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16.03.2003

08:05 Uhr

Erlass-Entwurf stellt Steuervorteile in Frage

Neue Steuerregel kickt Filmfonds ins Aus

VonReiner Reichel

Das Angebot an Steuersparanlagen wird in diesem Jahr deutlich ausgedünnt. Die bisher bekannten Filmfonds-Modelle mit sofortigen Verlustzuweisungen von 100% im Jahr der Beteiligung wird es künftig nicht mehr geben.

DÜSSELDORF. Der Grund liegt in den Eckpunkten eines noch nicht veröffentlichten Erlass-Entwurfs des Bundesfinanzministeriums (BMF), der den steuerlichen Umgang mit Nebenkosten geschlossener Fonds präzisiert. Bereits im vergangenen Jahr hatte das BMF geregelt, dass Nebenkosten nur noch über die Laufzeit einer Beteiligung statt sofort abgeschrieben werden dürfen (Az.: IV C 3 - S 2253a - 15/01 vom 24.10.02).

Die wichtigsten Nebenkosten sind Provisionen für den Vertrieb der Fonds, Honorare an Rechts- und Steuerberater und die Konzeptionsvergütung des Fondsinitiators. Sie betragen bis zu 30% des Investitionsvolumens.

Fatal für Filmfonds sind die neuen Steuervorgaben des BMF, weil sie die Zeichner (Kommanditisten) zu Erwerbern der Filmrechte machen. Bisher sind sie Filmhersteller. Die Konsequenz: Wer Filmrechte erwirbt statt sie herzustellen, kann sie nur über 50 Jahre abschreiben. Statt 100% Verlustzuweisung sofort mindern jährlich nur noch 2% Abschreibung die Steuerlast. Ein solcher Fonds ist für den Anleger uninteressant.

Der Verband Deutscher Medienfonds e. V. beschreibt die Argumentation des BMF gegenüber seinen Mitgliedern so: "Anleger gelten dann als Erwerber, wenn ein einheitliches Vertragswerk vorliegt." In der Tat leistet der Anleger nur Unterschriften unter Zeichnungsschein und Treuhandvertrag. Dahinter verbirgt sich eine Einheit von Verträgen, die der Initiator etwa mit Drehbuchlieferanten, Produktionsteams, Filmverleihern, Versicherern und Beratern geschlossen hat. Medienfonds-Prospekte nennen oft schon Filmtitel, beschreiben den Inhalt, geben Produktionsfirmen und Verleiher bekannt. "Damit ist das Beteiligungskonzept modellhaft", sagt Hans-Joachim Beck, Vorsitzender Richter am Finanzgericht Berlin.

Beim Verband Deutscher Medienfonds ist inzwischen das Gerücht angekommen, dass im Zuge der steuerlichen Neuregelung der Nebenkosten auch der Medienerlass (Az.: IV A 6 - S 2241 - 8/01 vom 23.02.01) geändert werden könnte. Der sieht nämlich den Anleger dann als Filmhersteller, wenn er "wesentliche Einflussmöglichkeiten auf die Filmproduktion hat". "Faktisch haben die Anleger aber keinen Einfluss", sagt Michael Oehme, Vorstandsvorsitzender des Verbandes. Er prophezeit im gleichem Atemzug den "Tod leasingähnlicher Fonds". Dessen Einnahmequelle sind in Höhe und Fälligkeit von vornherein festgelegt Lizenzzahlungen von ebenfalls feststehend Filmkäufern. Dennoch bekamen Anleger bisher volle 100% Anfangsverlust.

Oehme sieht nur einen Weg, die Modellhaftigkeit zu vermeiden und dadurch die vollen Anfangsverluste zu retten: "Anleger müssen einem Fonds beitreten, bevor der Fonds irgendeinen Vertrag schließt." Damit wird der Fonds zum "Blind Pool": Sie wissen nicht, worin sie investieren. Als Filmlaien müssen sie sich trotzdem auf die Kompetenz des Initiators verlassen. "Aus Sicht des Anlegerschutzes ist das kontraproduktiv", stellt Richter Beck fest. Steuersystematisch sei es dagegen richtig: "Nur wer das volle Risiko trägt, soll auch Steuervorteile haben." Das Risiko, die Steuervorteile nachträglich zu verlieren, lässt sich dadurch vermeiden, dass ein Fonds gezeichnet wird, der bereits 2001 an den Markt ging. Wer einem solchen Fonds noch bis Jahresende beitritt, fällt unter eine Übergangsregelung des alten Nebenkostenerlasses, die ihm die alten Steuervorteile erhält.

Quelle: Handelsblatt Nr. 127 vom 05.07.02

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