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20.02.2002

19:00 Uhr

Erstmals seit 1995 rote Zahlen

Mercedes muss den Karren aus dem Dreck ziehen

Allein die angestammte Mercedes-Benz-Pkw-Sparte hat im vergangenen Jahr bei Daimler-Chrysler ordentlich verdient. Die hohen Betriebsverluste und milliardenschwere Sanierungskosten bei Chrysler, der US-Nutzfahrzeugsparte Freightliner und der Beteiligung Mitsubishi Motors haben den Konzern in die roten Zahlen gebracht.

ajo STUTTGART. Seit sechs Jahren fährt die Premium-Marke Mercedes-Benz von einem Absatz- und Ergebnisrekord zum anderen. Doch nicht einmal dieser Erfolg der deutschen Pkw-Sparte von Daimler-Chrysler kann die großen Schwierigkeiten kompensieren, mit denen der Konzern seit rund anderthalb Jahren insbesondere bei seiner US-Sparte Chrysler zu kämpfen hat.

Der Erfolg der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler 1998 währte nur kurz: Insbesondere der Betriebsverlust beim US-Autobauer von 2,2 Mrd. Euro und Sanierungsaufwendungen von mehr als 3 Mrd. Euro stürzten den Stuttgarter Konzern 2001 in die roten Zahlen. Hinzu kommen Verluste und Sanierungsaufwendungen bei der US-Lkw-Tochter Freightliner und der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors (MMC). Der Erfolg des von Konzerbnchef Jürgen Schrempp anvisierten Weltkonzerns ist damit in weite Ferne gerückt. Dennoch hält er daran fest: "Unsere Strategie setzt auf globale Präsenz". Chrysler sei ein "ganz wichtiger Baustein".

Nur ein geringer Trost für die Anleger ist es, dass Daimler seine im Februar vor einem Jahr angekündigten Ziele erreicht hat. Das Betriebsergebnis ohne Einmaleffekte liegt mit 1,35 Mrd. Euro innerhalb der angekündigten Bandbreite von 1,2 bis 1,7 Mrd. Euro.

So hat Dieter Zetsche, der im Herbst 2000 als Chrysler-Sanierer nach Detroit entsandt wurde, sein Ziel erreicht. Er hat den bereinigten Betriebsverlust auf 2,2 bis 2,6 Mrd. Euro begrenzt. Dies hat Zetsche geschafft, obwohl seit dem 11. September der Rabattkrieg unter den großen drei amerikanischen Autoherstellern Ford, General Motors und Chrysler noch heftiger tobt als vorher.

Zetsche ist trotz des verschlechterten Umfelds aber zuversichtlich, dass die angeschlagene US-Sparte das versprochene Ziel erreicht, 2002 wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Grund für das Festhalten am Gewinnziel: In den internen Planungen war er offensichtlich davon ausgegangen, schon dieses Jahr einen deutlichen Ertrag zu erzielen. So hat er einen Spielraum. Zudem hat er seinen Sparkurs seit September nochmals verschärft. Frank Biller, Analyst der BW-Bank, sieht Chrysler in puncto Kostenmanagment inzwischen deutlich weiter als die großen Konkurrenten GM und Ford. "Chrysler ist bereits sehr schlank und gestärkt", sagte er.

Zetsche hat aber außer dem Instrument des Sparens wenig Möglichkeit, die Entwicklung in diesem Jahr zu beeinflussen. Er muss noch mindestens bis 2003 eine Durststrecke überwinden, und kann sich, anbders als sein Mercedes-Benz-Kollege Jürgen Hubbert - nicht mit einer Vielzahl neuer Modelle vom Markt absetzen.

Hubbert will trotz rückläufiger Markterwartungen in diesem Jahr mindestens das Niveau von 2001 ereichen. Im vergangenen Jahr stieg das Spartenergebnis bereinigt um Effekte, die die Zahl von 2000 verzerren, um 3 %. Dies liegt allerdings leicht unter den Erwartungen der Analysten. Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank erklärt sich das mit den hohen Aufwendungen für die neue E-Klasse. Ein großer Erfolg war die neue C-Klasse. Erstmals verkauften Mercedes und Smart mehr als 1,1 Mill. Autos.

In diesem Jahr will Hubbert Marktanteile gewinnen. So steht die E-Klasse ab Frühjahr bei den Händlern, die S-Klasse wird geliftet, ein neuer CLK und das Topmodell Maybach kommen auf den Markt. Zudem litt die Sparte deutlich geringer unter Verlusten des Miniflitzers Smart, von dem rund 116 000 Stück verkauft wurden.

Doch nicht nur Chrysler bekastet den Konzern. Auch im Nutzfahrzeugbereich sind große Aufgaben zu lösen. In 2001 belasteten massive Probleme der US-Tochter Freightliner. Analysten vermuten, dass Freightliner 2001 einen Verlust von rund 800 Mill. Euro eingefahren hat.

Weniger im Focus ist das dritte Sorgenkind MMC. Der japanische Hersteller, an dem Daimler-Chrysler mit gut 37 % beteiligt ist, ist auf dem Weg der Erholung. Für das Geschäftsjahr 2001 (31. März), rechnet MMC nicht nur bereits mit einem positiven Betriebsergebnis. Trotz hoher Zinslasten zur Finanzierung der Schulden soll unter dem Strich ein ausgeglichener Ergebnis präsentiert werden, heißt es in Tokio. Neben massiven Kosteneinsparungen setzt auch MMC auf neue Modelle.

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