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22.01.2001

16:19 Uhr

ap SACRAMENTO. Den Bewohnern von Nordkalifornien wird ihr hoher Stromverbrauch zum Verhängnis. Die Energiekosten stiegen in den vergangenen Jahren in schwindelerregende Höhen, doch nach der Privatisierung des Strommarktes 1996 dürfen die Versorger ihre Preise nicht erhöhen. Die beiden Hauptversorger, Pacific Gas & Electric (PG&E) und Southern California Edison, stehen kurz vor dem Bankrott. Seit Juni verloren sie etwa elf Mrd. Dollar; ihr Konkurs würde als eine der größten Firmenpleiten in die amerikanischen Geschichte eingehen. Der 400 Mill. Dollar teure Rettungsplan von Gouverneur Gray Davis soll weitere Engpässe verhindern, eine dauerhafte Lösung bietet er nicht.

Die Stromversorger an der Westküste der USA können die hohe Nachfrage im Winter nicht befriedigen. Zur Begründung verweisen sie auf den niedrigen Wasserstand in den Talsperren im Nordwesten der USA. Die Wasserkraftwerke hätten Tausende Megawatt Strom zu wenig produziert. Ein PG&E-Sprecher wollte am Sonntag nicht zu anhaltenden Berichten Stellung nehmen, wonach das Unternehmen möglicherweise bereits am (heutigen) Montag ein Konkursverfahren beantragen könnte. PG&E und Southern California Edison können nach eigenen Angaben die Rechnungen nicht zahlen, die ihnen Anfang Februar ins Haus stehen.

Energiereserve sank unter 1,5 Prozent

Der Leitungsnetzbetreiber Independent System Operator (ISO) löste am Wochenende Alarm der Stufe drei aus, eine bisher einmalige Maßnahme an einem Wochenende, an dem der Stromverbrauch gewöhnlich nachlässt. Alarm der Stufe drei wird ausgelöst, wenn die Energiereserven unter 1,5 % sinken. "Sonntag wird normalerweise am wenigsten Strom verbraucht", sagte ein Sprecher des Energieunternehmens Duke Energy, Tom Williams. "Das bedeutet, auf uns kommt eine interessante Woche zu." Mehrere kleine Unternehmen, die Southern California Edison mit etwa 500 Megawatt Strom beliefern, erklärten unterdessen, sie wollten ihre Arbeit einstellen. Ein Anwalt der Unternehmen sagte, Edison komme seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nach, was seinen Mandaten schweren finanziellen Schaden zufüge.

Am Sonntagabend waren die Stromausfälle in Nordkalifornien begrenzter und mit rund 20 Minuten weit weniger lang als am Mittwoch und Donnerstag, als der Strom für bis zu zwei Stunden abgeschaltet werden musste. Eine ISO-Sprecherin erklärte am späten Sonntagabend, das Stromnetz sei durch Stromeinspeisungen aus Oregon überlastet worden. Das habe dazu geführt, dass für 75 000 Abnehmer in Nordkalifornien von Roseville östlich von Sacramento bis Turlock im südlichen Bezirk Stanislaus der Strom vorübergehend abgeschaltet werden musste, sagte die Sprecherin Stephanie McCorkle.

Bürger sind zum Stromsparen aufgerufen

Die Bewohner von Nordkalifornien wurden erneut aufgefordert, Strom zu sparen. Der von den Abschaltungen ausgenommene internationale Flughafen in San Francisco fuhr daher seine Beleuchtung und Kühlsysteme herunter und schloss Notgeneratoren an. Geschäftsleute und Hausbesitzer stellten unterdessen ihre eigene Energie her. Der Besitzer eines Elektronikfachgeschäfts im Silicon Valley, Jerry Twentyman, sagte, er verkaufe zurzeit drei Mal so viele Stromgeneratoren wie normal.

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