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12.06.2000

16:48 Uhr

Es zeichnet sich mehr und mehr ein Generationenkonflikt ab

NRW soll führend für europäische Internetwirtschaft werden

Nordrhein-Westfalen erfüllt die Voraussetzungen, um zur führenden Region für Internetwirtschaft zu werden. So glaubt zumindest das Forschungsinstitut für Telekommunikation.

adx DORTMUND. Nordrhein-Westfalen soll zur führenden Region für die Internetwirtschaft in Europa werden. Das Land besitze dafür mit seiner Unternehmenslandschaft, seiner Infrastruktur und mit seiner "Internetkultur" ausgezeichnete Voraussetzungen, sagte der Internet-Experte Kurt Monse am Pfingstwochenende in Dortmund.

Als Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Telekommunikation (FTK) hat Monse für die Landesinitiative "media NRW" einen Masterplan für die Internetwirtschaft (eNRW) erarbeitet. Der Plan sieht die strategische Entwicklung in allen Facetten vor: Von der finanziellen Förderung von Internetfirmen über Softwareentwicklung bis hin zur Qualifizierung von Fachleuten in der Informationstechnologie (IT).

"Wir haben allen Grund dazu, ein wenig unbescheiden an die Entwicklung heranzugehen", meint Monse. Das Land sei schon lange der führende deutsche Standort für Medien- und Telekommunikation. Die großen Player in NRW wie Bertelsmann, die Telekom AG oder RTL setzten ohnehin massiv auf das Internet. Um NRW zum "Gateway to Europe" aufzubauen, kooperiere das Land bereits mit Partnern aus aller Welt, um für den Standort zu werben und Ansiedlungen in NRW voranzutreiben. "Besonders intensive Gespräche" führten die Landesvertreter in den USA. Die Aussichten für amerikanische Firmen am Standort NRW stünden sehr gut, versichert Monse.

Die sogenannten Dot-Coms - die reinen Internetunternehmen - sind nach Monses Einschätzung in NRW schon sehr stark vertreten und im Wachstum begriffen. Zudem hätten sich in den letzten Jahren in Köln, Dortmund sowie Düsseldorf internationale Zentren der Internet Economy entwickelt, bilanziert der Experte.

Auch traditionelle Geschäftsbereiche können vom Internet-Boom profitieren

Einen positiven Ausblick gibt er auch für Unternehmen der "Old Economy" - dem gewaltigen Wirtschaftsbereich mit allen Firmen, die keine reinen Internetunternehmen sind. Diese hätten große Chancen in der New Economy, weil sie auf ihre eingeführten Marken, Kunden- und Lieferantenbeziehungen aufbauen könnten.

Aber die New Economy habe ihre eigenen Spielregeln, die tiefgreifende Veränderungen mit sich brächten, warnt Monse. Gesamte Prozessketten vom Lieferanten bis zum Endkunden etwa würden elektronisch abgebildet. Viele Firmen fühlten sich damit noch überfordert, weiß er zu berichten.

Das zeige sich ganz deutlich an der Geschwindigkeit, mit der auch die meisten NRW-Unternehmen ins Internet gingen. "Viele Chefs in Deutschland sind zu zurückhaltend, besonders in den mittelständischen Betrieben", beklagt der Internet-Experte. "Sie warten zu sehr ab und laufen so Gefahr, die ganze Entwicklung zu verschlafen", prognostiziert Monse.

Generationsproblem wird offenbar

In der Internetwirtschaft zeige sich ganz deutlich, dass das gesamte deutsche Managegement mit einem Generationsproblem zu kämpfen habe, erklärt er. Die meisten Führungsposten in allen Branchen würden von Managern der alten Garde besetzt, die sich nicht so richtig an die neue Technologie herantrauten.

Schnell reagieren und in die Internetwirtschaft einsteigen sollten in den Augen des Experten Branchen wie der Einzelhandel, dem durch den elektronischen Verkauf von Büchern und CDs im Internet bereits jetzt das Wasser abgegraben werde. Einer düsteren Zukunft sehen laut Monse auch Reisebüros und Banken entgegen, es sei denn, "die Firmen springen auf den Zug auf - nur schnell muss es gehen", sagt Monse.

Weitere Informationen: media.nrw.de oder ecin.de.

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