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02.02.2001

14:36 Uhr

Erlebnisparks der Autobranche

Opel-Erlebnispark schließt zum 1. April

Opels Erlebnispark war nicht in der Lage, die Besucher in Scharen anzulocken. Das mit viel Werbeaufwand gestartete Konzept steht nun vor dem Aus. Der Branchenkonkurrent BMW plant dagegen jetzt erst einen entsprechenden Freizeitpark mit Auslieferungszentrum. Für 200 Mill.DM sollen Arbeitsplätze für 200 Menschen geschaffen werden.

dpa/adx RÜSSELSHEIM/MÜNCHEN. Ein quirliger Holländer mit einigen Jahren Disney-Land-Erfahrung und ein paar technische Spielereien haben nicht genügt, um die Besucher in Scharen in den ersten "Erlebnispark" eines Automobilunternehmens nach Rüsselsheim zu locken. Nach knapp zwei Jahren ist das mit viel Werbeaufwand gestartete Konzept von "Opel Live" am Ende. Ab 1. April müssen sich rund 100 Mitarbeiter neue Jobs suchen. Bleiben sollen nur 20 Angestellte, die den Besuchern ein kostensparend geändertes Programm präsentieren sollen.

Die Träume von Opel-Live-Chef Jan Reuvers von 500 000 Interessenten im Jahr erwiesen sich als Wunschvorstellung. Auch die Senkung der Eintrittspreise von anfangs 24 auf später 15 DM blieb ohne Erfolg: Gerade 150 000 Gäste sollen es im vergangenen Jahr gekommen sein. In Rüsselsheim, wo die für den Erlebnispark angeschafften Busse stets fast leer durch die Straßen fuhren, stieß selbst diese Zahl auf Skepsis.

Unterhaltungskonzept war uninteressant

Den Besuchern war das Unterhaltungskonzept des Erlebnisparks zu uninteressant, ergaben Umfragen von Opel. Statt Oldtimern wollten die Leute lieber aktuelle Modelle und Konzeptfahrzeuge sehen, mehr innovative Technik sollte präsentiert werden, eine ausführlichere Werksführung wurde gewünscht. Auf Technik und Werksführungen solle der Schwerpunkt deshalb künftig liegen, kündigte Opel-Sprecherin Birgit Overwiening an. Radikal gekürzt werde dagegen das Entertainment-Programm mit Fahrten im 3-D- Simulator und nächtlichen Touren übers Werksgelände.

Neukonzeption und Stellenstreichungen gehörten außerdem zu einem allgemeinen Sparprogramms des Opel-Konzerns, betonte die Sprecherin. Im Vergleich zu Volkswagen allerdings hatten die Rüsselsheimer von vornherein an ihrem Erlebnispark gespart. Rund 120 Mill. DM kostete Opel Live bei seiner Eröffnung. Die Wolfsburger AutoStadt dagegen ging im vergangenen Mai mit 850 Mill. DM Investitionen an den Start. In den Erlebnisbereich integrierte VW ein Kundenzentrum und zog fortan die Massen an: Rund 1,4 Mill. Menschen hatten die AutoStadt bis Ende Dezember gesehen, 400 000 mehr als erwartet.

An Reuvers' Position ändert der Richtungswechsel bei Opel Live angeblich nichts. Nach wie vor bleibe er der Geschäftsführer, hieß es in der Pressestelle, und auch an der Erarbeitung des neuen Konzepts sei er beteiligt. Reuvers selbst, der die Medien in der Vorbereitungsphase gerne und wortreich über seine Pläne informiert und von einem Einzugsgebiet von 34 Mill. Menschen geschwärmt hatte, blieb nach den jüngsten Entscheidungen ungewohnt wortkarg. Anfragen ließ er an die Opel-Pressestelle weiterleiten.

BMW baut dagegen ein Erlebnis- und Auslieferungszentrum

Die Bayerischen Motorenwerke AG (BMW) baut in unmittelbarer Nachbarschaft zur Konzernzentrale im Norden Münchens ein Erlebnis- und Auslieferungszentrum. Der Architekten-Wettbewerb ist ausgelobt und die behördlichen Genehmigungsverfahren sind eingeleitet, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Bauarbeiten auf dem rund 25 000 Quadratmeter großen Gelände sollen im kommenden Jahr beginnen. Die Inbetriebnahme des Gebäudekomplexes, für den 200 Mill. DM Investitionen bereit stehen, ist für Ende 2003 geplant. Bis zu 200 Mitarbeiter sollen dort Arbeit finden.

Das Zentrum soll vier Aufgaben wahrnehmen. Im Bereich "Premiere" erfolgt die Auslieferung und Übergabe von Automobilen und Motorrädern an Selbstabholer. Täglich werden hier etwa 200 Kunden erwartet. Ein für jedermann zugänglicher Bereich mit Bistros und Restaurants bietet Besuchern alle Möglichkeiten, sich mit "flankierenden Leistungen" von BMW zu befassen. Das Spektrum reicht von Zubehör, über mobile Dienstleistung bis hin zu einem Reisebüro. Hier ist auch der Ausgangspunkt für Werksführungen und Museumsbesuche.

"BMW-Welt" soll Kunden mit Technik vertraut machen

Ein weiterer Komplex mit Namen "BMW Welt" macht anhand von Produkten und Leistungen von BMW mit allen Möglichkeiten der Innovation und Technik vertraut. Mit dem "Forum" bietet das Zentrum schließlich eine multimediale Plattform für unterschiedliche Veranstaltungen des Hauses. Es steht aber auch für kulturelle und sonstige Ereignisse des Münchner Nordens zur Verfügung.

"Am Anfang waren unsere Erwartungen zu hoch gesteckt", räumt stattdessen Overwiening ein. Immerhin sei Opel europaweit der Pionier unter den Auto-Erlebnisparks gewesen und habe auch die ersten Erfahrungen damit sammeln müssen.

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