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14.01.2003

08:20 Uhr

Erfolgreichstes Jahr seit Gründung

Vox erzielt trotz Werbekrise Rekordergebnis

VonHans-Peter Siebenhaar

Schöne Bescherung: Im 10. Jahr seines Bestehens präsentiert der Kölner Sender Vox seine bisher beste Bilanz. Entgegen dem allgemeinen Branchentrend legte der Bertelsmann-Kanal bei Umsatz und Gewinn zu.

KÖLN. Vox-Chefin Anke Schäferkordt beschenkt sich selbst. Pünktlich zum 10-jährigen Bestehen des Kölner Senders legt die 40-jährige Betriebswirtin ein Rekordergebnis vor. "Für uns war 2002 kein Horrorjahr, sondern das erfolgreichste Jahr seit Gründung von Vox", freut sich Schäferkordt, die seit vier Jahren an der Spitze des zum Medienkonzern Bertelsmann gehörenden Senders steht. "Wir haben ein deutliches Plus bei den Werbeumsätzen erzielt. Während der TV-Werbemarkt, um 5,1 % einbrach, legte Vox einschließlich November 2002 um 11,5% zu", sagte Schäferkordt dem Handelsblatt. Aus Insiderkreisen war jedoch zu erfahren, dass der Umsatz auf deutlich über 200 Mill. Euro gestiegen ist und das operative Ergebnis im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegt. Erst 2001 erreichte Vox nach internationaler Rechnungslegung die Gewinnschwelle. Bei einem Umsatz von 190,4 Mill. Euro (2001) wurde ein konsolidiertes Ebitda von 1,1 Mill. Euro erzielt.

Der im tristen Kölner Stadtteil Ossendorf ansässige Sender gibt als Tochter des TV-Konzerns RTL Group traditionell selber keine Zahlen bekannt. Die in Luxemburg ansässige Holding will erst im März die Bilanz für das enttäuschende Fernsehjahr 2002 bekannt geben. Die RTL Group ist zu über 90 % im Besitz von Bertelsmann.

Die Planungen von Vox in diesem Jahr sind ehrgeizig: "Unser Ziel ist es, mittelfristig den Marktanteil von 5% auch im Jahresdurchschnitt zu überschreiten. Schon heute erreichen wir an unseren stärksten Programmtagen, wie zum Beispiel am Donnerstag mit dem ,Starkino?, regelmäßig Tagesmarktanteile über 7 %. In der Primetime sind es häufig Marktanteile bis zu 20 %." Im letzten Jahr erreichte Vox in der für die Werbeindustrie wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Anteil von 4,7 %. Bei Zuschauern allen Alters beläuft sich die Quote auf 3,3 %.

Große Änderungen im Programm wird es nicht geben, gezeigt werden vor allem US-Produktionen. "Unsere bisherige Programmstrategie werden wir angesichts des Erfolgs im letzten Jahr beibehalten." Allerdings läuft der frühere Quotenbringer "Ally McBeal" im Frühjahr aus. Sorgenfalten treibt das Ende der populären Serie um eine neurotische Anwältin aus Boston der Senderchefin nicht ins Gesicht. "Es gibt ein Leben nach Ally McBeal. Die Serie, die für unseren Imagewechsel sehr wichtig war, ist mittlerweile nicht mehr die reichweitenstärkste in unserem Programm. Unsere erfolgreichste Serie ist inzwischen ,CSI - Dem Täter auf der Spur?. Wir haben den in den USA hervorragend gestarteten Spin Off CSI Miami gekauft und werden diese Serie noch in diesem Jahr einsetzen." Probleme hat Vox ähnlich wie seine Konkurrenten RTL 2 und Kabel 1 noch im Vorabendprogramm. Mit neuen Serien wie der Ende Februar startenden US-Sitcom "Titus" mit dem Komiker Christopher Titus soll der Zuspruch vor 20 Uhr wachsen.

Amerikanische Serien und Filme sind derzeit billiger als in den boomenden neunziger Jahren. Vox, das seine Filme zusammen mit dem Marktführer RTL einkauft, profitiert vom anhaltenden Preisverfall. "Nach meiner Einschätzung werden die Preise für die amerikanischen TV-Movies weiter nachgeben", prognostiziert Schäferkordt. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Erstklassige Kinostreifen. "Der Wettbewerb um die großen amerikanischen Blockbuster wird sicherlich fortbestehen. Ich gehe daher für diese äußerst erfolgreichen Spielfilme nicht von einem Preisverfall aus."

Die Aussichten für den Fernsehmarkt in diesem Jahr bleiben düster. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) sagt für den Fernsehmarkt 2003 zwar ein Wachstum von 1 % vor, Insider halten die Prognose aber für Zweckoptimismus. Auch Vox gibt sich pessimistischer. Senderchefin Schäferkordt: "Natürlich erhoffe ich mir von 2003 eine Erholung des Werbemarktes, aber auch ein Nullwachstum würde mich nicht überraschen." Angesichts der Werberezession fordern die Privaten immer lauter einen Verzicht von ARD und ZDF auf Werbung. Sie werden dabei vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber unterstützt. Sollte ein Werbeverbot für die Öffentlich-Rechtlichen Realität werden, verspricht sich Vox Vorteile. "Vox würde meines Erachtens überdurchschnittlich davon profitieren, da unser Programm verstärkt Publikum mit einer höheren Bildung und einem stärkeren Einkommen anspricht", sagte die Senderchefin.

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