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17.01.2002

00:00 Uhr

Erfolgreich durch vernetzende Logistik-Dienstleister

Ein Job für neutrale Partner mit Weisungsbefugnis

VonHelmut Baumgarten

Unternehmen der globalen und schnelllebigen Ökonomie bauen weltweite Distributions- und Lieferantennetze auf. Sie bedienen sich dabei auch der Logistik-Dienstleister, um deren Know-how optimal für die eigenen Bedürfnisse einsetzen zu können.

DÜSSELDORF. Zur Gewährleistung eines umfassenden Informationsaustauschs als Basis für einen reibungslosen Güterfluss bietet sich die Steuerung der Supply Chains - Wertschöpfungsketten - durch Fourth-Party-Logistics-Provider an: Ihnen obliegt die optimale Steuerung der Wertschöpfungsketten vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden und die Verknüpfung der Partner zu Netzwerken. Eine bedeutende Rolle kommt neben der Nutzung von Internet-Technologien für den Informationsfluss dabei der Etablierung vertrauensgestaltender Maßnahmen zu. Konzepte und Strategien der Logistik tragen damit zur effizienten und effektiven Vernetzung der Welt maßgeblich bei.

Die Logistik unterstützt Unternehmen beim weltweiten Aufbau und Betrieb von Netzwerken, um Güter- und Informationsflüsse kostengünstig und flexibel zu gestalten. Logistik-Dienstleister übernehmen dabei eine wichtige Aufgabe: Nicht alle Hersteller und Lieferanten können und wollen sich tief greifendes Logistik-Know-how aneignen. Dies gilt für die Sicherstellung der von den Kunden geforderten globalen Präsenz genauso wie für die Darbietung des Angebots auf regionalen Teilmärkten. Nicht überall können die Hersteller von Produkten eine optimale Wertschöpfungskette vom Lieferanten bis zum Endkunden effizient und aus eigenen Mitteln managen. Heute werden von Industrieunternehmen bereits 31 % der logistischen Dienstleistungen extern vergeben.

Logistik-Dienstleister decken ein weites Angebotsspektrum ab: Von den klassischen Funktionen Transport und Umschlag bis hin zum Management von internationalen Transportketten und Warenverteilzentren. Führende Logistik-Dienstleister konnten dabei über die Jahre mit den Anforderungen aus Industrie und Handel wachsen. Ihre Aufgabe besteht heute vornehmlich in der Optimierung von Lieferketten in der Versorgung von Unternehmen, aber auch in der Distribution der Produkte zu Handelsfilialen und Endkunden.

Während sich in den erstgenannten Feldern Unternehmen wie beispielsweise Dachser, Kühne & Nagel und Danzas - Deutsche Post World Net - auch im internationalen Geschäftsfeld behaupten können, bleibt die Endkunden-Belieferung häufig regionalen Anbietern vorbehalten. Die steigenden E-Business-Aktivitäten vieler Unternehmen konnte sich deshalb zum Beispiel der Hermes Versand-Service zu Nutze machen.

Grundlage für einen reibungslosen Güterfluss ist ein entsprechend schneller und zuverlässiger Informationsfluss. Das Internet und die auf dieser Basis entwickelten Technologien für die elektronische Abwicklung von Transaktionen sind hier ein wesentlicher Baustein für das elektronische Supply Chain Management (E-SCM). Die Prozesse werden dabei aufeinander abgestimmt, relevante Daten und Informationen zudem von den beteiligten Partnern in der Supply Chain zur Verfügung gestellt. Durch ein erfolgreich umgesetztes Supply Chain Management lassen sich die Bestände in der gesamten Supply Chain reduzieren.

Die Synchronisierung von Produktionsplänen führt zu einer Reduktion der Durchlaufzeiten um bis zu 50 %. Mit Hilfe von SCM-Lösungen können weiterhin die Liefertreue bis nahe an 100 % gesteigert und die Lieferzeit für Schlüsselkomponenten, beispielsweise in der Automobilindustrie, von 20 auf 8 Tage reduziert werden. Die Potenziale für die beeinflussbaren Kosten in der gesamten Supply Chain werden in Deutschland auf rund 30 Mrd. DM pro Jahr geschätzt. Demgegenüber belaufen sich die Kosten für die Einführung eines SCM-Systems in einem Automobilunternehmen auf etwa 60 bis 100 Mill. DM bei einer Amortisationsdauer von unter sechs Monaten. Die Implementierung von Supply Chain Management ist somit keine Frage der Investitionen, sondern der geschlossenen Bereitschaft aller Supply-Chain-Partner, kompatible SCM-Systeme bzw. entsprechende Schnittstellen einzuführen.

Voraussetzung für ein effizientes Supply Chain Management ist neben der Sicherstellung eines technisch einwandfreien Datentransfers zu angemessenen Kosten die grundsätzliche Bereitschaft zur Offenlegung von Informationen zu beispielsweise Beständen sowie Verfügbarkeiten von Kapazitäten und Material. Heute kann in vielen Unternehmen beobachtet werden, wie das Denken "Wissen ist Macht" häufig dazu führt, dass die notwendige Weitergabe von Daten nicht, nur unzureichend oder zu spät erfolgt.

Mit diesem Verhalten werden jedoch Reaktionsfähigkeit und Effizienz der gesamten Supply Chain beeinträchtigt. Es bestehen zudem Bedenken, ob ein offener Informationsaustausch nicht eventuell zu Verhandlungsnachteilen gegenüber dem Kunden bzw. Lieferanten führt.

Abhilfe kann der Einsatz von Logistik-Dienstleistern schaffen, die neben bereits etablierten Aufgabenfeldern auch die Steuerung der Supply Chain über die gesamten Wertschöpfungsstufen (Kunden-Lieferanten-Beziehungen) hinweg übernehmen. Diese so genannten Fourth-Party-Logistics-Provider (4PL) können die Rolle eines neutralen Partners mit Weisungsbefugnis übernehmen und dafür Sorge tragen, dass nicht nur der stärkste Partner in der Kette eine Optimierung der eigenen Abläufe und Kapazitäten anstrebt. Basis für eine effiziente Zusammenarbeit ist auch hier wieder Vertrauen - gekoppelt mit der Bereitschaft zur Informationsweitergabe. Auf Grund der losgelösten Stellung der Fourth-Party-Logistics-Provider von den Positionen der Verhandlungspartner Lieferant und Kunde ist diese Bereitschaft jedoch als grundsätzlich höher einzustufen.

Prof. Dr.-Ing. H. Baumgarten, Direktor des Instituts für Technologie und Management und Leiter des Bereichs Logistik, Technische Universität Berlin.

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