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26.01.2003

16:02 Uhr

Erneut Kritik an Nachfolger

Mobilcom: Schmid mischt den Laden weiter auf

Das angeschlagene Unternehmen steht bei der bevorstehenden Hauptversammlung vor wichtigen Entscheidungen. Auch der umstrittene Gründer Gerhard Schmid hat sein Kommen angekündigt.

dpa HAMBURG. Der umstrittene Mobilcom-Großaktionär Gerhard Schmid kommt nun doch zur Hauptversammlung des angeschlagenen Mobilfunkanbieters am Montag - aber eher als Zuschauer. Ex-RTL-Chef Helmut Thoma, den Schmid erst als Treuhänder eingesetzt und dann den Vertrag einseitig gekündigt hatte, bekräftigte, nur er werde für Schmids Aktienanteil von 42 % abstimmen. "Außer Herr Schmid stoppt mich in letzter Minute per einstweiliger Verfügung. Das wäre seine einzige Chance", sagte Thoma der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Er werde für den Vertrag mit Großaktionär France Télécom stimmen, betonte Thoma. Mit der Vereinbarung war Mobilcom im vergangenen Jahr vor einer Insolvenz gerettet worden. Mit den Stimmen aus Schmids Paket und dem gut 28-prozentigen Anteil von France Télécom wäre die Zustimmung zu den Vereinbarungen gesichert. Außerdem sollen bei der außerordentlichen Aktionärsversammlung in Hamburg drei Aufsichtsräte nachgewählt werden.

Schmid, Gründer und einstiger Chef der krisengeschüttelten Mobilcom AG, übte vor der Versammlung erneut heftige Kritik an seinem Nachfolger Thorsten Grenz. "Er macht handwerkliche Fehler und auch er will das Unternehmen zerschlagen. Er ist kein Stratege", sagte Schmid dem Nachrichtenmagazin "Focus". Er werde zur Hauptversammlung gehen, um Vorstand und Aktionären klar zu machen, dass Mobilcom ein gesundes Unternehmen sei.

Schmid hatte Thoma zunächst die Aktien als Treuhänder übertragen, dann jedoch den Vertrag gekündigt und versucht, an dessen Stelle den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert einzusetzen. Das ist ihm aber zumindest bis zur Hauptversammlung nicht gelungen. Mobilcom - Aufsichtsrat Thoma meldete bereits offiziell an, dass er treuhänderisch die Stimmrechte aus den Aktien von Schmid und der Firma Millenium von dessen Ehefrau Sybille Schmid-Sindram wahrnehmen werde.

Das umfangreiche Vertragswerk zwischen Mobilcom und France Télécom regelt im Detail die gegenseitigen Rechte und Pflichten. Im Kern hat sich France Télécom verpflichtet, die milliardenschweren Lasten aus dem teuren Versuch zu übernehmen, ein Netz nach dem neuen Mobilfunk- Standard UMTS aufzubauen. Im Gegenzug steigt Mobilcom aus UMTS wieder aus und verzichtet auf alle Ansprüche gegen France Télécom.

Zugleich verlautete aus Schmids Umfeld, er wolle nach der Hauptversammlung mit einer "glasklaren Dokumentation" gegen ihn bestehende Untreue-Vorwürfe ausräumen. Schmids Anwälte seien dabei, die Unterlagen vorzubereiten, berichtete die "Welt am Sonntag". Im Zuge der Ermittlungen war vor zehn Tagen unter anderem Schmids Privathaus durchsucht worden. Im Visier der Ermittler ist ein Aktien- Optionsgeschäft mit Millenium, für das Mobilcom mehr als 70 Mill. ? an die Firma bezahlt hatte. Mit den Aktien sollten besonders erfolgreiche Mobilcom-Verkäufer belohnt werden. Der Aufsichtsrat stoppte das Geschäft später, doch ist das Geld bislang nicht zu Mobilcom zurückgeflossen.

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