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31.01.2003

08:49 Uhr

Erstversicherer müssen höhere Prämien für die Weitergabe ihrer Risiken zahlen

Rückversicherer schauen genauer hin

VonFrank Wiebe

Die Branche der Rückversicherer steht unter Druck. Terrorattacken, Börsenbaisse und Asbest-Schäden reißen tiefe Löcher in die Kapitalbasis. Die Rückversicherer reagieren. Sie grenzen die Risiken, die sie übernehmen, genauer ein. Immer mehr Anbieter mit langjährigen Kundenbeziehungen wie Gerling ziehen sich zurück.

DÜSSELDORF. Es war ein Schock, als Gerling Ende November den Rückzug aus dem Rückversicherungsgeschäft ankündigte. Viele Kunden, die sich bei bei dem traditionsreichen Haus mit der Deutschen Bank als Großaktionär sicher fühlten, sahen sich plötzlich einer kleinen Abwicklungs-GmbH gegenüber. Einige suchten sich schnell neue Partner wie die DEVK, welche zuvor ihre Rückversicherung vollständig über Gerling abgewickelt hatte.

Die Branche, die "normalen" Versicherern einen Teil ihrer Risiken abnimmt, steht unter Druck. Die Terrorattacken, die Börsenbaisse und Asbest-Schäden reißen tiefe Löcher in die Kapitalbasis. Deshalb steigen die Prämien. Analyst William Hawkins von Fox-Pitt Kelton, sagt: "Wir erwarten 2003 weltweit einen Preisanstieg von rund zehn Prozent, nach ca. 15 % Prozent im Jahr 2002." Wilhelm Zeller, Chef der Hannover Rück, sagt sogar: "2003 wird ein sehr attraktives Jahr."

Der Rückversicherungsmarkt hat weltweit ein Volumen von rund 100 Mrd. Dollar. Mit einer Nettoprämie von 17 Mrd. Dollar gilt die Münchener vor der Schweizer Rück und zwei US- Konzernen als Marktführer. Aber auch die Allianz Holding gehört mit einem Volumen von geschätzt 3,2 Mrd. Dollar zu den Großen der Branche - sie betreibt das Geschäft allerdings nur für ihre Töchter.

Das Prämienvolumen ist jedoch eine zweifelhafte Kennzahl. Denn es gibt zwei Geschäftsmodelle: die proportionale Rückversicherung, bei der eine bestimmte Quote des Geschäfts übernommen wird , und die nicht-proportionale, wo der Rückversicherer bei bestimmten Schadenhöhen einspringt - dann aber voll. Bei der zweiten Variante übernimmt der Rückversicherer in guten Jahren keine Schäden, weil der Kunde sie allein schultern kann. Entsprechend sind die Prämien bei vergleichbarem Risiko und Ertrag viel niedriger; laut Arno Junke von der General Cologne Re (siehe Nachgefragt) liegen sie grob geschätzt bei einem Fünftel. In der angelsächsischen Welt herrscht diese Variante vor, in Kontinentaleuropa mit abnehmender Tendenz die erste Variante.

Der Markt verändert sich vor allem qualitativ: Risiken werden genauer ein- bzw. ausgegrenzt. Mit nicht-proportionalen Verträgen kann der Rückversicherer sein Risiko auch nach oben kappen, während er im traditionellen Geschäft im Rahmen seiner Quote unbegrenzt dabei ist. Dazu kommt der Versuch, Spätschäden dadurch auszuweichen, dass nur die jeweils in einem Jahr gemeldeten Ansprüche abgedeckt werden und nicht alle in diesem Jahr entstandenen, die ja - etwa im Pharma- oder Umweltbereich - möglicherweise erst sehr viel später sichtbar werden.

Die Struktur der Branche verändert sich ebenfalls: Anbieter mit langjährigen Kundenbeziehungen wie Gerling ziehen sich zurück oder schränken wie Axa ihr Geschäft ein. Dafür entstehen auf den Bermudas neue Anbieter mit einer stärkeren Ausrichtung auf kurzfristigen Erfolg.

Die Konsolidierung dürfte weitergehen - GE Global, Ableger von General Electric, gilt als Verkaufskandidat. Die Gerüchte über einen Zusammenschluss mit General Cologne Re reißen nicht ab. Diese Fusion würde ungeahntes Potenzial schaffen - wenn sie erfolgreich wäre.

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