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06.07.2000

14:16 Uhr

Erhöhung der Leitzinsen im vierten Quartal

EZB lässt Leitzinsen in Euro-Zone unverändert

Nach der EZB-Sommerpause, also ab September, sei eine Anhebung des Mindestbietungssatzes bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften zunächst um 25 Basispunkte auf 4,50 % zu erwarten.

Reuters FRANKFURT. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der Mindestbietungssatz für die als Zinstender ausgeschriebenen Hauptrefinanzierungsgeschäfte liege damit weiter bei 4,25 %, teilte die EZB im Anschluss an die Ratssitzung in Frankfurt mit. Der Zinskorridor für den Euro-Geldmarkt bleibe bei 3,25 % für die Übernacht-Einlagen von Geschäftsbanken bei der Zentralbank (Einlagenfazilität) und bei 5,25 % für die Übernacht-Kredite (Spitzenrefinanzierung). Wegen möglicher Inflationsgefahren im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs rechnen Analysten jetzt für das vierte Quartal mit einer weiteren Erhöhung des Leitzinses.

Der Euro reagierte kaum auf die Zinsentscheidung der EZB. Die Gemeinschaftswährung notierte gegen 14.00 Uhr MESZ mit Kursen um 0,9555 Dollar, nach 0,9553 Dollar unmittelbar vor Bekanntgabe des Zinsbeschlusses. Am europäischen Rentenmarkt wirkte sich die Entscheidung der Zentralbank ebenfalls kaum aus. Der Euro-Bund-Future notierte weiterhin mit sechs Ticks im Minus bei 105,07 Punkten. Die EZB hatte zuletzt am 8. Juni alle drei Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben.

Vor allem im Hinblick auf die am Vormittag veröffentlichten Daten zum Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland bekräftigten Volkswirte ihre Einschätzung, dass die EZB im vierten Quartal die Zinsen noch einmal anheben werde. Ulf Rassat von der HypoVereinsbank sagte im Anschluss an die Datenveröffentlichung, er rechne mit einer weiteren Zinsanhebung ab dem Herbst um dann wahrscheinlich 25 Basispunkte. Der Auftragseingang war im Mai bundesweit preis- und saisonbereinigt um 1,9 % gestiegen.

Die am Vormittag veröffentlichten deutschen Arbeitsmarktdaten für Juni waren nach Angaben von Analysten von untergeordneter Bedeutung für den insgesamt guten Konjunkturausblick. Der saisonbereinigte Anstieg um 2000 auf 3,905 Mill. sei vermutlich ein Ausrutscher gewesen.

Nikolaus Keis, Volkswirt bei der Hypovereinsbank, zeigte sich nach der Zinsentscheidung der EZB wenig überrascht. "Die Entscheidung ist nach dem mutigen Zinsschritt Anfang Juni wie erwartet", sagte er. Allerdings sei der Zinsanhebungszyklus angesichts der weiter bestehenden Inflationsgefahren und der überschießenden Geldmenge in der Euro-Zone noch nicht beendet. "Wir erwarten nach der EZB-Sommerpause, also ab September, eine Anhebung des Mindestbietungssatzes bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften zunächst um 25 Basispunkte auf dann 4,50 %."

Einer Reuters-Umfrage zufolge waren im Vorfeld des Zinsentscheids 95 % der befragten Volkswirte davon ausgegangen, dass die EZB die Leitzinsen unverändert lassen werde. Nach dem Zinsschritt Anfang Juni gebe es für die EZB noch keinen Handlungsbedarf. Zwar hatte Notenbankpräsident Wim Duisenberg am Mittwoch vor dem Europaparlament in Straßburg von weiter bestehendem Aufwärtsdruck bei der Inflation gesprochen. Volkswirte hatten jedoch gesagt, die EZB werde vermutlich zunächst die weitere Entwicklung des Ölpreises abwarten, bevor sie gegebenenfalls reagiere.

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