation erkannt hat. Für seine kundenbezogenen Dienste und Marketing-Aktivitäten hat der Manager bereits etliche Preise eingeheimst.

Seine Sporen verdiente sich Snook, der privat einen Mercedes 500 SL fährt, schwarze Lederkleidung trägt und überschüssige Pfunde gemeinsam mit seiner Frau vorzugsweise in Thailand abspeckt, bei Hutchison Whampoa.

Nach sieben Jahren in Hongkong wechselte Snook 1993 im Auftrag des Telekommunikationskonzerns nach Großbritannien. Zielstrebig reorganisierte er das britische Geschäft Hutchisons und führte es schließlich zum Unternehmen Orange zusammen, das 1996 einen überaus erfolgreichen Start an der Börse hinlegte. Seine Zeit in Asien hat ihn offenbar geprägt: Drei chinesische Figuren auf seinem Schreibtisch symbolisieren Weisheit, Gesundheit und ein langes Leben.

Ein Gespür für Trends hat Snook auf jeden Fall: Den 1994 erfolgten Einstieg von Orange ins Mobilfunkgeschäft vergleicht er ganz unbescheiden mit der Erfindung des Jets im Zeitalter der Propellermaschinen: "Wir haben uns einfach die Entwicklung der drahtlosen Kommunikation aus der Sicht der Kunden vorgestellt", sagt er und lässt die Konkurrenten ziemlich alt aussehen.

Auch künftig wird er alles daran setzen, die Nase im Wettbewerb vorn zu haben. Geld dürfte ihn dabei nicht mehr treiben. Schon die Übernahme von Orange durch Mannesmann im Oktober 1999 machte ihn 150 Millionen Mark reicher. Von einem erneuten Börsengang von Orange wird Snook ebenfalls erheblich partizipieren.

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