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15.01.2002

12:37 Uhr

Ergebnisse der Handelsblatt-Umfrage

Kombilohn: Tropfen auf den heißen Stein

Der Kombilohn ist kein geeignetes Modell zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Handelsblatt.com. Bis Dienstag hatten sich knapp 1000 Leser an der nicht repräsentativen Onlineumfrage beteiligt.

jös DÜSSELDORF. Die Bundesregierung will durch die Einführung des sogenannten "Mainzer Modells" bundesweit bis zu 30 000 Arbeitsplätze schaffen. Danach erhalten Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose und geringfügig Beschäftigte einen staatlichen Zuschuss zu ihren Sozialabgaben. Der Job muss mindestens 325 Euro einbringen, wobei der Zuschuss ab 897 Euro ausläuft. Durch eine Änderung des Bundessozialhilfegesetzes will Bundesarbeitsminister Riester (SPD) erreichen, dass die staatlichen Zuschüsse nicht auf die Sozialhilfe angerechnet werden.

Einen großen Wurf wird die Regierung Schröder durch dieses Modell aber nicht landen, lautet der Tenor in den Leserzuschriften an Handelsblatt.com. "Es ist gut, Sozialhilfeempfängern den Anreiz zu schaffen, wieder in Lohn und Brot zu gehen. Die Ausgaben für Sozialhilfe könnte damit sogar reduziert werden", schreibt Kai-Uwe Weingandt, "um aber insgesamt mehr Arbeitsplätze zu schaffen, sollte die Ausgangsposition für die Wirtschaft verbessert werden."

Auch Michael Kroll ist der Meinung: "Sollten nicht besser die Arbeitgeber subventioniert werden? Wenn es den Unternehmern mittelfristig wieder Freude macht, Unternehmer geworden zu sein, werden die dann langfristig wieder Leute einstellen." Und Thorsten Heinrich schreibt: "Der Kombilohn mag nicht vollständig sinnlos sein, es wäre aber wesentlich besser, wenn die Regierung durchgreifende Reformen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit angeht, als Millionen auszugeben, mit denen nur einigen 1000 geholfen wird."

"Bin ich eigentlich der Einzige, dem es absurd vorkommt, dass der Staat zuerst astronomische Sozialabgaben verlangt, um dann Transferleistungen zu erbringen, die diese ausgleichen sollen?", fragt Thorsten Krings. Eine ähnliche Zuschrift erreichte Handelsblatt.com von Holger van Husen: "Die Bundesregierung soll endlich mit ihren Umverteilungsorgien aufhören (Riester-Rente, Sozialversicherungen, Steuererleichterungen), sondern die Ursachen der Arbeitslosigkeit bekämpfen: die Überregulierung des Arbeitsmarkts, die hohen Lohnnebenkosten, hohe Steuern."

Einzig Hasso Furchner kann Schröders Kombilohn-Plänen etwas Positives abgewinnen: "Von amerikanischen Modellen halte ich eigentlich nicht viel", schreibt er, "aber die "Negative Income Tax" (entspricht in etwa dem "Mainzer Modell") hat die Arbeitslosigkeit dort drastisch reduziert, die Wirtschaft zum Brummen gebracht und dem Staat letztlich viel Geld gespart. Das müsste auch in Deutschland funktionieren. Wenn Schröder jetzt schnell handelt, gewinnt er damit die Wahl 2002!"

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