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06.03.2003

09:04 Uhr

Erstes Angebot für US-Ketten des niederländischen Einzelhandels-Konzerns

Investor erwägt Gebot für Aholds US-Geschäft

VonSusanne Bergius

Die Beteiligungsgesellschaft KKR will Berichten zufolge ein Gebot für drei US-Lebensmittelketten des Ahold-Konzerns abgeben. Ein Verkauf würde Aholds Schulden senken, gleichzeitig aber die Gewinne schmälern.

BRÜSSEL. Die weltgrößte Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) erwägt, für den US-Einzelhandelsbereich des angeschlagenen niederländischen Lebensmittelkonzerns Ahold N.V. ein Übernahmeangebot abzugeben. Unbestätigten Presse-Berichten zufolge interessiert sich KKR für die Lebensmittelketten Giant, Bi-Lo und Stop & Shop und hat bereits Gespräche mit Ahold aufgenommen. "Der Verkauf der drei Ketten könnte 4 Milliarden Euro einbringen", berechnete Robeco-Analyst Peter van der Lely.

Ein KKR-Sprecher wollte sich zu einem möglichen Einstieg bei Ahold nicht äußern. Allerdings kommen die Marktgerüchte nicht von ungefähr, denn die US-Investoren waren bis 1996 Eigentümer der Supermarkt-Kette. Der Handels-Konzern aus Zaandam, derzeit noch die Nummer Drei weltweit, nahm zu den Berichten keine Stellung.

Der Preis für die US-Geschäfte entspräche einem Viertel des aktuellen Unternehmenswertes - gemessen am aktuellen Ahold-Börsenwert inklusive des Schuldenbergs von 12,3 Mrd. Euro. Der Kurs der Ahold-Aktie war Anfang voriger Woche eingebrochen, nachdem Unregelmäßigkeiten bei einer US-Tochter, dem Lebensmittelgroßhändler US Foodservice, bekannt geworden waren. Daraufhin hatte die Unternehmensführung ihren Rücktritt erklärt. Die drei US-Ketten liefern etwa die Hälfte des Ahold-Betriebsgewinns. Sie erzielen trotz der Konjunkturschwäche und der starken Konkurrenz im Einzelhandel der USA relativ gute Gewinnmargen, sagten Robeco-Analyst van der Lely und sein ING-Kollege Fernand de Boer.

Ein potenzielles Kaufangebot für das US-Geschäft überrascht Analysten daher nicht. Ahold müsse auch große Betriebsteile verkaufen, um seinen Schuldenberg abzubauen, sagte van der Lely. Die Aktivitäten in Spanien, Asien, Südamerika, Osteuropa und die 50 % an der schwedischen ICA könnten bei einem Verkauf eventuell 2,5 Mrd. Euro einbringen, kalkuliert Ton van Oijen, Analyst von SNS Securities. Das reiche aber auf Dauer nicht aus.

Ahold muss in diesem Jahr 1,4 Mrd. Euro Schulden tilgen und 2005 eine Anleihe von stattlichen 3,5 Mrd. Euro. Zudem müssen die Niederländer kommendes Jahr die restlichen 50 % an der schwedischen ICA erwerben - falls sich kein anderer Käufer findet. Analysten schätzen den Kaufpreis auf 1 Mrd. Euro.

Der mögliche Verkauf der drei US-Töchter ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Für die Banken ABN Amro, Goldman Sachs, ING, JP Morgan und Rabobank böte ein gutes Angebot die Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen, das sie dem Konzern geliehen haben. Andererseits würde der Verkauf der großen Ketten den Konzerngewinn schmälern und damit Aholds Zukunft gefährden. Nur den Verkauf des Großhändlers US Foodservices könnte der Konzern ohne große Probleme verkraften.

Es ist insofern fraglich, ob die Kreditinstitute am Verkauf solch einer recht zuverlässigen Geldquelle interessiert sind. Das gilt vor allem für ING, die 7,4 % an Ahold hält. Nicht umsonst haben die Banken dem Konzern eine Kreditlinie von 3,1 Mrd. Euro eingeräumt. Sie wurde gestern festgezurrt, wie der Ahold-Aufsichtsratsvorsitzende Henny de Ruiter mitteilte. Sie gilt aber nur für ein Jahr.

Trotzdem äußerte sich de Ruiter "optimistisch" über die Zukunft des Unternehmens. Jetzt könne es sich der langfristigen Lösung der Probleme widmen.

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