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21.01.2002

07:15 Uhr

„Es wächst zusammen, was zusammen gehört“

Totale Konvergenz – Wunsch oder Wirklichkeit?

VonFrank Niebisch (Redakteur Technologie + Medien DMEuro.com)

Konvergenz heißt das Schlagwort der IT-Industrie. Handy, Pocket-PC, MP3-Player und Digitalkamera sollen - so die kühne Prophezeiung der Unternehmen - generell zu einem Gerät verschmelzen. Ist das nun frommer Wunsch oder wird das bald Wirklichkeit?

"Es wächst zusammen, was zusammen gehört", sagte Willy Brandt am 10. November 1989 vor dem Berliner Rathaus Schöneberg. Zehntausende bejubelten die Rede des damaligen SPD-Chefs. Seine Botschaft war jedoch nicht die totale Verschmelzung - oder eben Konvergenz - digitaler Plattformen. Nein, Brandt befasste sich mit einer ganz anderen Revolution.

Heute können wir sehen, wie Ost- und West-Deutschland langsam aber sicher zusammen wachsen. Was aber die digitale Welt betrifft, kann eine vollständige Verbindung aller Technologien zu einem einzigen Produkt bezweifelt werden - zumindest was den Massen-Markt betrifft. Zu vielfältig die Ansprüche, zu preisbewusst die Nutzer. Aus technischer Sicht ist die totale Konvergenz das geringste Problem.

Natürlich, auch das Durchschnitts-Handy wird mehr und mehr Funktionen übernehmen, die bislang klassischen Organizern und Palm-Computern vorbehalten sind. Alles wird multimedialer: Terminkalender, Weckruf sowie Bild- und Ton-Mitteilungen sind bald in jedes Handy integriert. Trotzdem wird nicht jedes Mobiltelefon ein vollständiger Taschen-PC sein - das würde dem Diktat der Miniaturisierung widersprechen. Diesbezüglich wird sich auch in der nahen UMTS-Zukunft nichts ändern.

Business-Anwender benötigen ein Display, das mindestens die Größe eines Palm - oder Windows-CE-PDAs hat. Nur so kann sinnvoll mit einer Stift-basierten Texteingabe gearbeitet werden. Dadurch ist die Mindestabmessung einer Symbiose aus Telefon und PDA aber vorgegeben. Heutige Palms oder Pocket-PCs geben schon sehr genau ein Bild davon, wie groß Endgeräte sein müssen, mit denen Business-Anwendungen wie Datenbank-Abfragen, Tabellen-Kalkulation, etc. sinnvoll genutzt werden können. Diese Geräte sind mindesten doppelt so groß wie heutige Mobiltelefone.

Erste Geräte, die PDA und Handy für Business-User sinnvoll kombinieren, wurden bereits auf der vergangenen CeBIT vorgestellt. Beispiele hierfür sind Trium Mondo, Viag Interkom O2 xda, Siemens SX-45 sowie Handspring Treo oder Palm-Handhelds mit GSM-Telefon-Erweiterung. Einzige Schwachstelle dieser Geräte ist bislang die Daten-Bandbreite. Mit GPRS und demnächst UMTS wird aber auch dieses Problem gelöst.

Der allgemeine Trend scheint in eine andere Richtung zu gehen: Das Handy bekommt immer mehr Entertainment-Elemente, vom herunterladbaren Handy-Spiel über animierte multimediale Nachrichten bis zum Musik-, Foto- und Video-Funktionen. Es behält jedoch seinen heute üblichen handlichen Formfaktor. Nach dem Motto "m-Fun" (mobile-Fun) werden diese Features wohl als erstes den mobilen Commerce antreiben und sich somit auch in der Ausstattung der Endgeräte niederschlagen. MP3-Player und Radios werden jetzt schon in viele Mobiltelefone integriert. Die Möglichkeit, Videos und Bildnachrichten anzuzeigen, folgt spätestens im nächsten Jahr.

Eines könnte uns das Streben nach Konvergenz auf jeden Fall bringen: Eine Harmonisierung der Schnittstellen zwischen Handy, Computer, PDA, Digitalkamera oder gar TV und Haushaltsgeräten. Dies bedeutet, dass Nutzer mit dem Handy ihr Outlook-Postfach abrufen, Datenbanken abfragen, Bilder von der Digitalkamera empfangen, digitalisierte Haushaltsgeräte steuern oder via Bluetooth an Kassen und Automaten bezahlen können. Das dominante Thema ist damit nicht totale Konvergenz, sondern die totale Vernetzung ...

Schreiben Sie dem Autor: f.niebisch@vhb.de

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