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15.01.2002

15:32 Uhr

Erstflug des neuen Typs - Pilot zufrieden

Testpilot ging mit neuem Airbus A318 bis an die Grenze

Um 10.11 Uhr am Dienstag hob der jüngste Stolz der Airbus-Familie zum ersten Mal von der Erde ab: Der kleinste Airbus, der A318, schoss schneeweiß lackiert in die grauen Wolken über dem Werksgelände in Hamburg-Finkenwerder, begleitet vom Jubel mehrerer hundert Schaulustiger, die am Zaun den Start beobachteten. "Der Start lief perfekt", freute sich Airbus-Deutschlandchef Hans-Joachim Gante. Ein schneller Verkaufserfolg des A318 würde die Gefahr der Kurzarbeit in den deutschen Airbus-Werken verringern.

Der Airbus A318 rollt zur Startbahn. Foto: dpa

Der Airbus A318 rollt zur Startbahn. Foto: dpa

ap HAMBURG. Mit dem erfolgreichen Flug ist die Airbus-Familie bis auf den Riesenflieger A380 komplett. Praktisch alle Anforderungen der Airlines oberhalb von 100 Sitzen kann der europäische Flugzeugbauer liefern, kleinere Modelle sind nicht geplant. Wenn in zwei Jahren dann der A380 fliegt, kann Airbus in allen Segmenten dem großen Konkurrenten Boeing etwas entgegensetzen.

Schon im vergangenen Jahr habe Airbus in Stückzahl und Wert den Weltmarkt angeführt, sagte Firmenchef Noel Forgeard bei einer Feier in Halle 102, während Testpilot Bernd Schaefer das erste Modell der A318 über die Nordsee flog. Die A318 ist eine verkürzte Version der erfolgreichen A320 und kann in der Normalausführung 107 Passagiere befördern. Das Modell wird in Hamburg gebaut, wie auch schon die Schwestermodelle A319 und A321. Das zweistrahlige Flugzeug A318 hat den gleichen Rumpfquerschnitt wie die anderen Mitglieder der A320er-Familie, ist aber 2,37 Meter kürzer als die nächstgrößere A319. Wegen des relativ breiten Rumpfes sitzen die Passagiere nach Ansicht von Fachleuten bequemer als in anderen Flugzeugen dieser Größenklasse.

Ein Airbus-Sprecher schätzte den Weltmarkt in dieser 100-Sitzer genannten Klasse auf rund 1 900 Flugzeuge. 114 feste Bestellungen liegen bei Airbus vor, die Hauptkonkurrenten sind die Boeing-Modelle 717 und 737-600. Pilot Schaefer war nach der Landung begeistert: "Wir testeten den gesamten erlaubten Flugbereich von der niedrigsten zur höchsten Betriebsgeschwindigkeit aus." Die Spitzengeschwindigkeit betrug 984 Stundenkilometer.

Ideal für Zubringerflüge

Die A318 hat es wie alle Flugzeuge der A320-Familie ein elektronisches Cockpit mit dem sogenannten Fly-by-wire-System, das mechanische Ruderanlagen ersetzt hat. Das bedeutet, dass Piloten und Mechaniker den neuen Typ ohne große Einarbeitung fliegen und warten können, wenn sie auf einem anderen Modell der Familie geschult worden sind. Dies ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber älteren Konkurrenzmodellen von Boeing. Die A318 ist laut Airbus ideal für Strecken mit niedrigem Verkehrsaufkommen und hoher Frequenz, wie zum Beispiel Inlands- oder Zubringerflüge, oder Flüge nach Mallorca oder die Kanaren.

Airbus-Vorstandschef Noel Forgeard bezeichnete den Erstflug als "großartiges Ereignis". Der Vorstandschef der Airbus-Muttergesellschaft EADS, Rainer Hertrich, kündigte an, dass die A 318 der kleinste Airbus bleiben werde. Als nächste Premiere stehe nun der Jumbo A380 in zwei Jahren an. Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust kündigte eine bessere Verkehrsanbindung des abgelegen im Süden der Stadt angesiedelten Werkes an. In Hamburg arbeiten 30 000 Menschen in der Luftfahrtindustrie, allerdings hatte Airbus Ende vergangenes Jahr Kurzarbeit für einige Werke angekündigt. Die Länge der A318 beträgt 31,45 Meter, die Breite der Kabine 3,94 Meter und die Spannweite 34,10 Meter. Der Verkaufspreis liegt je nach Ausstattung bei 35 bis 40 Mill. Dollar.

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