Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2001

14:14 Uhr

Handelsblatt

Erdbeben verwüstet El Salvador

Die Ausmaße des schweren Erdbebens in Mittelamerika sind größer als zunächst befürchtet: Mehr als 100 Menschen starben in El Salvador, wie das Rote Kreuz mitteilte, hunderte wurden verletzt, rund 1 200 galten als vermisst.

dpa MEXIKO-STADT/SAN-SALVADOR. Erdrutsche hatten mehrere hundert Häuser verschüttet. Das Beben mit einer Stärke von 7,6 auf der Richterskala, dessen Epizentrum im Pazifik vor der Küste El Salvadors lag, ließ auch die Nachbarländer nicht unversehrt.

In Guatemala wurden mindestens zwei Menschen getötet, acht verletzt und viele Gebäude beschädigt. In Nicaragua wurden Strom-, Telefon- und Wasserleitungen unterbrochen. In Honduras' Hauptstadt Tegucigalpa zeigten viele Hauswände Risse. Auch in Mexiko und Costa Rica war das Beben noch deutlich zu spüren. In allen Ländern sorgte es für Panikausbrüche.

El Salvadors Staatspräsident Francisco Flores rief den Notstand aus und bat das Ausland um schnelle Hilfe. Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und sagte Unterstützung beim Wiederaufbau zu. Sein Ministerium werde sofort Kontakt mit den Zuständigen in den betroffenen Ländern aufnehmen, versicherte Bernd Dunzlaff, Sprecher des Bundesentwicklungsministeriums. Als erstes Land sagte Taiwan, ein treuer Verbündeter El Salvadors, Hilfe zu.

Am schlimmsten traf die Naturkatastrophe ein Armenviertel in Santa Tecla westlich der Hauptstadt San Salvador. Bis in die Nacht hinein durchwühlten verzweifelte Angehörige auf der Suche nach Vermissten mit Spaten, Stöcken oder auch mit bloßen Händen die Schlamm- und Steinwüste, in die ein Erdrutsch die Zone verwandelt hatte. Die rund 500 verschütteten Häuser waren oft so tief vergraben, dass die Überlebenden deren Standort nicht mehr finden konnten. Bis zum Abend hatte das Rote Kreuz in dem Armenviertel Las Colinas erst 30 Leichen geborgen. Über die Gesamtzahl der Verschütteten gab es nur Mutmaßungen.

El Salvador, von der Fläche her so groß wie Sachsen-Anhalt, ist mit sechs Mill. Einwohnern das am dichtesten besiedelte Land Zentralamerikas. Zu dem Erdrutsch von Las Colinas trug einheimischen Journalisten zufolge auch die Abholzung der Wälder der nahe gelegenen Cordillera de Balsamo in den vergangenen zehn Jahren bei.

Viele Orte in El Salvador waren am Samstag von der Außenwelt abgeschnitten, weil Brücken zusammengebrochen oder Fernstraßen aufgerissen oder zugeschüttet worden waren. Da in Teilen des Landes auch das Telefonnetz zusammenbrach, fiel es dem Katastrophenschutz schwer, sich ein genaues Bild von der Lage zu machen. Der internationale Flughafen von San Salvador wurde wegen Erdbebenschäden geschlossen. Das Rote Kreuz bestätigte, dass in Santa Ana (rund 55 Kilometer nordwestlich von San Salvador) vier Menschen von einem einstürzenden Kirchendach erschlagen wurden. In der zentralen Provinz La Paz kamen zwölf Insassen eines Busses um, als ein Felsbrocken das Fahrzeug traf.

In Mittelamerika und Mexiko bebt die Erde wegen des Aufeinandertreffens verschiedener Kontinentalplatten häufig. 1985 waren in Mexiko-Stadt bei einem verheerenden Beben der Stärke 8,1 auf der Richterskala mehr als 10 000 Menschen ums Leben gekommen. Noch höhere Opferzahlen gab es 1976 in Guatemala. In El Salvador wurden bei einem Beben 1986 rund 1 500 Tote gezählt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×