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11.03.2003

10:20 Uhr

Erwartungen der Analysten übertroffen

OMV kürzt nach Umsatzrückgang die Dividende

Der österreichische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV AG hat mit seinem Ergebnis 2002 die Erwartungen von Analysten übertroffen und sieht 2003 eine Verbesserung des Konzernüberschusses. Die Dividende für 2002 soll auf 3,50 (4,30) Euro je Aktie gekürzt werden, teilte OMV am Dienstag ad-hoc mit.

Reuters WIEN. Die nach österreichischen Handelsrecht bilanzierende OMV hat nach eigenen Angaben 2002 bei einem um acht Prozent niedrigeren Konzernumsatz von 7079,40 (7736,38) Millionen Euro ein um 19 Prozent geringeres Betriebsergebnis (Ebit) von 494,76 (609,65) Millionen Euro erzielt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (Egt) wurde von OMV mit 473,87 (569,71) Millionen Euro genannt. Der Jahresübeschuss sei um 16 Prozent auf 322,19 (381,65) Millionen Euro zurück gegangen.

Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit wurde mit 581 (786) Millionen Euro angegeben. Der Return on Average Capital Employed (ROACE) habe auf elf (14) Prozent abgenommen. Das clean Ebit (Ebit vor Sondereffekten) nannte OMV mit 502,29 (702,27) Millionen Euro.

OMV liegen mit dem Ergebnis über den Schätzungen von Analysten, die den Jahresüberschuss im Mittel bei 298,40 Millionen Euro und das Ebit mit 456,87 Millionen Euro erwartet hatten. OMV rechnet 2003 mit einem höheren Konzernbetriebsergebnis (Ebit) und einem höheren Konzernüberschuss. "Insgesamt erwarten wir für das Gesamtjahr 2003 aus heutiger Sicht einen höheren Betriebserfolg und Jahresüberschuss", wird OMV-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Ruttenstorfer in der OMV-Aussendung am Dienstag zitiert.

Ruttenstorfer kündigte auch eine Fortsetzung der OMV-Investitionen an: "Zum Jahresbeginn 2002 haben wir ein Investitionsbudget von rund 2,7 Millionen Euro bis 2004 bekannt gegeben, das auf die Verdoppelung des Konzerngeschäftes bis 2008 abzielt. Die kürzlich getätigten Investitionen dokumentieren unsere klare Intention, dieses Ziel zu erreichen. Das Investitionsbudget der folgenden Jahre wird sich daher in einem ähnlichen Rahmen bewegen." OMV hatte im Jänner und Februar 2003 die beiden bislang größten Akquisitionen der Unternehmensgeschichte getätigt. Insgesamt wurden 677 Millionen Euro investiert.

Nach Einschätzung der OMV werden wichtige Konzern-Parameter wie Erdöl- und Gaspreise, Raffineriemargen sowie Wechselkurse 2003 durch besonders große Volatilitäten geprägt sein. Der Konzern rechnet bei Rohöl mit einer vergleichbaren Preislandschaft wie 2002. Demgegenüber stehe die schwache Entwicklung des Dollar-Wechselkurses.

Die Ausweitung des Marketing-Geschäfts werde sich auch 2003 fortsetzen. Im Raffineriegeschäft erwartet die OMV eine Margenverbesserung gegenüber 2002. Die Akquisition des internationalen Explorations & Produktions (E&P)-Geschäfts der Preussag Energie GmbH werde sich 2003 mit einer zusätzlichen Tagesproduktionsmenge von rund 20 000 Barrel Öläquivalent (bbe) auswirken und wesentlich zum Erreichen der Wachstumsziele beitragen.

Der Geschäftsbereich Erdgas werde sich durch die zu Jahresbeginn umgesetzte neue Gesellschaftsstruktur verändern. Durch die Deregulierung des österreichischen Gastransportmarktes müsse mit Ebit-Einbußen gerechnet werden. Im Bereich Chemie sei trotz schwieriger Umfeldbedingungen ein ähnliches Ergebnis wie im abgelaufenen Geschäftsjahr absehbar.

2002 habe der Bereichsumsatz Refining & Marketing (R&M) um zwölf Prozent auf 4,9 Milliarden Euro abgenommen, das Ebit um 44 Prozent auf 125 Millionen Euro. Der Raffinerieabsatz sei mit rund 11,7 Millionen Tonnen - davon 8,5 Millionen Tonnen aus der Raffinerie Schwechat - nahezu konstant geblieben, der deutliche Verfall der Verkaufspreise sei aber durch einen höheren Absatz in Marketing nicht wettgemacht worden.

Verschärft wurde diese Entwicklung durch einen starken Verfall der Bulk-Raffineriemargen: Sie sanken von 1,90 Dollar je Barrel (USD/bbl) 2001 um 54 Prozent auf 0,88 USD/bbl 2002, zeigten jedoch im Laufe des Jahres einen Aufwärtstrend. Der Marketingabsatz habe um rund drei Prozent auf knapp acht Millionen Tonnen zugenommen. Das OMV-Tankstellennetz sei 2002 um 72 auf 1232 Stationen gewachsen - 106 Zugängen standen 34 Schließungen gegenüber.

Der Bereich R&M habe 2002 entsprechend der Wachstumsstrategie mehrere Akquisitionen durchgeführt, unter anderem 25,1 Prozent an der Rompetrol Group, dem größten privaten Ölunternehmen Rumäniens, sowie Tankstellenetze in Deutschland und Tschechien.

Im Bereich Exploration und Produktion (E&P) sei der Umsatz um vier Prozent auf rund 734 Millionen Euro gesunken. Ausschlaggebend dafür waren laut OMV ein signifikant niedrigerer Gaspreis und der schwache Dollar. Der durchschnittlich realisierte Rohölpreis blieb mit knapp 24 Dollar/bbl nahezu konstant. Das Ebit ging um sechs Prozent auf rund 256 Millionen Euro zurück. Die Produktion sei 2002 um sieben Prozent erhöht worden. Die Produktionskosten erhöhten sich aufgrund des gestiegenen Dollar-Euro-Wechselkurses, so OMV.

Die Gesamtproduktion von Erdöl, NGL (Natural Gas Liquids) und Erdgas stieg 2002 um sieben Prozent auf 30,4 Millionen boe. bzw. eine durchschnittliche Tagesproduktion von rund 83 000 boe (2001: 78 000 boe/d). Ein leichter Rückgang bei der Ölförderung sei durch eine um 25 Prozent auf 1,75 Mrd Kubikmeter gestiegene Gasproduktion mehr als kompensiert worden. Dazu trugen hauptsächlich das pakistanische Erdgasfeld Miano sowie die Felder Jade und Skene in Großbritannien bei. Die Gasproduktion in Australien/Neuseeland stieg durch die Akquisition von zehn Prozent am Feld Maui, dem größten produzierenden Erdgasfeld Neuseelands.

Der Bereichsumsatz für Erdgas sei 2002 um drei Prozent auf rund 1,48 (1,44) Milliarden Euro gestiegen, das Ebit um vier Prozent auf 115 (111) Millionen Euro. Der niedrigere Gaspreis sei durch eine um fünf Prozent höhere Verkaufsmenge von 6,7 Milliarden Kubikmeter kompensiert worden. Die verkaufte Transportkapazität sei auf fast 1,39 Milliarden Kubikmeter je Stunde und Kilometer (m³/h/km) gegenüber 1,33 Mrd m³/h/km zum Jahresende 2001 gestiegen. Die erweiterten Kapazitäten der Trans-Austria-Gasleitung (TAG) und höhere verkaufte Transportkapazitäten auf der SOL- und der PENTA West-Pipeline trugen zu diesem Ergebnis bei.

Im Bereich Chemie habe OMV eine Umsatzsteigerung um sieben Prozent auf 469 Millionen Euro erzielt. Das Ebit sei um zwölf Prozent auf 43 Millionen Euro gesunken. Die Erlöse bei Melamin stiegen laut OMV aufgrund der um 51 Prozent höheren Absatzmengen gegenüber 2001.

OMV notierten zuletzt bei 101,99 (102,00). Die Aktie hat damit seit Jahresbeginn knapp neun Prozent an Wert gewonnen. Der ATX hat seitdem 1,3 Prozent verloren.

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