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02.05.2003

16:00 Uhr

EU-Gesundheitsminister beraten über SARS

SARS hätte verheerende Folgen für Afrika

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor einer Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS nach Afrika gewarnt. Wegen des nicht ausreichend funktionierenden Gesundheitssystems könne es Masseninfizierungen wie beim Aids-Virus geben. In Peking scheint die Krankheit unterdessen ihren Höhepunkt erreicht zu haben. In Europa wollen sich die EU-Gesundheitsminister am Dienstag mit SARS befassen.

Foto: dpa

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HB/dpa/vwd Genf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht es derzeit als wichtigste Aufgabe der Internationalen Gemeinschaft, eine Ausbreitung von SARS in Länder ohne ausreichend funktionierendes Gesundheitssystem zu verhindern. "Wenn SARS in ein solches Land, etwa in Afrika, eindringt, dann könnte das verheerende Folgen habe", sagte eine WHO-Sprecherin in Genf. SARS könnte dann zu einer Masseninfizierung führen, so wie dies bereits mit dem Aids-Virus in Afrika geschehen sei, hieß es. Die WHO hatte bis zum Donnerstagabend weltweit 391 SARS-Todesfälle und 5 865 mit der Lungenkrankheit Infizierte registriert.

In Chinas Haupstadt Peking gehen die Gesundheitsbehörden von einem langen Kampf gegen die Lungenkrankheit aus. Der Höhepunkt sei noch keineswegs überschritten. Der täglich starke Anstieg um durchschnittlich 100 Patienten werde "noch einige Zeit" anhalten. Innerhalb eines Tages nahm die Zahl der neuen Erkrankungen in Peking wieder um 96 zu, wie das Gesundheitsministerium am Freitag meldete. Insgesamt kamen landesweit (ohne Hongkong) 176 neue Patienten und 11 Todesfälle hinzu, davon 9 in Peking.

1 636 Patienten in Peking

Die Bekämpfung des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) in der Welt hängt nach Angaben der WHO "jetzt stark davon ab, ob die Krankheit in China unter Kontrolle gebracht werden kann". Die nächsten Monate würden sich als entscheidend für den Versuch erweisen, SARS weltweit einzudämmen, hieß es. Mit insgesamt 1 636 Patienten hat das schwer betroffene Peking nun sogar Guangdong überholt. In der Südprovinz, wo das Virus vor sechs Monaten aufgetaucht war, hatte die Krankheit im Februar ihren Höhepunkt erreicht. Von dort hat sich das Virus in China, nach Hongkong und in 28 Länder ausgebreitet.

So auch in Taiwan, wo die Zahl der Erkrankungen gestern auf 100 von 98 stieg. Wie die Regierung mitteilte, erhöhte sich die Anzahl der Todesopfer auf acht. Sie gab einen Fonds frei, aus dem unter anderem Subventionen und Steuernachlässe für Fluglinien und die Tourismuswirtschaft finanziert werden sollen. In Hongkong wurden elf neue Fälle von SARS bekannt, die gleiche Zahl von Neuerkrankungen wie am Vortag. Wie die Regierung weiter mitteilte, erhöhte sich die Zahl der Erkrankten damit auf 1 611. Die Zahl der SARS-Opfer erhöhte sich am Donnerstag um acht auf 170. Ein Arzt aus Hongkong teilte mit. dass als geheilt geltende Patienten möglicherweise weiterhin ansteckend sind. Der Erreger der Lungenkrankheit im Urin und Stuhl von Patienten nachgewiesen worden, die bereits vor einem Monat aus dem Krankenhaus entlassen worden waren.

Befragung in Tschechien

Singapur dagegen hat nach Angaben seines Ministerpräsidenten Goh Chok Tong die Lungenkrankheit unter Kontrolle. Allerdings herrsche immer noch Angst vor der Krankheit, da die harten Regierungsmaßnahmen teilweise als Hinweis darauf gedeutet worden seien, dass SARS in Singapur außer Kontrolle geraten sei. In dem Stadtstaat sind bisher 25 Menschen an SARS gestorben, 200 gelten als erkrankt und 3 000 stehen unter Quarantäne.

In Prag wurde unterdessen bekannt, dass wegen der Lungenkrankheit Flugreisende nach Tschechien demnächst nach ihrer Landung einen umfassenden Fragebogen ausfüllen. Darin müsse jeder Reisende detaillierte Angaben über seine Reiseroute und gegebenenfalls über seinen Aufenthaltsort in Tschechien machen. "Falls bei einem Passagier später die Krankheit ausbrechen sollte, müssen wir genau feststellen können, wo sich seine Mitreisenden aufhalten", hieß es im Gesundheitsministerium. Tschechien hat noch keinen SARS-Fall an die WHO melden müssen. In Polen wurde derweil der erste SARS-Verdachtsfall registriert.

Die Gesundheitsminister der Europäischen Union sollen sich am Dienstag mit Fragen im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Lungenkrankheit befassen. Wie ein Sprecher der Europäischen Kommission sagte, sei die Initiative von Frankreich und Italien ausgegangen, woraufhin die griechische Ratspräsidentschaft das Sondertreffen am 6. Mai einberufen habe. Seitens der Präsidentschaft hieß es, die Minister sollen die Lage sowie die Möglichkeiten diskutieren, wie eine Ausbreitung der lebensgefährlichen Krankheit verhindert werden kann.

Rad-Weltmeisterschaft abgesagt

Der Internationale Radsport-Verband (UCI) hat inzwischen wegen SARS die Bahn-Weltmeisterschaften im chinesischen Shenzhen vom 30. Juli bis 3. August abgesagt und sucht nun einen neuen Austragungsort. "Wir haben eine verantwortungsbewusste Entscheidung getroffen, deren Gründe die Chinesen akzeptiert haben. Sie haben eingesehen, dass wir die Titelkämpfe räumlich verlegen mussten", erklärte der australische UCI-Vizepräsident Ray Godkin laut einer Pressemitteilung des Australischen Radsport-Verbandes.

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