Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2000

08:41 Uhr

Erlass des Bundesfinanzministeriums wertet Zugang zum Internet als geldwerten Vorteil

Internetnutzung im Büro mit Stoppuhr und Nutzungsprotokoll

Wer am Arbeitsplatz einen Internetzugang hat, soll künftig für die private Nutzung Steuern zahlen. Der "Stuttgarter Zeitung" liegt der entsprechende Entwurf vor. Unternehmen und Beschäftigte müssen sich, sollte das Vorhaben umgesetzt werden, täglich mit Protokollen herumschlagen oder den Internetzugang zensieren. Der Deutsche Industrie- und Handelstag will gegen die Regelung "Sturm laufen".

Stuttgart (ddp). Die Beschäftigten mit Netzanschluss müssen nach Vorstellungen der Finanzverwaltung demnach künftig aufzeichnen, welche Abfragen dienstlichen Zwecken dienten. Die neuen Regeln sollen zum 1. Januar 2001 in Kraft treten. Dabei geht der Fiskus grundsätzlich davon aus, dass das Internet am Arbeitsplatz häufig zu privaten Zwecken genutzt wird und deshalb als geldwerter Vorteil anzusehen ist.

Wie die Zeitung weiter berichtet, legt Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) in dem Erlass fest, wie ein Internetanschluss am Arbeitsplatz steuerlich zu behandeln ist. Die unentgeltliche oder verbilligte Mitbenutzung des Internetanschlusses ist demnach zum Arbeitslohn zu zählen. Von dieser Einstufung als geldwerter Vorteil weicht der Fiskus nur ab, wenn der Arbeitgeber die private Nutzung des Internets untersagt und dieses Verbot stichprobenartig kontrolliert. Einen geldwerten Vorteil unterstellt der Fiskus auch dann nicht, wenn die private Nutzung ausgeschlossen ist, indem am Arbeitsplatz nur bestimmte Seiten im Internet abrufbar sind.

In den meisten Fällen haben die Beschäftigten aber Zugriff auf alle Seiten. In diesem Fall sieht der Erlass vor, dass der geldwerte Vorteil anhand der Abrechnung des Internetanbieters ermittelt wird. Alle Verbindungen müssen demnach aufgezeichnet werden. Die Nachweispflichten des Arbeitnehmers sind genau geregelt. So müssen die Beschäftigten das Datum, die Uhrzeit und die Dauer der betrieblichen Nutzung vermerken. Außerdem ist der Anlass und die entsprechende Homepage anzugeben, die aus dienstlichen Gründen angewählt wurde.

Kann die Firma oder ein Beschäftigter nicht nachweisen, dass die Abfragen nur beruflichen Zwecken dienten, darf der Betriebsprüfer des Finanzamts die gesamten Internetkosten am Arbeitsplatz als geldwerten Vorteil ansehen. Dieser muss dann vom Arbeitnehmer versteuert werden. Der Steuerexperte des Deutschen Industrie- und Handelstags (DIHT), Harald Hendel, bestätigte der Zeitung, dass solche Einschätzungen der Finanzverwaltung vom Erlass gedeckt sind. Hendel sagte, sein Verband werde gegen die Regelung "Sturm laufen''. Der Steuerexperte befürchtet allgemein einen unvertretbaren Verwaltungsaufwand.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×