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10.01.2003

07:44 Uhr

Erneute Fusion in der US-Stahlbranche

US-Steel will National Steel übernehmen

In der krisengeschüttelten US-Stahlindustrie zeichnet sich binnen weniger Tage die nächste Großfusion ab. Die United States Steel Corp. (US Steel) will das operative Geschäft des insolventen Konkurrenten National Steel Corp. für 950 Mill. US-$ inklusive 200 Mill. $ Schulden übernehmen. Der Kaufpreis soll mit Bargeld und Aktien beglichen werden.

mjh DÜSSELDORF. Anfang der Woche hat die neu formierte ISG-Gruppe des Investors Wilbur Ross ein Kaufangebot für die Bethlehem Steel Corp. vorgelegt, die sich vor mehr als einem Jahr unter die Schutzbestimmungen des US-Kartellrechtes gestellt hatte (Handelsblatt vom 7.1.2003).

Nachdem die Konsolidierung in Europa inzwischen weitgehend abgeschlossen ist, rollt nun eine Fusionswelle über die USA. Die amerikanischen Stahlhersteller, die bis in die achtziger Jahre die Branche dominierten, melden sich zurück. "Größe ist wichtig", sagte US-Steel-Chef Thomas Usher. Sofern die Gewerkschaften Lohnkürzungen akzeptieren, der Konkursrichter zustimmt und die Gläubiger auf Forderungen verzichten, könnte die Transaktion im April abgegeschlossen sein, hofft Usher.

Der größte Stahlhersteller der USA erweitert mit der Übernahme von National seine Produktionskapazität für Rohstahl um 40 %. Auf dem Papier reicht das für einen jährlichen Ausstoß von 25 Mill. Tonnen - fünf Mill. Tonnen mehr als das Duo ISG und Bethlehem - was aktuell Platz fünf der Weltrangliste bedeuten würde. Tatsächlich schmolzen beide Unternehmen zuletzt insgesamt 19 Mill. Tonnen. Das war deutlich mehr als die beiden europäischen Konkurrenten Corus und Thyssen-Krupp, doch weniger als die Hälfte des Weltmarktführers Arcelor. Der Konzern mit Sitz in Luxemburg entstand vor einem Jahr aus der Fusion der luxemburgischen Arbed, der spanischen Aceralia und Frankreichs Usinor.

Usher stand bei National Steel seit Monaten auf der Matte. Die Kaufverhandlungen drohten aber an der Frage zu scheitern, in welcher Höhe US Steel die Pensions- und Krankenversicherungszahlungen von National Steels Rentnern übernehmen müsste. Bei Bethlehem Steel sprang 2002 die US-Regierung ein, als dem Konzern das Geld für die Betriebsrente auszugehen drohte. Ein ähnliches Modell lehnt die Regierung für National Steel bisher ab.

Die meisten der etwa 30 US-Stahlhersteller befinden sich seit über einem Jahr im Insolvenzverfahren. Die Branche leidet unter billigen Stahleinfuhren aus Asien und Osteuropa und hohen Pensionsverpflichtungen.

Quelle: Handelsblatt

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