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03.01.2002

19:40 Uhr

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Erste Euro-Fälschungen in Deutschland entdeckt

Am dritten Tag nach der Einführung des Euro-Bargeldes sind in Deutschland die ersten Fälschungen von Euro-Scheinen aufgetaucht.

Reuters DÜSSELDORF. Eine Spielhalle in Alzey habe einem Unbekannten eine gefälschte 500-Euro-Note in fast tausend Mark eingetauscht, teilte das Polizeipräsidium Mainz am Donnerstag mit. In Düren versuchte ein Mann mit der Fotokopie eines 20-Euro-Scheins an einer Tankstelle zu bezahlen. Eine gefälschte 50-Euro-Note fand ein Mädchen in einem Regionalzug zwischen Köln und Troisdorf. Weitere Euro-Fälschungen seien bislang nicht bekannt, teilte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mit.

Die Deutsche Bundesbank konnte die Qualität der Blüten noch nicht abschließend beurteilen, nach den bisher vorliegenden Informationen seien die Fälschungen aber sehr plump, sagte ein Sprecher. Die Bundesbank rief die Bevölkerung zugleich erneut dazu auf, sorgfältig auf die wichtigsten Sicherheitsmerkmale des neuen Bargeldes nach dem empfohlenen Vorgehen "Sehen, Kippen, Fühlen" zu achten. "Die sind fast alle so wie bei der D-Mark", sagte der Sprecher. Vor allem das Befühlen des Geldes ermögliche ein schnelles Entlarven von Falschgeld, denn auf den Noten seien die Konturen vieler abgedruckter Elemente zu ertasten, während Geldfälschungen häufig aus sehr glattem Papier seien.

Ein Sprecher der europäischen Polizeibehörde Europol sagte in Den Haag, bei den Falschgeldfunden in Deutschland handele es sich um isolierte Vorfälle. "Solche primitiven (Betrugs-) Versuche haben wir erwartet." Sie seien von geringer Bedeutung.

Der gefälschte 500-Euro-Schein sei aus zwei Hälften einer Abbildung aus einer Zeitungsbeilage zum Euro zusammengeklebt worden, sagte ein deutscher Polizeisprecher zum Alzeyer Betrugsfall. Die genarrte Spielhallen-Kassiererin habe ihren Chef noch gefragt, ob sie einen 500-Euro-Schein annehmen dürfe und dieser habe zugestimmt. Erst später sei dann die Fälschung erkannt worden. Der 25 bis 30 Jahre alte Mann habe so am Neujahrstag 977,71 Mark erbeutet und sei flüchtig. Erhalten hat er immerhin gut 20 Pfennig weniger als der genau umgerechnete Mark-Betrag. "Alle anderen Euro-Scheine waren in der Zeitung wohl kleiner abgebildet, nur der 500-Euro-Schein entsprach dem Original", vermutete eine Polizeisprecherin.

In Düren nahm die Polizei am Mittwochnachmittag einen 34-Jährigen vorläufig fest, der mit einem fotokopierten 20-Euro-Schein zwei Getränke an einer Tankstelle bezahlen wollte. Die Kassiererin bemerkte jedoch die Fälschung und alarmierte die Polizei. Gegen den Mann wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Die gefälschte 50-Euro-Banknote entdeckte ein Mädchen auf einer Heizung in einem Zugabteil. Da die Fälschung offensichtlich gewesen sei, habe ihre Mutter die Banknote noch am Mittwochnachmittag zur Polizei gebracht. Die Fälschung sei augenscheinlich gewesen, gleich mehrere Sicherheitsmerkmale hätten gefehlt, sagte ein Polizeisprecher.

Von weiteren Euro-Blüten war auch dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels nichts bekannt. Der Verband hatte im September vergangenen Jahres im Internet ein Frühwarnsystem eingerichtet, mit dessen Hilfe teilnehmende Händler vor Geldfälschungen gewarnt werden können. Bisher habe aber noch kein Händler gefälschte Euro-Scheine gemeldet, sagte eine Verbandssprecherin.

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