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08.06.2000

11:46 Uhr

dpa BERLIN. Der ums Überleben kämpfende Papier- und Bürowarenhersteller Herlitz ist nach ersten Sanierungserfolgen mit Blick auf den Fortbestand des Konzerns zuversichtlich. Der seit Jahresanfang amtierende neue Vorstandschef Werner Eisenhardt sagte am Donnerstag auf der Hauptversammlung der Herlitz AG, die Lasten aus den Fehlern der Vergangenheit würden jetzt Zug um Zug bereinigt. Angesichts der Verlustsituation des Konzerns sei die Lage "viel schlimmer als sie mit Worten beschrieben werden kann". Sie sei aber nicht hoffnungslos.

Die jetzige Zuversicht gründe sich auf den Geschäftsverlauf bis Ende April. Das Konzernergebnis sei mit minus 28 Mill. DM (minus 14,28 Mill. Euro) um 3,1 Mill. DM besser als in der Vorjahresperiode. Damit liege man im Planungskorridor. Für 2000 werde nochmals ein Verlust zwischen zehn und 20 Mill. DM erwartet. 2001 müssten schwarze Zahlen erzielt und damit nach vier Verlustjahren das "rettende Ufer" erreicht werden. 1999 wies Herlitz bei einem Konzernumsatz von 1,108 Mrd DM einen Verlust von 89,8 Mill. DM aus.

Trotz der Situation des Traditionsunternehmens gab es auf der ruhig verlaufenden Aktionärsversammlung nur wenige Wortmeldungen. Ein Aktionärsvertreter bezeichnete Herlitz als "Europameister in Kapitalvernichtung." Die Aktie sei von einst 400 DM auf 22 DM gefallen. Eine Entlastung der Firmenspitze sei nicht angebracht, da man durch jahrelange Versprechungen getäuscht worden sei.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Friedrichsen sagte, vor einem Jahr habe man den Eindruck gehabt, die Sanierung zu schaffen. Durch die Entwicklung im zweiten Halbjahr sei das Ziel verfehlt worden. Die Entscheidungen seien richtig gewesen, aber nicht mit genügend Engagement umgesetzt worden. Der Vorstand habe geschwankt.

Eisenhardt sagte, es gehöre "sehr viel Mut und Zuversicht dazu, sich eine solche Aufgabe wie die Sanierung von Herlitz aufzuladen". Sein Vorgänger Karel de Vries war zu Jahresende 1999 zurückgetreten. Wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Geschäftspolitik schied Marketing- und Vertriebsvorstand Jürgen Schlebrowski Ende März dieses Jahres aus, Finanzvorstand Martin Kleinschmitt folgte Ende April. Zweiter Vorstand neben Eisenhardt ist seit 1. Mai Christian Supthut.

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