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17.01.2002

17:06 Uhr

Erste UMTS-Angebote im Herbst

"Aus D2 wird Vodafone"

Es geschah nicht über Nacht, aber jeder Schritt deutete darauf hin: Der Name D2 verschwindet (nahezu) komplett. Die nun offiziell lautende Vodafone D2 GmbH präsentiert im Rahmen ihrer Namensänderung die UMTS-Perspektiven für dieses Jahr.

"Die Zeiten nationaler Netzbetreiber sind vorbei. Mit Vodafone steigen wir aus der nationalen Liga auf in die Champions-League", so der Geschäftsführungs-Vorsitzende der Vodafone D2 GmbH, Jürgen von Kuczkowski. Selbst wenn von Kuczkowski mit dieser Aussage nicht, wie er nach Rückfrage betonte, den Tod sämtlicher rein nationaler Mobilfunk-Betreiber voraussagen will, steht für ihn eines fest: Ohne internationale strategische Partnerschaften wird heute kaum ein Anbieter bestehen können. Dies sei gerade im Rahmen des kostspieligen UMTS-Ausbaus zu sehen.

Um die globale Ausrichtung des Unternehmens Vodafone auch dem Konsumenten näher zu bringen, startet Vodafone jetzt die letzte Stufe der Marketing-Kampagne. Die Marke D2 wird jetzt endgültig durch Vodafone ausgetauscht. Bereits zur CeBIT präsentiert sich der Anbieter im komplett neuen (roten) Gewand. Der Schriftzug D2 werde allein "zur Orientierung" noch für eine gewisse Zeit dem Vodafone-Logo angehängt.

Millionenschwere Marketing-Kampagne

Die Namensumstellung lässt sich der Konzern etwas kosten: Ein zweistelliger Millionen-Betrag (Euro) sei insgesamt in die mehrstufige Werbe-Kampagne geflossen. Grund für diesen finanziellen Kraftakt ist nicht zuletzt die "emotionale Bindung" vieler Kunden an die Marke D2. Die finale Welle von TV-Spots sowie Zeitungs- und Magazin-Anzeigen startet jetzt. Slogan: "Die Welt wächst zusammen - aus D2 wird Vodafone".

Die Kunden-Vorteile einer Mitgliedschaft in der großen Vodafone-Familie liegen für von Kuczkowski auf der Hand: Eurocall mit einheitlichen Gesprächstarifen im europäischen Ausland sowie vereinheitlichte Kurzwahl-Nummern für Services wie Kundenbetreuung und Mailbox. Die Hoffnung, im weltweiten Vodafone-Netz zu Inlands-Tarifen telefonieren zu können, sollten sich Verbraucher allerdings abschminken. Auch innerhalb des Vodafone-Netzwerks ist ein Auslands-Gespräch teurer als ein Inlands-Gespräch.

UMTS-Start im Herbst geplant

Neben dem Namenstausch läuft natürlich der UMTS-Ausbau auf Höchsttouren. Nach der heutigen Planung fällt bei Vodafone im Herbst der kommerzielle Startschuss für das Mobilfunknetz der dritten Generation - wie beim Konkurrenten Mobilcom. Technische Probleme - beispielsweise auf der Endgeräte-Seite - könnten den Starttermin jedoch nach hinten verschieben, sagte der deutsche Vodafone-Chef. Er kenne bislang aber nur einen Handy-Hersteller, der nach eigener Aussage im Herbst noch keine UMTS-Geräte an den Start bringen kann. "Aber wir werden Handys haben", sicherte von Kuczkowski zu, "dem Kunden dürfen wir nur nicht versprechen, was wir nicht halten können".

Multimedia-Nachrichten, Handy-Spiele, ein eigenes mobiles Bezahl-System sowie standortbezogene Dienste sollen bei Vodafone den Grundstein für ein weiteres Standbein neben der Sprachkommunikation legen. Und damit es den mobilen Datendiensten nicht an attraktiven Inhalten fehlt, startet das Unternehmen jetzt auch in Deutschland das "Multi-Access-Portal" Vizzavi – ein Joint-Venture mit dem Medien-Konzern Vivendi Universal. Vizzavi wird somit zur Content-Marke für Vodafone in Deutschland und soll die Nutzer via Handy, Internet-PC sowie später auch via PDA und interaktives Fernsehen mit Spielen, News, Filmen oder Musik versorgen.

Noch vor einem Jahr getroffene Aussagen, Datendienste würden bald gleichberechtigte Umsatzträger neben der Sprachkommunikation sein, stehen heute nicht mehr zur Debatte. Die Sprachtelefonie bleibe auch mit UMTS der größte Umsatzträger. Heute liegt der Anteil der Daten- und Nachrichtendienste am Vodafone-D2-Umsatz bei rund 15 % - und dieser ist hauptsächlich den Kurzmitteilungen zu verdanken. Zielmarke in ein bis zwei Jahren sei ein Anteil von 20 %, dann aber auch mit Multimedia-Inhalten. Das UMTS-Geschäft wird eben ein Marathon-Lauf, für den die Anbieter einen langen Atem benötigen.

Kundenjagd steht nicht im Fokus

Mit der Abkehr von der margenzehrenden Handy-Subventionierung im vergangenen Jahr habe sich die Ertragslage der Gesellschaft sehr positiv entwickelt. Weitere Angaben etwa auch zum Umsatz wollte von Kuczkowski mit Blick auf das erst am 31. März endende Geschäftsjahr nicht machen.

Vodafone D2 hat nach von Kuczkowskis Worten derzeit knapp 22 Millionen Kunden, während die frühere Nummer Zwei T Deutschland-Mobile auf 23,1 Millionen kommt. Grund: Durch geringere Subventionen sank der Zahl der neuen Prepaid-Kunden bei Vodafone. Damit verbunden stieg die Netto-Kundenzahl im Geschäftsjahr 2001 auch nur um knapp eine Million. Allein in der Zeit vom 1. Januar 2001 bis zum 31. März 2001 hatte der Anbieter noch 1,6 Millionen neue Kunden gewonnen. Im Neugeschäft machen Prepaid-Verträge jetzt einen Anteil von 50 % aus, Anfang des vergangenen Jahres waren es 80 %.

Die eher bescheidenen Zuwachsraten im ablaufenden Vodafone-Geschäftsjahr hatte die Konzernführung nach von Kuczkowskis Aussage in Kauf genommen. Schließlich sei der Markt in Deutschland eh bereits zu 60 % gesättigt. Eine mit enormen Kosten verbundene aggressive Neukunden-Gewinnung mache da keinen Sinn mehr. Im Fokus stünden jetzt die wirtschaftliche Lage und neuen Technologien, betonte er.

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