Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2000

07:34 Uhr

Erste inoffizielle Hochrechnungen

Chavez bei Präsidentenwahlen in Venezuela deutlich vorn

Präsident Hugo Chavez hat nach übereinstimmenden Hochrechnungen unabhängiger Meinungsforschungsinstitute die Präsidentschaftswahlen in Venezuela klar gewonnen.

dpa CARACAS. Präsident Hugo Chavez hat nach übereinstimmenden Hochrechnungen unabhängiger Meinungsforschungsinstitute die Präsidentschaftswahlen in Venezuela klar gewonnen. Der 45-jährige Linksnationalist und frühere Putschist komme auf rund 54 % der Stimmen, während sein gefährlichster Rivale Francisco Arias (49) nur 34 % erhalten habe, berichtete die Zeitung "El Nacional" am Sonntagabend (Ortszeit) kurz nach Schließung der Wahllokale in ihrer Webseite unter Berufung auf Meinungsforschungsinstitute.

Den Instituten nach liegen Bewerber der Chavez-Partei Movimiento V Republica (Bewegung 5. Republik) zudem bei den Gouverneurswahlen in 15 von 22 Bundesländern vorn. Elf Mill. Venezolaner waren außerdem nach der Verfassungsreform von Jahresanfang am Sonntag aufgerufen, den Kongress, die Landesparlamente und alle Bürgermeister neu zu wählen. Die Neuwahlen waren ursprünglich auf den 28. Mai angesetzt, wegen "organisatorischer Probleme" aber verschoben worden. Am Wahlsonntag wiesen nach amtlichen Angaben sechs Prozent der Wahlcomputer Probleme auf. Das könne die Stimmauszählung verzögern, hieß es.

Die Wahl-Mannschaft von Oppositionskandidat Francisco Arias (49) hatte vor den ersten unabhängigen Hochrechnungen eine für ihn vorteilhafte Zählung bekannt gegegeben. Arias habe nach einer eigenen Wählerbefragung 51 % der Stimmen erhalten und liege damit fünf Prozentpunkte vor Chavez, versicherte ein Sprecher des Kandidaten.

Der 45-jährige Chavez, der sich die Zeit am Wahltag unter anderem mit einem Baseball-Spiel vertrieb, spielte die Hochrechnung der Opposition allerdings sofort herunter. Nur die Ergebnisse der nationalen Wahlbehörde CNE seien von Bedeutung, sagte er.

Medien oder Meinungsforschungsinstitute dürfen in Venezuela vor ersten Ergebnissen der CNE eigentlich keine eigenen Hochrechnungen veröffentlichen. Der erste Bericht der CNE wird ein paar Stunden nach Schließung der Wahllokale erwartet.

Chavez ging als großer Favorit ins Rennen um die Präsidentschaft. Nach Umfragen wollten bis zu 60 % für den Ex-Oberstleutnant stimmen. Chavez erfreut sich trotz Wirtschaftskrise und wachsender Kriminalität vor allem bei den ärmeren Schichten großer Popularität.

Zusammen mit Arias hatte Chavez 1992 einen gescheiterten Putschversuch gegen die damalige demokratische Regierung von Carlos Andres Perez angeführt. Beide saßen danach knapp zwei Jahre hinter Gittern. Arias sagte sich erst vor wenigen Monaten politisch von Chavez los. Er wirft seinem früheren Gefährten einen autoritären Regierungsstil vor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×