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20.01.2002

19:00 Uhr

Ertragspolster fehlt

Banken müssen Risikovorsorge erhöhen

VonNicole Walter

Banker, Rating-Agenturen und Analysten befürchten eine steigende Risikovorsorge bei den Kreditinstituten. Den deutschen Banken fehlt das Ertragspolster in anderen Geschäftsfeldern, um die Probleme im Kreditgeschäft auszugleichen. Die Banken haben gelernt, Risiken besser zu managen.

FRANKFURT/M. Die dürftige Finanzlage bringt viele mittelständische Unternehmen in Bedrängnis, die Zahl der Insolvenzen steigt - das hat auch Auswirkungen auf die Kreditrisikovorsorge der Banken. Sam Theodore, bei der Rating-Agentur Moody?s verantwortlich für die europäischen Banken, geht daher davon aus, dass die Risikovorsorge deutscher Banken im laufenden Geschäftsjahr 2001 um mindestens 20 Prozent über dem Vorjahr liegen wird.

Auch in anderen europäischen Ländern würden die Banken von der schwachen Wirtschaftslage hart getroffen und müssten ihre Risikovorsorge erhöhen - doch im Gegensatz zu den deutschen Häusern haben sie laut Theodore ein dickeres Ertragspolster aus anderen Geschäftsfelder, um die Probleme im Kreditgeschäft auszugleichen. "Bei den deutschen Banken werden die Belastungen daher stärker sichtbar sein als bei ihren europäischen Wettbewerbern", sagt der Moody?s- Manager.

Niedrige Erträge vor Bewertung

Ähnlich wertet sein Kollege Stefan Best von der Rating-Agentur Standard & Poor?s die momentane Situation. Er prognostiziert einen Anstieg der Risikovorsorge bei den Großbanken von bis zu einem Drittel für das Jahr 2001 gegenüber dem Vorjahr. Das Problem der Banken sei aber weniger die Höhe der Risikovorsorge, denn vielmehr die niedrigen Erträge vor Bewertung. "Die Banken haben wenig zum Kompensieren", sagt Best. Er nennt mehrere Faktoren, die zu einer Erhöhung der Risikovorsorge führen werden: Das schwache Wirtschaftsumfeld, Probleme auf Immobilienmärkten und an der Börse.

Analysten sehen in dem erwarteten Anstieg der Risikovorsorge eine Belastung des Aktienkurses. So hat etwa die BHF-Bank die prognostizierten Risikovorsorgeaufwendungen um 20 bis 30 Prozent für dieses und das kommende Jahr heraufgesetzt. Den höchsten absoluten Wert veranschlagen sie für die Hypo-Vereinsbank. Auch die Analysten von Sal. Oppenheim prognostizieren für die vierzehn größten europäischen Banken einen Anstieg der Risikovorsorge. Während die Kennziffer "Nettozuführungen zur Risikovorsorge in Relation zum Kreditvolumen" im Jahr 2000 im Schnitt nur bei 42 Basispunkten gelegen habe, werde sie 2001 voraussichtlich 52 Basispunkte erreichen, im Folgejahr aber wieder auf 44 Basispunkte zurückgehen.

"Die Banken werden im vierten Quartal 2001 viele Altlasten verarbeiten, um den Weg frei zu machen für ein besseres Jahr 2002. Spätestens in der zweiten Hälfte diesen Jahres dürfte dann die wirtschaftliche Erholung einsetzen", sagt Sal. Oppenheim-Analyst Metehan Sen. Stärker noch als die Großbanken werden Sparkassen und Genossenschaftsbanken unter der Risikovorsorge leiden. "Einige Sparkassen werden mit faulen Krediten erhebliche Schwierigkeiten bekommen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele keine ausreichenden Erträge erzielen", sagt der für das Firmenkundengeschäft zuständige Vorstand einer Landesbank.

Niveau des Vorjahres

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) und der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) zeigen sich indes wesentlich optimistischer: Sie gehen von einer Risikovorsorge für das laufende Jahr auf dem Niveau des Vorjahres aus. Allerdings hatten gerade die Sparkassen im Geschäftsjahr 2000 ihre Risikovorsorge im Kredit- und Wertpapierbereich bereits deutlich angehoben: Sie stieg auf 0,45 % der durchschnittlichen Bilanzsumme nach 0,16 % im Jahr zuvor.

Doch einen Lichtblick gibt es für die Bankenbranche: Beobachter stellen fest, dass der Umgang in den Instituten mit den Risiken professioneller geworden ist. "Das Risikomanagement der Banken ist nicht perfekt, es gibt noch einiges zu tun", sagt Standard & Poor?s-Analyst Best. Aber: "Die Banken haben in den vergangenen Jahren schon deutlich dazugelernt." Heute könnten die Banken ihre Risiken besser preisen als in der Vergangenheit und besser mit den Risiken umgehen, betont auch der Sal. Oppenheim-Analyst Sen.

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