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15.01.2002

18:42 Uhr

Erste Ankunft in London bereits um 8.30 Uhr

Ryanair will Lufthansa bei London-Flügen überholen

Bezogen auf den reinen Punkt-zu-Punkt-Verkehr will die irische Billig-Fluglinie Ryanair in drei Jahren mehr Passagiere zwischen den Einzugsgebieten London und Frankfurt transportieren als die Lufthansa. Um dieses Ziel zu erreichen, werde Ryanair ab dem 14. Februar täglich einen zusätzlichen Flug nach London-Stansted anbieten, kündigte am Dienstag Vertriebsdirektor Tim Jeans an.

Reuters FRANKFURT. "Der Flug wird am frühen Morgen auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück starten und vor allem für Geschäftsleute interessant sein". Mit dieser vierten Verbindung am Tag solle sich die Zahl der Passagiere auf der Route auf 300 000 von 250 000 pro Jahr steigern.

"Mit der neuen Verbindung können Geschäftsleute bereits morgens um 8.30 Uhr Ortszeit in London sein", sagte Jeans. Derzeit transportiere Ryanair auf der Strecke noch etwa 40 % weniger Passagiere als die Lufthansa. Ryanair betrachtet sich als reine Punkt-zu-Punkt-Fluglinie und rät Passagieren davon ab, über das Aneinanderreihen mehrerer Ryanair-Einzelflüge am gleichen Tag Anschlussverbindungen zusammenzustellen. Bei der Lufthansa dagegen sind Verbindungsflüge durchaus üblich. Außerdem fliegt die Lufthansa im Gegensatz zu Ryanair den Londoner Flughafen Heathrow an und landet in Frankfurt direkt auf dem Rhein-Main-Flughafen, während der Flughafen Hahn eine gute Autostunde von Frankfurt entfernt im Hunsrück liegt.

Im Dezember hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary angekündigt, die Billigflug-Gesellschaft werde sich in den kommenden Jahren ganz auf den deutschen Markt konzentrieren und der Lufthansa ab 2003 auch auf innerdeutschen Strecken Konkurrenz machen. Ab Februar beziehungsweise März fliegt Ryanair mit Bergamo, Pescara, Pisa, Montpellier, Perpignan und Oslo zahlreiche neue Ziele von Hahn aus an. Außerdem will Ryanair nach den Worten O'Learys ab dem Sommer 2002 von zwei bis drei weiteren deutschen Standpunkten aus Flüge nach London oder Dublin anbieten.

Die Verhandlungen mit deutschen Flughäfen dazu liefen noch, sagte Jeans am Dienstag. Auch der konkrete Zeitplan für die Aufnahme weiterer Flüge sei bislang unklar. Ryanair sei jedoch für einen Ausbau des Streckennetzes gerüstet, da die Iren bis zum Sommer fünf weitere neue Flugzeuge des Typs Boeing 737 geliefert bekämen. Wegen der Anschläge vom 11. September wäre derzeit zwar ein guter Zeitpunkt, um weitere neue Flugzeuge zu bestellen. Ryanair habe sich für 2002 mit den insgesamt acht georderten neuen Boeings jedoch ausreichend eingedeckt. Die Billig-Fluglinie EasyJet Plc hatte vor kurzem angekündigt, sie verhandle mit Boeing Co und Airbus SAS über den Kauf von 75 neuen Flugzeugen.

In Deutschland stellte Jeans am Dienstag eine neue Werbekampagne vor, bei der die irische Fluggesellschaft mit Einweg-Flügen für zehn Euro um Kunden wirbt. Außerdem druckt Ryanair auf Plakaten und in Anzeigen erneut Preisvergleiche zu Lufthansa-Flügen ab. Im vergangenen Jahr war es wegen einer ähnlichen Anzeigenkampagne zum Streit mit der Lufthansa gekommen, die dem Konkurrenten vorwarf, mit irreführenden Preisvergleichen zu werben, da beide Gesellschaften unterschiedliche Flughäfen wie etwa Frankfurt-Rhein-Main und Frankfurt-Hahn anflögen. Das Landgericht Köln erließ daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen Ryanair. Über den Einspruch der irischen Fluggesellschaft gegen diese Verfügung verhandelt das Gericht am kommenden Dienstag.

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