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09.01.2003

12:49 Uhr

Ernsthafter Gedanke nach Nuklearangriff

Drohgebärden von Indien und Pakistan

Während die Welt sich mit der Frage beschäftigt, wie der Irak vom Einsatz möglicher Massenvernichtungswaffen abgehalten werden kann, reden Indien und Pakistan offen über einen möglichen Atomkrieg. In den vergangenen Wochen haben sich zwar die Spannungen nicht verschärft. Aber von Verhandlungen oder gar einer Entspannung, wie die USA sie fordern, sind die Atommächte weit entfernt.

HB/dpa NEU DELHI. Zurzeit tobt wieder ein Krieg der Worte, flankiert von einem indischen Raketentest und der Einführung einer Mittelstreckenrakete in die pakistanische Armee. Die schrillen Töne hatten mit einer Rede des pakistanischen Armeechefs und Präsidenten Pervez Musharraf begonnen. Er hatte Indien vor einem Jahr für den Fall eines Angriffs mit einem nicht konventionellen Krieg gedroht und dies Ende Dezember öffentlich gemacht.

Einen Atomkrieg habe er damit nicht gemeint, stellte er einige Tage später klar, sondern einen Guerillakrieg. Das aber hörte kaum noch jemand, in Indien wurde die Äußerung als atomare Drohung verstanden. Indien werde zwar nicht als erster Atomwaffen einsetzen, sagte der indische Verteidigungsminister George Fernandes, sondern setze auf Abschreckung.

"Wir werden ein wenig leiden", sagte Fernandes mit Blick auf die mehreren hunderttausend Toten, die für den Fall eines pakistanischen Angriffs mit Atomwaffen zu befürchten wären. Das "wenig leiden" meinte Fernandes im Vergleich zu dem, was dann Pakistan drohe: "Danach wird es kein Pakistan mehr geben", sagte er. Prompt drohte Pakistan Indien für den Fall eines Nuklearangriffs eine "unvergessliche Lektion" an.

Seit mehr als einem Jahr geht das nun so. Terrorattacken von Moslemextremisten auf das indische Parlament und eine Kaserne im indischen Teil Kaschmirs hatten Indien dazu veranlasst, Pakistan mit Krieg zu drohen. Denn nach indischer Ansicht unterstützt Pakistan "Terroristen", die in Indien aktiv sind.

Zwei Mal kamen die Nachbarn einem Krieg bedrohlich nahe seit Dezember 2001, beide Male schickten die USA, Großbritannien und andere Länder Diplomaten, um das Schlimmste zu verhindern. An den Verhandlungstisch aber brachten sie Indien und Pakistan nicht. Die Flug-, Zug- und Busverbindungen bleiben gekappt, die jeweiligen Botschaften sind nur dünn besetzt.

"Die Welt erwartet von Indien und Pakistan nichts, was andere Länder nicht auch getan hätten. Zahlreiche Länder haben ihre von Streit geprägte Geschichte überwunden, um eine bessere Zukunft zu sichern", mahnte der US-Diplomat Richard Haas. Indien und Pakistan sind davon allerdings noch weit entfernt.

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