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06.08.2000

12:00 Uhr

Erneute Veränderung des Regelwerks ist nicht geplant

Kultusminister halten an Rechtschreibreform fest

Eine Rücknahme der Reform würde "totales Chaos" anrichten. Auch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnen Änderungen ab.

ap FRANKFURT/MAIN. Forderungen nach einer Rücknahme der neuen Rechtschreibung sind auf eine klare Ablehnungsfront der Kultusminister getroffen. Die Bundesländer halten an der Rechtschreibreform fest, wie eine Umfrage der "Welt am Sonntag" unter den 16 Ressortchefs ergab. Auch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnten Änderungen ab.

Bulmahn sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ich halte nichts von einem Hin und Her bei der Rechtschreibung." Die nach der Rückkehr der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zur alten Rechtschreibung neu aufgeflammte Diskussion verunsichere und irritiere nur. Untersuchungen hätten gezeigt, dass vor allem an den Grundschulen positive Erfahrungen mit der neuen Rechtschreibung gemacht würden. Es sei absehbar, dass sich alle an die neue Schreibweise gewöhnten. Forderungen mehrerer Politiker, die Reform im Bundestag zu erörtern, wies die Ministerin zurück.

Fast alle von der "Welt am Sonntag" befragten Kultusministerien sahen keine Probleme oder Irritationen durch die Rechtschreibreform. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der Bremer Schulsenator Willi Lemke, sagte: "Eine Reform der Reform wird nicht vorbereitet. Die neuen Schreibregeln sollen in erster Linie im Unterricht leichter handhabbar sein und das Schreibenlernen leichter machen."

Kritik äußerte der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU). Die Reform sei überflüssig gewesen und habe Verwirrung gestiftet. "Deren Rücknahme würde aber das totale Rechtschreibchaos bedeuten." Der thüringische Kultusminister Michael Krapp (CDU) sagte, es sei nicht auszuschließen, dass es einige Korrekturen geben werde.

Die Lehrergewerkschaft kritisierte das Vorgehen der "FAZ". GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer sagte im Saarländischen Rundfunk: "Ich würde mir wünschen, mit diesem Engagement und mit diesem Einsatz kämpfte besagte Tageszeitung gegen rechtsradikale Tendenzen." Nach den Erfahrungen der Gewerkschaft sei die neue Schreibung für Schüler eindeutig mit Erleichterungen verbunden.

Der Bamberger Germanistik-Professor Helmut Glück regte die Einrichtung einer neuen Sprachakademie zur Pflege der deutschen Sprache an. Er sagte der "Welt" (Samstagausgabe): "Wir brauchen eine Sprachakademie, die gegen politische Einflüsse und gegen die Lobbyarbeit von Lehrerverbänden und Wörterbuchverlagen immun ist."



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