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04.07.2000

19:00 Uhr

Erst 15 Gesellschaften sind im Nmax notiert

Niemand nimmt Amsterdams Wachstumsmarkt ernst

VonSusanne Bergius

Der Beginn war bescheiden. Der Nieuwe Markt der Amsterdamer Börse startete mit einem Unternehmen. Inzwischen sind es zwar 15, aber das Segment kommt nicht von der Stelle.

AMSTERDAM. Schon der Beginn war äußerst bescheiden: Der "Nieuwe Markt" (Nmax) der Amsterdamer Börse für "junge, schnell wachsende Unternehmen mit internationalen Ambitionen" startete im März 1997 mit dem klitzekleinen Softwarebetrieb Polydoc. Mehr Betriebe waren nicht für das neue Segment zu interessieren, obwohl die Börse den Start monatelang verschoben hatte.

Auch haute kommt der neue Markt in Amsterdam nicht von der Stelle. Nur wenige Betriebe werden als chancenträchtig eingestuft. Manche Analysten zweifeln gar an der Überlebensfähigkeit des Nmax.

Die Bemühungen des inzwischen auch als Euro.NM Amsterdam bezeichneten neuen Marktes um mehr Attraktivität fruchteten bislang wenig: Der Nmax kam bislang nicht über 15 Notierungen hinaus. In diesem Jahr gab es mit Newconomy nur einen Neuzugang. Damit sind die Amsterdamer immer noch weit von ihrem einst für Ende 1998 gesteckten Ziel von 20 Notierungen entfernt. "Wir haben keine neuen Ziele", sagt jetzt ernüchtert Börsensprecher Robert Bakker.

Auch die Kursentwicklung ist nicht berauschend. Zwar erlebte Amsterdam im Februar/März ein kleines Hoch. Doch im Vergleich mit den Neuen Märkten von Frankfurt, Paris und Brüssel dümpelt der Nmax vor sich hin. Seit Mitte Mai steht er wieder da, wo er das Jahr begann. Die Gesamtkapitalisierung von 1,66 Mrd. Euro ist laut Analysten nicht nur wegen der weltweiten Kurskorrektur bei Technologiewerte mäßig.

Wichtigster Grund für das mangelnde Interesse der Gesellschaften ist die Konkurrenz im eigenen Haus. "In den Niederlanden können die Unternehmen anders als in Deutschland wählen, wo sie notiert sein wollen. Viele Gesellschaften entscheiden sich für Hauptmarkt AEX, um neben großen Namen wie Philips und Royal Dutch zu stehen", erläutert Börsensprecher Bakker.

AEX bleibt der Hauptmarkt - Konkurrenz im eigenen Hause

Überdies wiesen die Technologie- und Telekomwerte im AEX bereits hohe Kurssteigerung auf, bevor der Neue Markt an den Start ging. Namhafte Werte im AEX sind ASM Lithography, Baan, Getronics, KPN und UPC. Dass die Euphorie für den Frankfurter Neuen Markt nicht auf das Amsterdamer Gegenstück übersprang "ist daher einfach eines Frage des Timings", meint Bakker.

"Außerdem legen niederländische Anleger ihr Geld - stimuliert durch die Einführung des Euro - seit zwei Jahren stark im Ausland an", ergänzt Cor Wijdvliet, Analyst bei Fvan Lanschot Bankiers. "Sie sind sektororientiert und bevorzugen Blue Chips."

Der Nmax wird also schlicht nicht ernst genommen, weder von Firmen noch von Anlegern noch von Analysten, die nur lustlos über ihn reden. "Der Nmax hätte schnell wachsen sollen, doch er hat fast nur mega-uninteressante Betriebe, die nicht über ihren Einführungskurs hinaus kommen", urteilt Wijdvliet.

Wijdvliet macht nur fünf Ausnahmen: Für die Produkte von Prolion (Melk-Roboter), Nedgraphics (Software), Newconomy (Internetanbieter), InnoConcepts (Erfindungen) und Cardio Control (medizinische Geräte) gebe es weltweit einen Markt. Sie seien gemessen an ihrem Potenzial unterbewertet. Steef Bergakker von Wertpapierhaus Iris stellt die höchsten Erwartungen an UCC, einen Verleiher von Automatisierungspersonal.

UCC habe beste Aussichten und sei ausgezeichnet geführt. Prolion habe gute Aussichten, aber ein höheres Risikoprofil. Das Gesamturteil über den Nmax fällt aber vernichtend aus: "Er ist ein Misserfolg", urteilt Wijdvliet. "Das Klima müsste sich schon enorm verbessern, sollte noch was draus werden."

Dabei hatte sich Amsterdam so sehr bemüht. Mit dem "Nieuwe Markt" wollte sich die Grachtenstadt von dem schlechten Image des 1994 eingestellten Parallelmarktes lösen. Der wurde von Firmeninhabern häufig missbraucht, um sich ihrer Unternehmen zu entledigen. Um dieses Risiko auszuschalten, wurden die Gesellschafter der Nmax-Unternehmen verpflichtet, einen bestimmten Kapitalanteil solange zu halten, bis der Betrieb drei Jahre in Folge Gewinne schrieb.

Aber die Vorschriften waren dennoch lascher als die von anderen neuen Märkten in Europa. Wegen enttäuschter Anleger übernahm Amsterdam schließlich die strengeren Regeln von Frankfurt, Paris und Brüssel, mit denen sich die Börse im Euro.NM verband. Keiner der im April 1998 am Nmax notierten sieben Firmen hätte die neuen Vorgaben erfüllt.

Wijdvliet bleibt skeptisch: "Der Markt ist nicht lebensfähig." Vielleicht ändere sich etwas im Zuge der internationalen Börsenfusionen, hofft Bergakker. Schließlich sei die Existenz eines neuen Marktes gerechtfertigt.

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