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05.02.2001

09:28 Uhr

Erster Kurs lag bei 362 Euro

Deutsche Börse AG startet erfolgreich auf das Parkett

Die Aktien der Deutschen Börse AG sind mit einem Plus von 27 Euro gegenüber dem Ausgabepreis erstmals notiert worden. Nur ein Fünftel der Aktien ging an Privatinvestoren. Börsenchef Werner Seifert will neue Geschäftsfelder erschließen. Aktionärsschützer forderten das Unternehmen zu einer transparenten Informationspolitik auf.

Quelle: Handelsblatt

rsc/jgo FRANKFURT. Der erste Kurs der Deutschen Börse wurde in Frankfurt mit 362 Euro festgestellt - ein Plus von 27 Euro gegenüber dem Emissionspreis von 335 Euro, der am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne gelegen hatte. Die Aktie war 23-fach überzeichnet. Die Deutsche Börse AG konnte sich in einem schwierigen Marktumfeld behaupten: Der Deutsche Aktienindex (Dax) gab zur Eröffnung 30 Punkte ab.

Inklusive einer Mehrzuteilungsreserve ("Greenshoe") von 390 000 Aktien und weiteren 264 151 Papieren aus dem Besitz von Altaktionären wurden bis zu 3,2 Mill. Stücke verkauft. Dies entspricht einem Emissionsvolumen von rund 1,1 Mrd. Euro, von denen der Deutschen Börse etwa 980 Mill. Euro als Erlös zufließen. Nach dem Verkauf der Papiere liegen rund 27 % des Unternehmens in den Händen der neuen Aktionäre. Bislang gehörte die Deutsche Börse auuschließlich Banken, Regionalbörsen und Maklern.

Vorstandssprecher Werner G. Seifert kündigte in einer Pressekonferenz die Erschließung des europäischen Kassamarktes sowie eine kräftige Internationalisierung des Neuen Marktes an. Eurex solle die "Weltmarktführerschaft" durch eine Produktivoffensive sowie die Erweiterung des Kundennetzwerkes in den USA und nach Asien ausbauen, sagte Seifert.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt hatte Börsenchef Werner G. Seifert am 22. Januar angekündigt, das Unternehmen werde die aus dem Börsengang zufließenden Mittel nutzen, um das eigene Portfolio auszubauen. Er glaube allerdings nicht mehr daran, dass es mit der Londoner Börse noch zu einer Fusion unter gleichen kommen könne, hatte der Börsenchef gesagt. Im vergangenen Jahr war der Zusammenschluss der beiden Börsen zur Plattform iX gescheitert, nachdem sich die schwedische OM Gruppen mit einem Gegengebot in die Verhandlungen eingeschaltet hatte.

Entwicklung nicht ohne Risiken

Als Risiken für die eigene Entwicklung hatte die Börse in ihrem Börsenprospekt vor allem einen Rückgang des Handelsvolumens genannt. Zudem könne die Konkurrenz mit anderen Börsen und mit alternativen Handelssystemen einen Preisverfall bewirken. Zudem sei die Stellung der neuen Aktionäre vergleichsweise schwach. Auch nach dem Börsengang hielten die Altaktionäre bis zu 74,52 % der Anteile.



Aktionärsschützer fordern Transparenz

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will die weitere Entwicklung kritisch beobachten. Sprecherin Petra Krüll sagte Handelsblatt.com, die Aktien seien in erster Linie für institutionelle Anleger platziert worden. Es kamen bei der Zuteilung ca. 20 % Kleininvestoren zum Zug. "Da die Privatanleger auf der Prioritätenliste nicht weit oben rangieren, ist zu befürchten, dass sie schlechter über die weitere Entwicklung informiert werden", sagte Krüll. Diese Erfahrung habe die DSW in der Vergangenheit immer wieder machen müssen. Die Deutsche Börse AG müsse sicher stellen, dass dem nicht so sei. "Wir erwarten, dass die Deutsche Börse AG sich transparent zeigt, so, wie die Börse selbst das von anderen Unternehmen auch erwartet", unterstrich Krüll. "Wir hoffen, dass die Börse in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle übernimmt."

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