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07.01.2001

18:45 Uhr

Erste Börsenwoche 2001 war eine herbe Enttäuschung

Kolumne: Seht her, der Euro!

VonThomas Schmitt

Greenspan hin, Greenspan her - die erste Börsenwoche im neuen Jahr war eine herbe Enttäuschung für Aktienfans. Am Mittwochabend sah es zwar kurz anders aus. Die Aktienmärkte feierten den US-Notenbankchef. Doch schon am Donnerstag verfielen die Märkte in den alten Trott. Die Euphorie nach der Zinssenkung in den USA erwies sich als Strohfeuer.

Doch Aktionäre sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht erweist sich die US-Zinssenkung in einigen Wochen als überaus bedeutsam - etwa so wie die gemeinsamen Interventionen der Notenbanken für den Euro. Kurz nach den ersten Eingriffen sah es dort auch so aus, als seien sie ein Fehlschlag. Der Euro rutschte sogar noch einmal auf ein neues Tief, bevor er endlich zu seinem Höhenflug ansetzte. Der Aufwärtstrend ist mittlerweile so stark, dass der Kurs auch die Greenspan-Delle mühelos wettmachte. Am Freitag notierte er den größten Teil des Tages über 0,95 US-Dollar. Wer hätte das am Mittwoch gedacht, als er nach dem US-Zinsschritt unter 0,93 Dollar gefallen war?

Der Trend ist im Moment der Freund des Euro. An den Aktienmärkten sieht es leider genau umgekehrt aus. Die Abwärtstrends sind noch sehr ausgeprägt. Wo sie enden, um in eine Seitwärtsbewegung zu münden, ist derzeit die entscheidende Frage. Beim Dax müssen auf dem Weg nach oben gleich zwei Hürden genommen werden. Die kurzfristige Schwelle liegt etwa bei 6 500 Punkten, die mittelfristige bei 6 900 Zählern. Als Absicherung nach unten dürften die 6 000 Punkte bedeutsam sein: Erstens weil die Marke rund ist und zweitens weil dort ein mittelfristiger Aufwärtstrend verläuft. Etwas besser sieht es beim Euro-Stoxx-50 aus. Hier gilt es den kurzfristigen Abwärtstrend zu brechen, der bei 4 850 Punkten verläuft. Als starke Unterstützung könnte sich 4 600 Punkte erweisen.

Wichtig ist in den nächsten Wochen, dass die Aktienmärkte langsam zur Ruhe kommen. Weitere Zinssenkungen der Notenbanken überall auf der Welt könnten vielleicht in den nächsten Monaten die Stimmungswende einleiten. Von einer Frühjahrsrally sollten Anleger aber lieber nicht träumen. Zu viele dieser Rally-Prognosen haben sich in letzter Zeit schon als falsch erwiesen.

Große Vorsicht ist auf alle Fälle auf den stark gebeutelten Märkten für Wachstumsaktien angebracht. Gerade dort möchte nun jeder am besten den Tiefpunkt der Kurse erwischen, um sich neu einzudecken. Unter den aktuellen Voraussetzungen ist dieser Punkt aber noch nicht auszumachen. Es ist zu früh dafür. Das Beispiel Euro zeigt, dass man Geduld haben muss. Die einzelnen Märkte müssen sich finden. Dafür brauchen sie und dafür nehmen sie sich Zeit. Gut für Anleger, die sich nun gründlich, vielleicht gründlicher als vorher, überlegen können, welche Aktien ein dauerhaftes Engagement lohnen.

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