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30.01.2008

19:59 Uhr

„Es ist Zeit für mich, zur Seite zu treten.“

Edwards gibt auf

Das kam früher als erwartet: Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber John Edwards zieht seine Kandidatur zurück. Seine Entscheidung dürfte nicht ohne Auswirkungen auf das Duell Clinton-Obama bleiben.

Überlässt Clinton und Obama das Feld: der demokratische Präsidentschaftskandidat John Edwards. Foto: Reuters

Überlässt Clinton und Obama das Feld: der demokratische Präsidentschaftskandidat John Edwards. Foto: Reuters

HB DENVER. Der Demokrat John Edwards hat seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur zurückgezogen. Sein Wahlkampfbüro in Washington bestätigte den Ausstieg. Später sagte Edwards selbst in New Orleans: „Es ist Zeit für mich, zur Seite zu treten.“

Der ehemalige Vertreter von North Carolina im Kongress lag nach den ersten Vorwahlen deutlich hinter seinen Parteikollegen Hillary Clinton und Barack Obama an dritter Stelle.

Edwards setzte sich im Wahlkampf für eine Änderung der Besteuerung von Armen und Reichen ein. Aus dem Irak wollte er sofort ein Drittel der Truppen nach Hause holen, gefolgt von einem weiteren gestaffelten Abzug. Edwards war bereits 2004 als Vizepräsidentschaftskandidat an der Seite von John Kerry vergebens gegen die Republikaner George W. Bush und Dick Cheney angetreten, die erfolgreich um eine Wiederwahl warben.

Bei den Demokraten läuft der Vorwahlkampf damit auf ein Duell zwischen Clinton und Obama hinaus. Edwards gilt jedoch als Kandidat für eine Vizepräsidentschaft an der Seite des Siegers.

Welcher der beiden Spitzenkandidaten der Demokraten vom Edwards-Rückzug am meisten profitieren kann, lässt sich noch schwer voraussagen. „Obama könnte sich nun in den nördlichen Staaten einen Vorsprung verschaffen, wo sich die Liberalen nicht mit Hillary Clinton anfreunden können“, heißt es auf der US-Site » „RealClearPolitics“ . Doch auch Clinton könne der frühe Verzicht Edwards helfen. Denn „Obama ist es bislang nicht gelungen, die Gewerkschaften zu überzeugen, während Clinton und Edwards bereits zahlreiche große Arbeitnehmervereinigungen für sich gewinnen konnten“.

Und wen unterstützt Edwards selbst nun? Kommentatoren im US-Fernsehen wagten zunächst nur folgende Prognose: „Auf alle Fälle nicht Hillary Clinton.“ Die Gattin des Ex-Präsidenten „symbolisiert genau das,was Edwards bekämpft“. Das „alte Washington“, das viel zu eng mit den Lobbies „turtelt“, das sich durch Spendengelder der Unternehmen gefügig machen lässt und darüber die Menschen auf der Schattenseite aus den Augen verliert. Nur: Ob das bedeutet, dass Edwards den schwarzen Senator Obama unterstützt, ist noch nicht sicher.

Noch stehen die Chancen sowohl für Clinton als auch für Obama gut. Mit Spannung wird so auch der „Super Tuesday“ in der kommenden Woche erwartet. Dann wird in mehr als 20 Bundesstaaten gleichzeitig gewählt. Manche Beobachter malen bereits das Schreckgespenst an die Wand, dass sich an diesem 5. Februar noch kein Kandidat herausschält. Die „Washington Post“ spricht gar von der „Möglichkeit, dass sich der Konflikt bis März oder gar April hinzieht“.

Für Wahlstrategen bedeutet dies schlichtweg ein Alptraum - sie fürchten unter anderem, es könne ihnen das Geld ausgehen. Umfragen zufolge liegt Hillary Clinton zwar in den bevölkerungsreichen Staaten wie Kalifornien und New York vorn - doch Umfragen haben sich bei diesen erbitterten Vorwahlen schon des öfteren als wenig korrekt erwiesen.

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