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09.01.2003

12:43 Uhr

Erst gegen Jahresende Besserung am Arbeitsmarkt

Ökonomen erwarten im Januar kräftigen Anstieg

Volkswirte sehen sich angesichts des kräftigen Anstiegs der Arbeitslosigkeit im Dezember in Deutschland in ihrer Auffassung bestätigt, dass im laufenden Jahr kaum Hoffnung auf eine Besserung der Lage besteht. Die meisten Experten erwarten frühestens gegen Jahresende eine Erholung auf dem Arbeitsmarkt. Für Januar rechnen die Ökonomen hingegen mit einem erneuten kräftigen Anstieg, der hauptsächlich saisonal bedingt sein dürfte.

vwd FRANKFURT. Mehrere Ökonomen hatten im Vorfeld mit einem saisonbereinigten Zuwachs der Arbeitslosigkeit um 26 000 gerechnet und die Quote ebenfalls bei 10,1 Prozent gesehen. Demnach bezeichnete Bernd Weidensteiner von der DZ Bank die Arbeitslosenzahlen für Dezember im Rahmen der Erwartungen.

Der erneute Anstieg sei ein Zeichen für die anhaltend schwache Konjunkturentwicklung in Deutschland, erläuterte Weidensteiner. Der Arbeitsmarkt kämpfe weiterhin mit großen strukturellen Problemen. Das Regierungsziel, die Zahl der Arbeitslosen im laufenden Jahr möglicherweise unter vier Millionen zu drücken, bezeichnete er als illusorisch. Vielmehr sieht der Ökonom die Zahl der Arbeitslosigen im Januar und Februar bis auf 4,5 Millionen wachsen. "Eine Besserung der Lage ist vorerst nicht in Sicht", sagte Weidensteiner.

Manuela Preuschl von Global Markets Research (Deutsche Bank) bezeichnete die Dezember-Daten ebenfalls als erwartungsgemäß. "Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht", fuhr die Ökonomin fort. Sie rechnet ebenfalls mit einem erneuten Schub der Arbeitslosigkeit im Januar. So würden Kündigungen, die im vierten Quartal ausgesprochen wurden, ab Januar wirksam und in die Statistik einfließen. Außerdem sei zum Jahresbeginn mit einem witterungsbedingten Anstieg der Arbeitslosenzahl zu rechnen. Ob sich die Lage danach bessere, hänge auch vom Verlauf des Irak-Konfliktes ab. Ein Trendwende erwartet die Volkswirtin erst gegen Jahresende.

Der BA-Vorstandsvorsitzende Florian Gerster hatte bei Bekanntgabe der Dezember-Daten erklärt, er rechne erst im zweiten Halbjahr 2003 mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt. Für das erste Halbjahr erwartet die BA steigende saisonbereinigte Arbeitslosenzahlen. Für eine nachhaltige Besserung der Lage sei ein Wachstum von gut zwei Prozent nötig, erläuterte Preuschel. Daher sei auch das Ziel der Bundesregierung, die Zahl der Arbeitslosen noch 2003 unter die Vier-Millionen-Marke zu senken, unrealistisch.

Ralph Solveen von der Commerzbank nannte die schwache Konjunkur ebenfalls als Hauptgrund für den kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember. Hinzu komme die in der zweiten Dezemberhälfte vergleichsweise kalte Witterung. Für Januar rechnet er wie seine Kollegen mit einer weiteren deutlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit. Nicht saisonbereinigt dürfte die Zahl der Arbeitslosen dann über 4,5 Millionen steigen, meint Solveen.

Ab März sollte die nicht bereinigte Zahl im Rahmen der üblichen Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt wieder merklich fallen, fügte der Commerzbank-Volkswirt hinzu. Saisonbereinigt sei aber erst ab der zweiten Jahreshälfte bis gegen Jahresende mit einer Wende zum Besseren zu rechnen. Voraussetzung dafür sei allerdings eine Konjunkturbelebung zur Jahresmitte.

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