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13.03.2003

20:47 Uhr

Er übernimmt Aufsichtsratsvorsitz

SAP-Gründer Plattner verlässt den Vorstand

Als letzter der fünf Gründer von SAP verlässt Co-Vorstandssprecher Hasso Plattner im Mai vorzeitig die Spitze von Europas größtem Softwarekonzern. Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit Kurs-Verlusten.

Reuters WALLDORF. Dafür soll der 59-Jährige den Aufsichtsratsvorsitz von Dietmar Hopp (62) übernehmen, der sich in das Privatleben zurückzieht. Co-Vorstandssprecher Henning Kagermann werde dann die alleinige Führung von SAP übernehmen, teilte der Walldorfer Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag mit.

Plattners Vertrag als SAP-Vorstand galt noch bis Ende 2004. Über einen Rücktritt war seit Monaten spekuliert worden, weil er immer mehr Anzeichen von Amtsmüdigkeit erkennen ließ. Erst vor kurzem hatte er wesentliche Teile seiner Aufgaben im Vorstand - darunter vor allem die Produktentwicklung - an den erst vor etwa einem Jahr in den Vorstand berufenen Shai Agassi abgegeben. Mit strategischen Veränderungen rechnen Unternehmenskenner nicht. Zum dritten Mal in Folge will SAP seine Dividende erhöhen, auf 0,60 von 0,58 Euro je Aktie.

Die Börse reagierte nur vorübergehend mit Kursabschlägen auf erste Meldungen über Plattners Abschied. Am Abend lag die Aktie mit 71,70 Euro um 5,3 Prozent über ihrem Vortageswert und folgte damit der technischen Erholung am Markt.

Hasso Plattner, der im kalifornischen Palo Alto weilt, hatte an der Aufsichtsratssitzung per Videokonferenz teilgenommen. Der Wechsel soll unmittelbar nach der Hauptversammlung am 9. Mai in Mannheim vollzogen werden. Hopp bleibt im SAP-Aufsichtsrat, dem er seit fünf Jahren vorsitzt. Dort hat auch der dritte Gründer Klaus Tschira Sitz und Stimme.

Kagermann ist der erste Mann an der SAP-Spitze, der nicht mehr der Gründergeneration entstammt. Er, der 1998 an die Seite von Plattner gerückt war und Hopp als Vorstandssprecher ersetzt hatte, galt lange als reiner Finanz- und Organisationsexperte.

Plattner war für Kunden und Geschäftspartner der "Software-Guru" im Unternehmen und zeichnete bis vor kurzem verantwortlich für alle Software-Neuentwicklungen bei SAP. Zuletzt hatte er sich aber zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, während Kagermann seine Präsent verstärkte. Im Januar verpasste Plattner die SAP-Bilanzpressekonferenz wegen einer Segelregatta zwischen Südafrika und Brasilien.

Analysten: Plattner geht am Gipfelpunkt

Analysten erklärten, Plattner habe den Zeitpunkt abzudanken richtig gewählt. Plattner habe sein Feld bei SAP bestellt. "Man kann entweder am Gipfelpunkt gehen oder im Abwärtstrend durch die Hintertür", sagte Bruce Richardson vom US-Researchhaus AMR.

SAP hatte die Rendite-Erwartungen im vergangenen Jahr dank eines Sparprogramms deutlich übertroffen. "Der Mann ist Milliardär. Er muss nicht mehr so viel arbeiten und reisen", fügte Richardson hinzu. Das "manager-magazin" hatte 2002 Plattners Vermögen auf 4,7 Milliarden Dollar taxiert. Über eine Stiftung hält er 19,26 Prozent an SAP.

Mit vier weiteren Softwareentwicklern von IBM, darunter Hopp und Tschira, hatte Plattner SAP 1972 gegründet und zu Europas größtem Software-Konzern ausgebaut. 1988 ging das Unternehmen an die Börse. Erst seit 1997 stand Plattner aber an der Spitze des Vorstands, zunächst gemeinsam mit Hopp, nach dessen Ausscheiden ab 1998 zusammen mit Kagermann.

SAP erhöht Dividende

Den Aktionären versüßt SAP den Abschied Plattners mit einer erneuten Dividendenerhöhung. Für 2002 sollen nach dem Vorschlag des Aufsichtsrates 0,60 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Für 2001 hatte SAP 0,58 Euro je Anteilsschein gezahlt, ein weiteres Jahr zuvor 0,57 Euro.

Neben seinem Amt als SAP-Aufsichtsratschef legt Hopp nach nur zwei Jahren auch sein Aufsichtsratsmandat bei MLP nieder. Er betonte, dieser Schritt habe nichts mit der Razzia der Mannheimer Staatsanwaltschaft zu tun, sondern habe private Gründe. Die Ermittler werfen ihm vor, Gelder seiner Stiftung veruntreut zu haben, weil er mit 29 Millionen Euro daraus für MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen gebürgt hatte. Zum neuen MLP-Aufsichtsrat soll nach Unternehmensangaben am 17. Juni der ehemalige Chef der Privatbank Sal. Oppenheim, Johannes Maret, gewählt werden.

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