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02.07.2000

19:00 Uhr

Erfinder ist in Vergessenheit geraten

Die Anfänge der Transrapid-Technologie reichen bis 1934 zurück

Zu innovativ ist er gewesen, seiner Zeit voraus. Hermann Kemper, der Erfinder der Magnetschwebebahn, teilt das Schicksal des deutschen Ingenieurs, der einst das Fax erfunden hatte. Jahrzehnte nach seiner bahnbrechenden Erfindung kann sein Innovationsgeist in der Praxis bewundert werden - in Japan.

gk/jgo DÜSSELDORF. Der Gedanke eines Fortbewegungsmittels, das berührungslos durch die Landschaft gleitet, fasziniert die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Während die Magnetschwebebahn zumindest in Abständen durch die Presse geistert, ist der Erfinder indes weitgehend in Vergessenheit geraten.
Während seines Studiums an der Technischen Hochschule Hannover beschäftigte sich Hermann Kemper 1922 mit Elektromagneten. Bei seinen Experimente kam ihm der Gedanke, die Tragekraft der Magneten als Ersatz für die Räder einer Eisenbahn zu verwenden. 1934 meldete er das eigentliche Prinzip des Transrapid zum Patent (DRP Nr. 64 33 16) an. Er beschreibt seine Idee als eine "Schwebebahn mit räderlosen Fahrzeugen, die mittels magnetischer Felder an eisernen Fahrschienen schwebend entlanggeführt werden". Den Beweis seiner Überlegungen liefert er ein Jahr später durch den Bau eines funktionstüchtiges Modells.

Kemper war alles andere als ein Eisenbahnfreund

Der Erfindungsdrang Kempers soll durch die Nähe der elterlichen Wohnung zu einer Bahntrasse befördert wroden sein. Die vorbeirollenden Züge waren ihm zu laut (Räder), zu dreckig (Dampflok) und zu unbequem. Das Geld für seine Studien lieferte ihm eine Fleischwarenfabrik in Familienbesitz. Kemper selbst hat zwar die Grundlagen der Transrapidtechnologie geliefert, persönlich aber nie von seinem Innovationsdrang profitieren können. Nicht einmal in der Wirtschaftswunderzeit gelang es dem Erfinder, Geldgeber von seiner Idee zu überzeugen. Als er die Patente hätte verlängern müssen, hatte Kempen schon resigniert. Wie viele Erfinder ist er leer ausgegangen. 1972, in seinem Todesjahr, wurde Kemper noch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Von der Studie zur Versuchsstrecke: Die schwere Geburt der Schwebebahn

1969 gibt das Bundesverkehrministerium die sogenannte "Hochleistungs-Schnellbahn-Studie" in Auftrag. In ihr soll geklärt werden, wie das steigende Verkehrsaufkommen mittels Schnellbahnsystemen bewältigt werden kann. Hieraus resultiert der Bau des ersten funktionsfähigen, berührungsfreien Magnetschwebebahn-Fahrzeugs, dem Transrapid 01, durch die Firma Krauss-Maffei.

1971-1977 finden grundlegende Entwicklungsarbeiten durch Kraus Maffei, MBB und einem Konsortium aus AEG, Siemens und BBC statt. Es werden verschiedene System- und Antriebstechniken entwickelt und gefördert. So entstehen die Fahrzeuge Transrapid 02 bis 04 durch Krauss-Maffei oder etwa die Fahrzeuge HMB1 und HMB2 durch die Firma Thyssen-Henschel.

1977 steht eine grundsätzliche Entscheidung an: Das Bundesministerium für Forschung und Entwicklung gibt dem elektromagnetischen Prinzip (EMS) den Vorrang.

1979 wird der Transrapid 05 auf der IVA 79 in Hamburg eingesetzt und befördert 50.000 Passagiere mit einer Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h.

In den Jahren 1980-1989 werden die Prototypen TR 06 (MBB und Krauss-Maffei) und TR 07 (Thyssen und Krauss Maffei) entwickelt und in Betrieb genommen.

1980-1987 wird die Transrapid Versuchsanlage Emsland (TVE) mit einer Teststrecke von 31,5 km errichtet. Hier erreicht der TR 06 1988 den Weltrekord für personenbesetzte Magnetfahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 436 km/h. 1993 ist der TR 07 sogar noch schneller: Er erreicht 450 km/h. Das Modell Transrapid 06 fährt zwischen 1978 und 1987 auf der im Emsland gebauten Teststrecke.

Als technischer Höhepunkt gilt das Modell TR 08, das auf der Hannovermesse 1998 präsentiert wird. Das von der Firma Thyssen entwickelte Fahrzeug soll eine maximale Geschwindigkeit von 550 km/h erreichen können.

1999 wird das 3-Sektionen-Vorserienfahrzeugs TR 08 in Betrieb genommen.



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