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04.02.2001

15:47 Uhr

Erwartung der HBV-Vorsitzenden

Verdi-Fusion soll im ersten Anlauf gelingen

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Margret Mönig-Raane, erwartet, dass der Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften zu Verdi wie geplant im März gelingen wird. Sie sei ziemlich sicher, das die erforderliche Delegiertenmehrheit auf dem Gründungskongress am 19. März in Berlin für die Fusion stimmen werde, sagte Mönig-Raane bei einer Tagung Ende vergangener Woche in Königstein.

Reuters KÖNIGSTEIN. Wenn das nötige Quorum dennoch verfehlt werden sollte, seien die Gewerkschaften entschlossen, es in einem zweiten Anlauf noch einmal zu versuchen. Einen dritten Versuch schloss Mönig-Raane aus.

Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), die Postgewerkschaft (DPG), die IG Medien und die HBV wollen sich zu der mit über drei Mill. Mitgliedern weltweit größten Einzelgewerkschaft zusammenschließen. Dafür haben alle fünf Fusionspartner auf außerordentlichen Gewerkschaftstagen und Bundeskongressen im Herbst die notwendigen Beschlüsse gefasst. Allerdings war dies bei der ÖTV erst im zweiten Anlauf gelungen. Zuvor war auf dem Gewerkschaftstag in Leipzig der Vorsitzende Herbert Mai zurückgetreten, weil er nicht die nötige Mehrheit für einen Verdi-Beitritt erhalten hatte. Auf dem ÖTV-Kongress hatte das Verdi-Projekt daher zeitweise auf der Kippe gestanden, bevor die Delegierten mit knapp 78 % doch noch das Signal für die Supergewerkschaft gaben. Seitdem führt Frank Bsirske die ÖTV, der auch den Vorsitz von Verdi übernehmen sollen.

Der ÖTV kommt als größter der beteiligten Organisationen eine wichtige Rolle zu, weil vor der Verdi-Gründung 80 % der Delegierten für die Auflösung ihrer Gewerkschaft stimmen müssen. Inzwischen hat sich zwar der Vorsitzende des einflussreichen ÖTV-Bezirks Nordrhein-Westfalen II, Hartmut Limbeck, an die Spitze der Verdi-Befürworter gesetzt. Auch in Bayern ist die Zahl der Gegenstimmen deutlich geringer geworden. "Es gibt aber auch welche, die neu verärgert sind", sagte Mönig-Raane mit Blick auf die Neuaufteilung der Tarifbezirke. Weiterhin als Verdi-Gegner gilt der ÖTV-Bezirk Sachsen-Anhalt.

Zusammenschluss kann immer noch scheitern

Mönig-Raane, die im Verdi-Vorstand das Tarifressort leiten soll, räumte ein, dass der Zusammenschluss der Dienstleistungsgewerkschaften immer noch scheitern könnte. Sie appellierte an die Kritiker, Verdi nicht mehr daran scheitern zu lassen, "dass Müller, Meier und Kunz ihre Position verlieren, sondern ihren Frust zurückstecken".

Als durchaus riskant gilt außerdem die Hürde für einen Selbstauflösungsbeschluss von 80 % der gewählten Delegierten. Schon die bei Kongressen übliche Abwesenheitsquote von fünf Prozent könnte das Verdi-Projekt in Bedrängnis bringen, wenn nicht schnell genug Ersatzdelegierte heran telefoniert werden. "Lass doch nur mal eine Grippe-Welle wie zurzeit grassieren", schilderte ein DAG-Gewerkschafter sein Befürchtungen. Der Beschluss im März könnte dann äußerst knapp ausfallen.

Für den Fall, dass die erforderliche Mehrheit verfehlt werden sollte, gibt es bereits Überlegungen, es dann innerhalb kurzer Zeit noch einmal zu versuchen. "Wenn wirklich etwas schief gehen sollte, sind wir entschlossen, einen zweiten Anlauf zu machen," sagte Mönig-Raane. Allerdings könnte ein Scheitern in Berlin dazu führen, dass sich die fünf Gewerkschaften einen neuen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende für Verdi suchen müssen. Bsirske will den Vorsitz wohl nur antreten, wenn der Zusammenschluss gleich beim ersten Versuch gelingt.

Dem eigentlichen Gründungskongress vom 19. bis 21. März in Berlin gehen fünf Gewerkschaftstage der Fusionspartner voraus, auf denen die Einzelorganisationen ihre Auflösung beschließen wollen. Den Auftakt dafür soll am 16. März die ÖTV machen, der sich am 17. März die anderen vier Gewerkschaften anschließen.

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