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18.02.2002

08:01 Uhr

Erholung steht und fällt mit dem Aufschwung der US-Wirtschaft

Neuer Siebener-Rat ist für Euro-Land leicht optimistisch

VonOlaf Storbeck

Die Wirtschaft in der Euro-Zone dürfte mit dem Jahreswechsel das Schlimmste hinter sich gelassen haben. Im vierten Quartal habe das Wachstum den Tiefpunkt erreicht und dürfte im Laufe des Jahres zunehmend an Fahrt gewinnen, heißt es im ersten Jahresbericht einer neuen Beratergruppe europäischer Top-Volkswirte.

HB DÜSSELDORF. Der neue Think Tank besteht aus sieben Volkswirten aus sechs europäischen Ländern. Ins Leben gerufen wurde die neue "European Economic Advisory Group" von CES-Ifo, einer gemeinsamen Initiative des "Center for Economic Studies" der Münchener Universität und dem Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung München.

Der Jahresbericht wird am Dienstag in Brüssel veröffentlicht und liegt dem Handelsblatt vorab vor. Für 2002 prognostiziert er 1,3% Wachstum in der Euro-Zone nach 1,6% im Vorjahr - einen starken Konjunkturschub erwarten die Ökonomen also nicht. "Die Waage neigt sich in Richtung moderater Aufschwung", sagt der Volkswirt Willi Leibfritz, Mitglied des Siebener-Rats. "Die Indikatoren zeigen noch nicht steil nach oben, doch vorsichtiger Optimismus ist angebracht."

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sagte dem Handlesblatt:"Die Talfahrt des Wirtschaftswachstums hat zum Jahreswechsel ihre maximale Geschwindigkeit erreicht." Eine Bodenbildung erwartet er für das zweite Quartal. Der Siebener-Rat liegt damit auf einer Linie mit Bankenvolkswirten. "Die Wirtschaft in Euro-Land ist vermutlich knapp an einer Rezession vorbeigekommen", meinen die Ökonomen der Commerzbank. Ihre Prognose ist mit 1,0% Wachstum etwas pessimistischer. Vorsichtig optimistisch sind auch die Volkswirte der Deutschen Bank: "Stärke und Zeitpunkt der Erholung bleiben unsicher." Der Aufschwung sei noch keine ausgemachte Sache: Zum einen hätten sich die wichtigen Konjunktur-Indikatoren zwar erholt, befänden sich aber immer noch auf niedrigem Niveau. Zum anderen seien die Stimmungsbarometer noch nicht von harten Daten untermauert.

Dies gilt auch für die am Freitag veröffentlichten Februar-Wert des Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikators. Das Wachstum verlangsamt sich im ersten Quartal zunächst weiter, erst zur Jahresmitte dürfte eine Erholung einsetzen. Und eines ist klar:Ohne einen Aufschwung in den USA passiert in der Euro-Zone 2002 wenig. "Wir gehen davon aus, dass aus den USA in den nächsten Monaten wieder positive Impulse für die Weltwirtschaft ausgehen", sagt Leibfritz, "sonst wäre das Wachstum in Europa noch schwächer."

Vor allem die niedrigen Leitzinsen und die Ausgabenprogramme der US-Regierung nach dem 11. September sprechen aus Sicht des Siebener-Rats für einen US-Aufschwung. Hinzu komme, dass auch in der Euro-Zone die Geld- und Wirtschaftspolitik expansiv sei. Zudem bremse der niedrige Ölpreis die Inflation und stärke damit die Kaufkraft der Verbraucher. Die Ökonomen betonen allerdings ausdrücklich: "In der momentanen Situation sind alle Prognose für die europäische Wirtschaft höchst unsicher." Sie sehen "das beträchtliche Risiko", dass Europa doch noch in die Rezession gerissen werden könnten - vor allem, wenn der US-Aufschwung zu spät oder zu schwach ausfalle.

Weitere Gefahren: Höhere Arbeitslosigkeit, die die Konsumlust der Privathaushalte verdüstert und sinkende Kapazitätsauslastung, die Unternehmen von Investitionen abhält. Das Szenario des Beraterkreises basiert zudem auf moderaten Tarifrunden. Obwohl sich die Gewerkschaften in mehreren Ländern aggressiv geben, hält der Siebener-Rat diese für wahrscheinlich - weil die Inflation von 2,6% im Jahr 2001 auf 1,8% falle und die Arbeitslosenquote von 8,5 auf 8,6% klettere.

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